Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Punkte-Mitnahme abgelehnt: Fraglos fragwürdig!?

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. In dieser Woche geht es um den von der „Punkte-Initiative“ gemachten Vorschlag der (teilweisen) Mitnahme der Zähler nach der einfachen Hinrunde, den der Spielausschuss und das Präsidium des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) am Ende der vergangenen Woche ablehnten.

Das letzte Wort ist nun also gesprochen. Und das Echo nach der Bekanntgabe des HFV, dass die dortigen Gremien den Vorschlag der sogenannten „Punkte-Initiative“, (zumindest teilweise) Zähler mitzunehmen, ablehnen, war am zurückliegenden Wochenende nicht gerade klein. Das war zu erwarten. Ebenfalls vorhersehbar: Dass dieses Echo für den Verband nicht gerade positiv ausfallen würde. Und genau so war es: Die diversen Einträge und Kommentare in Sozialen Netzwerken sowie etliche Gespräche auf den Plätzen am vergangenen Wochenende lassen grüßen, wobei die Kommentare im Netz nicht unbedingt immer so sozial sind, wie es das Netzwerk gerne hätte. Eines ist daher dieser Kolumne ganz deutlich vorwegzuschicken: Es geht nicht darum, die handelnden Personen anzugreifen oder gar zu diffamieren. Es geht um die Sache – und hier sollte dann jeder für sich selbst entscheiden, ob die HFV-Entscheidung fraglos fragwürdig ist oder es fragwürdig ist, sie in Frage zu stellen. Klar ist jedenfalls: Es bleiben Fragen offen.

Warum lädt man die Initiative ein, wenn man eh weiß, dass man nichts änden kann?

Symbolfoto: Bode

Denn die Pressemitteilung des Hamburger Fußball-Verbandes vom vergangenen Freitag liest sich zwar nett – gerade an der Stelle, wo sie die Vertreter der Initiative und deren Arbeit noch einmal explizit lobt –, aber sie bietet doch den einen oder anderen Punkt, an dem es sich lohnt, mehr als ein Mal hinzusehen und vielleicht doch etwas mehr zu hinterfragen, was genau dort steht und was denn eigentlich Sache ist. Beginnen wir mit der Tatsache, die diverse Vertreter der Initiative bestätigen: Den „Punkte-Mitnahme-Befürwortern“ wurde in der Zeit vorm Treffen zu verstehen gegeben, dass es tatsächlich eine Chance, respektive: Möglichkeit, gebe, den Modus anzupassen und man daher gerne beim Spielausschuss vorsprechen könne. In der Pressemitteilung nun beruft sich der HFV darauf, dass genau diese Veränderung nicht mehr möglich ist, weil „alle die Durchführung von Wettbewerben berührenden regelungen in der Spielordnung und in den Durchfühurungsbestimmungen vor Beginn der Wettbewerbe bekannt sein müssen.“ Nun, dann bleiben an dieser Stelle die Fragen: Wenn man denn beim HFV schon von genau diesem Absatz 3 des Paragrafen 2 in der Spielordnung wusste – und davon ist ja auszugehen –, warum macht man dann der Initiative überhaupt falsche Hoffnungen? Warum lädt man die Vertreter ein, wenn man weiß, dass man eh nichts ändern (können) wird? So erreicht man nichts anderes als die Arbeit der Initiative vorerst einmal ad absurdum zu führen: Weshalb die ganze Arbeit, wenn man sie sich auch hätte sparen können, wenn man denn nur früh genug darauf aufmerksam gemacht worden wäre...

Warum passte eine Vereinsbefragung nicht ins Zeifenster vor der Saison?

Symbolfoto: Bode

Damit zum nächsten Punkt, an dem sich der genaue Blick lohnt: Dass „alle die Durchführung von Wettbewerben berührenden regelungen in der Spielordnung und in den Durchführungsbestimmungen vor Beginn der Wettbewerbe bekannt sein müssen“ ist an und für sich ja logisch, dass es dann aber in der HFV-Pressemitteilung vom Freitag heißt: „Leider war in diesem Jahr auf Grund der zeitlichen Konstellation nach Bekanntgabe der Spielfreigabe durch die Gesundheitsbehörde und der Verabschiedung der Durchfühungsbestimmungen und dem Start des Spielbetriebs eine umfangreiche Vereinsabfrage nicht nötig“, dann darf man dem gerne gegenpüber halten: Die erst Mail der Initiative beim Verband ging am 9. September ein, die zweite am 17. September. Schauen wir in den Kalender, so stellen wir schnell fest: beides Daten, die vor dem Start in die Saison lagen. Warum schafft man es in dieser Zeit nicht, die Vereine zu befragen? Bei der Frage nach dem Abbruch der vorherigen Saison aufgrund von Corona war das Zeitfenster zur Abstimmung doch auch nicht viel größer. Warum hat man sich nicht schon im Vorfeld mit genau solchen Fragen beschäftigt, als der Ball wegen Corona monatelang rollte? Warum hat man nicht darauf reagiert, dass es schon beim Verbandstag im Juli die Bitte der Clubs, gab, der HFV möge den Schulterschluss mit den Vereinen suchen und diese mit ins Boot nehmen, wenn es um weitere Entwicklungen und Pläne geht? Und: Warum wurde bis heute eigentlich in keiner Pressemitteilung des HFV offiziell kommuniziert, wieso die Punktemitnahme aus Sicht des HFV nicht direkt in den Modus mit eingearbeitet wurde? Ein Fall von misslungener Kommunikation. Dem Autor dieser Kolumne ist jedenfalls keine Mitteilung untergekommen, in der der Verband dies erläutert hat.

Was, wenn nicht dieser Modus, steht in Zusammenhang mit der Covid 19-Pandemie?

Symbolfoto: Bode

Diese Aufklärung betrieben am Freitag dafür die Initiativen-Vertreter – namentlich Matthias Nagel, der die Sicht des HFV erklärte: Die Hinrunde und die Meister- respektive Anstiegsrunde seien zwei in sich abgeschlossene Wettbwerbe. Der eine ein Wettbewerb zur Qualifikation, der andere dann eben die entsprechende Runde. Ja, nett – lässt einen dann vielleicht sogar den Modus des HFV im Ansatz mehr verstehen – aber: Warum sagt einem das vorher keiner der Herren aus Jenfeld? Damit zur nächsten Frage, die einem nach der genauen Betrachtung der besagten Pressemitteilung vom letzten Freitag bleibt. Da heißt es ergänzend zu jenem Paragraph 2, Absatz 3 der Spielordnung: „Für die Saison 2020/2021 gilt: Das HFV-Präsidium kann nach Beginn der Wettbewerbe Änderungen an der Spielordnung und den Durchführungsbestimmungen vornehmen, sofern dieses im Zusammenhang mit der Covid 19-Pandemie oder einer anderen Pandemie steht.“ Lassen Sie, liebe Leser, sich den Satz auf der Zunge zergehen, während Sie ihn lesen, Ein, vielleicht sogar zwei Mal. Und? Genau, einige dürften sich an dieser Stelle die (berechtigte) Frage stellen: Der jetzige Modus steht eindeutig in Zusammenhang mit der Covid 19-Pandemie – sonst würden wir ja ganz normal eine Hin- und eine anschießende Rückrunde spielen. Oder gibt’s Corona plötzlich einfach nicht mehr? Ist, bewusst überspitzt gefragt, Jenfeld vielleicht das kleine gallische Dorf, um das Corona einen Bogen macht? Ob die HFV-Entscheidung fraglos fragwürdig ist oder es fragwürdig ist, sie in Frage zu stellen, darf nach dieser Kolumne nun jeder für sich selbst entscheiden. Klar ist jedenfalls: Es bleiben Fragen offen...


Jan Knötzsch

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