LOTTO-Pokal
5. Spieltag


Wedeler TSV

3

:

2


SC Victoria Hamburg

Anpfiff

Di - 31.10. 14:00 Uhr

Spielstätte

Elbestadion

Zuschauer

163

Schiedsrichter

Stephan Timm (SC Egenbüttel)

Nervenkrimi: Trotz Nachspielzeit-Schock - Moslehe lacht zuletzt!

Ein jubelnder Ali Moslehe, der in der Verlängerung das goldene Tor für seine Wedeler erzielte. Foto: KBS-Picture

Am Dienstagnachmittag kam es im Achtelfinale des ODDSET-Pokals zum Duell der Oberligisten Wedeler TSV und SC Victoria im Elbestadion. Nicht nur aufgrund der deutlichen Liga-Klatsche gegen Vicky (1:6) sprach WTSV-Coach Jörn Großkopf im Vorfeld davon, dass man "absoluter Außenseiter" sei und das Spiel als "Bonbon und Highlight" ansehen würde. Am Ende wurde es ein 120-minütiges Highlight, indem die Hausherren die Revanche schafften und sich im spannenden Pokalfight mit 3:2 durchsetzten. „Ich bin einfach über diese Mannschaftsleistung erfreut und bin stolz auf die Jungs. Ich genieße es heute erstmal, dass wir mit der Mannschaft weiter gekommen sind und dann schauen wir, was kommt“, sagte ein zufriedener und erleichterter Jörn Großkopf nach dem Spiel.

Drin das Ding! Tim Jeske (re.) trifft zum 1:1 für seinen WTSV. Foto: KBS-Picture

Die erste Unsicherheit in der Partie zeigten die Gäste: Vincent Ermisch überprüfte früh in der Partie, ob sein Torhüter auch wirklich bei der Sache ist. Er spielte einen Ball zurück, hatte dabei aber nicht gesehen, dass Victor Medaiyese bereits auf dem Weg in die andere Ecke war. Glück für Ermisch und Vicky, dass der Fänger noch rechtzeitig zur Stelle war und den Ball vor der Linie erreichte. Kurz darauf steckte Jannick Wilkens das Spielgerät auf Tim Jeske durch, der in jener Situation allerdings noch vergab (5.). Nur vier Minuten später lag der Ball dann im Netz, jedoch in dem von Wedel. Dennis Bergmann führte einen Einwurf aus und bekam den Ball postwendend von Nick Scharkowski zurück. Bergmann hatte viel Platz und brachte das Leder in die Mitte, wo Ebenezer Utz einköpfte – 0:1!

Kohpeiß verpasst zweiten Vicky-Treffer

„Man kann durch Jeske schon 1:0 in Führung gehen. Und stattdessen machen wir einen kapitalen Bock, weil wir mit zwei Mann auf den Flankengeber gehen und die Hereingabe trotzdem nicht verhindern können“, ärgerte sich Großkopf, dessen Team um ein Haar das 0:2 kassierte: in der 28. Minute behauptete Bergmann den Ball im Zweikampf mit Ali Moslehe und brachte das Spielgerät in die Mitte. Klaas Kohpeiß stand völlig frei im Strafraum und setzte zum Kopfball an, doch er scheiterte an der Latte. Anscheinend hatte er nicht mit so viel Freiraum gerechnet.

Es ging zur Sache im Elbestadion: Hier zwischen Tim Vollmer (li.) und Yannick Petzschke. Foto: KBS-Picture

Nachdem die Hausherren in dieser Situation viel Glück besaßen, konnten sie auf der Gegenseite den Ausgleich erzielen: Jorma Eggers fand mit seinem Einwurf Marlo Steinicke, der sich an der Grundlinie durchsetzen konnte und das Leder flach in den Strafraum brachte, wo Theodoros Ganitis geschickt durchließ. Tim Jeske hatten alleinstehend keine Schwierigkeiten, den Ball über die Linie zu drücken (34.)! „Wir haben hintenraus, dann auch über die 120 Minuten, bei den Gegentoren viel zu viele Fehler im Stellungsspiel und im Laufverhalten. Das ist natürlich bitter, wenn du solche Fehler machst, die dann auch noch so bestraft werden. Wir hatten nicht immer den richtigen Lösungsansatz und bekommen das 1:2, wo wir schlecht verteidigen und uns überrumpeln lassen, in einer Phase, wo wir in der zweiten Halbzeit mehr Spielkontrolle hatten“, befand Jean-Pierre Richter nach dem Spiel.

Nach der Halbzeit nahmen beide Mannschaften etwas den Fuß vom Gas, denn wirklich gefährliche Chancen entstanden nicht. Jeske hatte eine Möglichkeit für die Heimmannschaft (50.) und Kohpeiß vergab für die Gäste (79.). Zwischen diesen beiden Aktionen reklamierten beide Mannschaften je einen Strafstoß für sich. Zuerst wurde Utz im Strafraum zu Fall gebracht (69.), auf der anderen Seite ging Tim Vollmer, der von Yannick Petzschke bearbeitet wurde, zu Boden. Beide Male blieb die Pfeife des Schiedsrichters Stephan Timm (SC Egenbüttel) stumm. Acht Minuten vor Ultimo konnten die Elbstädter dann doch noch einmal zuschlagen und den vermeintlichen Luckypunch setzen, als Ali Moslehe über die linke Seite an allen vorbei zog und die Kunststoffkugel scharf und flach ins Zentrum schlug. Dort war wieder Jeske mitgelaufen, der den Ball mit dem gestreckten Bein erwischte und ihn über die Linie drückte (82.)! Der Jubel auf Seiten des Wedeler TSV war groß, doch die Partie noch nicht zu Ende.

In der Nachspielzeit: Scharkowski rettet Vicky in die Verlängerung

Ein leidenschaftlicher Kampf: Auch Christian Dirksen ging über die Schmerzgrenze hinaus. Foto: KBS-Picture

Kurz vor Schluss, mit der letzten Aktion des Spiels, gelang den Mannen von der Hoheluft aber doch noch der reichlich umjubelte Ausgleich, als man Mann und Maus nach vorne schmiss und volles Risiko ging. Der mitaufgerückte Petzschke behauptete sich auf dem rechten Flügel und flankte punktgenau in die Gefahrenzone, wo Scharkowski lauerte, seinen Fuß hinhielt und der Ball über die Linie rauschte (92.) – der Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde, denn danach war Schluss! Somit ging es für beide Mannschaften in die Verlängerung, beide Trainer brachten noch einmal frische Spieler. „Die Mannschaft hatte vor zwei Tagen erst ein Punktspiel und einige hatten 90 Minuten in den Knochen. Das hat man heute aber nicht gesehen", wuchsen Großkopfs Schüttlinge kräftemäßig über sich hinaus. Richter hingegen meinte, dass „wir die Frische auch nicht mehr hatten, um eine Antwort zu geben, geschuldet der intensiven Saison bisher“.

Denn Wedel setzte direkt nach Wiederanpfiff die entscheidenden Aktionen. Ein langer Ball wurde diagonal auf Moslehe geschlagen, der das Leder technisch sauber mit der Brust annahm und dann abzog. Sein Schuss flog in die linke Ecke und Medaiyese musste sich geschlagen geben (96.) - 3:2 Wedel! Danach warfen die Gäste wieder alles nach vorne. Luca Ernst (105.), Julian Schmid (109.), Marc Lange (111.) und Scharkowski (113.) ließen ihre Chancen aber allesamt liegen. Somit beendete der Unparteiische die Partie nach packenden 120 Minuten und der WTSV feierte den Viertelfinaleinzug frenetisch. Während Vicky-Bankspieler Luis Hacker nach Abpfiff noch den roten Karton sah - vermeintlich wegen einer Schiedsrichter-Beleidigung.

Die Teamkollegen feiern ihren Siegtorschützen Ali Moslehe (li.). Foto: KBS-Picture

„In der 90. Minute machen wir den Ausgleich und gehen in die Verlängerung, das zeigt wie gefestigt wir sind, trotz des Umbruchs im Sommer und der Veränderung. Auch wenn wir jetzt niedergeschlagen sind, ist die Mannschaft stark und wird wieder aufstehen. Die Niederlagen in den Punktspielen haben uns sicherlich auch stärker gemacht haben. Der Frust und die Enttäuschung sind im Endeffekt natürlich groß. Aber man muss es akzeptieren und Wedel gratulieren, da sie es sich über 120 Minuten erarbeitet haben. Wir haben uns selber soweit beschränkt, dass wir nicht der Sieger sind“, befand Richter nach dem Spiel. Sein Gegenüber bilanzierte: „Wir haben mehr investiert, mehr Kampf in die Waagschale gelegt - und am Ende auch verdient gewonnen, weil wir einfach mehr wollten. Wir mussten Klaas Kohpeiß und Nick Scharkowski möglichst aus dem Spiel nehmen und das ist uns fast über 120 Minuten gelungen. Schlussendlich war der Sieg nicht unverdient.“


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