Oberliga Hamburg 01
7. Spieltag


Meiendorfer SV

0

:

6


TSV Sasel

Anpfiff

Sa - 02.10. 14:00 Uhr

Spielstätte

Meiendorfer Straße

Zuschauer

108

Schiedsrichter

Florian Schwarze (MSV Hamburg)

Oberliga 01

„Sechsy“ Sasel: Meiendorf schöpft erst Mut – und wird dann „euphorisiert“ überrollt!

Nach seinem Tor zum 5:0 steuerte Benjamin Lucht (Mi.) auf Co-Trainer Marc Gräfe zu. Foto: Kormanjos

Als Benjamin Lucht den Ball per Linksschuss zum zwischenzeitlichen 5:0 in den Meiendorfer Maschen untergebracht hatte (alle Highlights im LIVE-Ticker), lief er schnurstracks auf die Saseler Bank zu und in die Arme von Co-Trainer Marc Gräfe. Es folgte ein Fingerzeig und der Jubel an der Seitenauslinie, woraufhin Mitspieler Tim Jeske in Richtung des Verteidigers rief: „Benni, du darfst jetzt auch gerne mal mit deinen Mannschaftskollegen feiern.“ Der Konter von Sasel-Trainer Danny Zankl ließ nicht lange auf sich warten: „Jetzt hast du wenigstens gesehen, wie es geht“, scherzte er, ehe Stürmer Jeske, der an jenem Samstagnachmittag torlos blieb, trocken konterte: „Vielleicht sollte ich auch einfach mal mit links schießen.“

Auf Meiendorfs neuen Cheftrainer Hakan Yavuz wartet jede Menge Arbeit. Foto: Kormanjos

Gute Laune bei den „Parkweglern“, die ihren zweiten Platz festigten und beim Debüt des neuen Meiendorf-Cheftrainers Hakan Yavuz einen Kantersieg bejubelten durften – und das lang ersehnte Comeback von Enrik Nrecaj. Der von Verletzungen geplagte und stets zurückgeworfene Torjäger feierte drei Zeigerumdrehungen vor Ultimo seine Rückkehr auf den Fußballplatz. Die ganze Bank stand auf und auch die Saseler Akteure auf dem Feld applaudierten dem „Comebacker“. Ein Treffer sollte ihm zwar nicht mehr gelingen, aber den Sieg und das Gefühl, endlich wieder auf dem Rasen zu stehen, konnte auch ihm keiner nehmen. Aber der Reihe nach.

Ercetin verpasst 1:0, Toksöz trifft auf der anderen Seite

20 Minuten lang war der Meiendorfer SV gut im Spiel drin, profitierte von den Ungenauigkeiten des TSV Sasel – und hatte sogar die Großchance zur Führung: Als Sasels Kjell Ellerbrock nach einer Kopfballweiterleitung von Evailton Fernandes ein Luftloch schlug, war Mustafa Ercetin urplötzlich auf und davon. Der Meiendorfer umkurvte TSV-Torsteher Todd Tuffour, scheiterte jedoch am Innenpfosten – nachdem der Winkel zu spitz wurde (11.). Und so kam es, wie schon in den letzten Wochen immer wieder: Ein Gegentreffer brach den Mannen von der B75 das Genick! Tim Jeske hatte am gegnerischen Strafraum viel Platz, legte für den mitgelaufenen Deran Toksöz ab – und dieser schob ganz lässig mit der rechten Innenseite aus 14 Metern zur Saseler Führung ein (22.). Der Anfang vom Ende für den MSV!

Celikten-Chip verdoppelt Führung

Haci Gündo?an (li.) versucht, den Ball zu behaupten. Foto: Kormanjos´

„Kommt, Männer – mehr Stress machen. Das ist zu wenig“, rief Neucoach Hakan Yavuz nach einer guten halben Stunde lautstark rein. Die Worte waren noch gar nicht richtig ausgesprochen oder gar verhallt, da lag der Ball zum zweiten Ball hinter Sulejman Hoxha im Meiendorfer Gehäuse. Tolga Celikten hatte nach einem Pass von Marc-Oliver Timm links im Sechzehner alle Zeit der Welt und vollendete mit einem hübschen Chip ins kurze Eck (31.)! „Mehr Bewegung“, forderte Yavuz wild gestikulierend, ehe er den überfordert wirkenden Rechtsverteidiger Samed Aksoy vom Platz nahm (35.).

"Bring‘ mal wieder mehr Sauerstoff rein"

Obwohl Sasel etwas fahrig aus der Kabine kam, was Danny Zankl nach einem Abspielfehler von Benjamin Lucht mit dem Satz „Bring‘ mal wieder mehr Sauerstoff rein“ quittierte, konnten die Hausherren kein Kapital daraus schlagen. Im Gegenteil. Toksöz veredelte einen herrlichen Spielzug über Celikten und Leon Tonder zum 3:0 (57.). „Wir hatten uns vorgenommen, den Anschluss zu suchen, aber nicht schon in den ersten 15 Minuten alles auf eine Karte zu setzen. Einige Jungs sind von dem Konzept abgewichen, dadurch entstanden die Löcher – und die Ballverluste hat Sasel ausgenutzt. Das ist deren Stärke“, so Yavuz, der anfügte: „Nach dem dritten und vierten Gegentor kam dann auch noch der psychologische Faktor dazu, dass einige den Kopf in den Sand gesteckt haben. Ich habe versucht, mit Wechseln darauf zu reagieren. Aber dann kriegen wir noch zwei weitere Slapstick-Tore“, sprach er das an, was noch folgen sollte.

Hoxha verteilt zwei Slapstick-Geschenke

Tolga Celikten (re.) zeigte eine starke Leistung für den TSV Sasel. Foto: Kormanjos

Zunächst waren es wieder Celikten und Tonder, die sich auf links durchspielten. Meiendorf konnte die Gefahr nicht bannen, der gerade eingewechselte Nick Gerken bedankte sich artig (73.). MSV-Keeper Hoxha musste das vierte Mal hinter sich greifen und lieferte sich anschließend ein Wortgefecht mit seinem Kapitän Edin Tanovic. Der Schlussmann war es auch, der bei den Gegentreffern fünf und sechs eine äußerst unglückliche Figur abgab. Erst ließ er ein Schüsschen von Benjamin Lucht, der überhaupt nicht attackiert wurde, passieren (82.). Dann kam er nach einem etwas zu lang geratenen Steilpass der Gäste aus seinem Gehäuse und zwar vor Jean-Lucas Gerken ans Spielgerät, allerdings vertändelte er die Kugel dann gegen Maximilian Grünberg. Dieser nahm das Geschenk an und zirkelte das Leder von der rechten Seitenauslinie in die Maschen (85.).

"Vielleicht waren wir von der Anfangsphase etwas euphorisiert"

Erstes Spiel unter neuer Regie, nächste Packung. Nichtsdestotrotz sah Hakan Yavuz nicht alles negativ: „In den ersten 30 Minuten hatten wir viel Ballbesitz, waren ruhig, teilweise auch souverän und hatten eine sehr gute Chance, haben aber auch noch ein, zwei weitere Angriffe sehr gut gesetzt“, befand er – und mutmaßte: „Vielleicht auch ein bisschen dadurch euphorisiert, kriegen wir dann ein vermeidbare Gegentor und relativ schnell hinterher das 0:2.“ Dennoch habe „die erste Halbzeit durchaus Mut für mehr und teilweise auch Spaß gemacht“. Grundsätzlich müsse man jedoch „gucken, dass wir den Gegner nicht zum Toreschießen einladen und nicht nur Ergebnis-orientiert Fußball spielen, sondern trotz des Spielstandes weiter an unserem Konzept festhalten.“ Sein Credo: „Man kann Tore kassieren, aber der Gegner soll sich dafür auch ein bisschen anstrengen. Und das war in der zweiten Halbzeit nicht mehr der Fall.“

"Das ist die Bestätigung, dass wir dann eklig zu verteidigen sind"

Meiendorfs Mustafa Ercetin (re.) hatte die Chance zur Führung, scheiterte aber am Pfosten. Foto: Kormanjos

Yavuz' Gegenüber freute sich derweil über den nächsten Sieg: „Wir nehmen gerne den Auswärtsdreier mit, haben zu Null gespielt und können damit zufrieden sein.“ Da man personell zurzeit nicht aus dem Vollen schöpfen kann – allein im Zentrum fehlten Nico Zankl, Andranik Ghubasaryan und Samuel Hosseini –, „mussten wir uns dem Gegner und dem Boden erst einmal anpassen. Das hat etwas gedauert“, konstatierte Zankl, ehe er präzisierte: „Wir sind leider nicht so gut ins Spiel gekommen, weil wir es im Pressing und in den Ballbesitzphasen von den Prinzipien her nicht so gespielt haben, wie wir uns das wünschen.“

Nach kurzer Findungsphase waren die „Parkwegler“ aber voll im Spiel drin und trafen sechsmal ins Schwarze: „Die Tore, die wir schießen, kann man alle so machen. Die machen wir echt schön. Da waren wir dann auch richtig gut in unseren Abläufen drin. Und das ist dann auch die Bestätigung, die wir nicht zum ersten Mal bekommen: Wenn wir drin sind im Spiel, die Räume richtig belaufen und den Ball mit ein bisschen Qualität zirkulieren, dann sind wir eklig zu verteidigen“, bilanzierte Zankl.

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