Landesliga Hansa
7. Spieltag


SC V/W Billstedt 04

1

:

2


Hamm United FC

Anpfiff

Sa - 09.09. 15:00 Uhr

Spielstätte

Öjendorfer Weg

Zuschauer

150

Schiedsrichter

Björn Lassen (Barsbütteler SV)

Landesliga Hansa

Mentalität schlägt Individualität: Auf der letzten Rille, aber mit „Mr. 200 Prozent“ zum Derbysieg!

Der wieselflinke Japaner Arima Kosei brachte Hamm United in Front und spielte die Hintermannschaft von V/W ein ums andere Mal schwindelig. Foto: noveski.com

„Bei uns verliert nicht die Mannschaft, sondern ich gehöre dazu. Wir haben letzte Woche gemeinsam verloren“, blickte Ümit Taytanli auf die saftige 3:6-Klatsche gegen den FC Voran Ohe zurück. „Diese Woche wollten wir wirklich ein Zeichen setzen. Das war auch das Motto“, wollte der SC V/W Billstedt im Derby gegen den Hamm United FC (alle Highlights im LIVE-Ticker) so etwas wie Wiedergutmachung betreiben. Dementsprechend richtete der Chefcoach des Tabellenführers unmittelbar vor dem Anpfiff noch ein paar eindringliche Worte an seine Schützlinge. Tenor: „Das Wort ‚Verlieren‘ kann in dieser Saison nicht mehr zu unserem Wortschatz gehören!“ Gute anderthalb Stunden später war die Ernüchterung riesengroß: Die „Geächteten“ feierten den Derbysieg auf des Gegners Platz!

Billstedt-Angreifer Mario Burmester erlebte einen überaus unglücklichen Nachmittag. In der Anfangsphase vergab er bereits drei Top-Chancen. Hier trifft er den Pfosten. Foto: noveski.com

Kurios wurde es schon vor Beginn: Da ein Schiedsrichter-Assistent ausfiel, musste ein beim HUFC beheimateter Offizieller – in Rücksprache und im Einvernehmen mit den Hausherren – einspringen. Groß wäre der Aufschrei gewesen, wenn das aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition nicht gegebene 3:0 für den Gast noch von spielentscheidender Natur gewesen wäre. Denn inmitten in jener Phase, als Billstedt ordentlich schwamm, spielte Aljoscha Bachert den perfekten Ball über die Kette. Der wohl im Abseits stehende Davidson Eden blieb weg, so dass Arima Kosei auf und davon zog und zur Entscheidung einschoss. Doch die Fahne des „Hamm-Assistenten“ ging hoch und der Treffer zählte nicht. Kurz darauf blies Wacker zur Aufholjagd.

"Am End eist ja alles gut gegangen"

Die Führung: Arima Kosei (Mi.) vollendet einen Konter der Gäste zum 1:0. Foto: noveski.com

„Das ist schon schwierig von der Konstellation“, gab Hamm-Coach Sidnei Marschall unumwunden zu. „Aber im Endeffekt haben wir gewonnen und alles ist gut gegangen.“ Und dass, obwohl die Vorzeichen dies nicht unbedingt vermuten ließen. Berufsbedingt erschien Marschall erst eine gute Viertelstunde vor Anpfiff auf der Anlage am Öjendorfer Weg. Co-Trainer Gerrit Lobmeier weilte auf einer Hochzeit, so dass Liga-Manager Stephan Rahn das Aufwärmen machte. Doch damit nicht genug. „Wir sind mit 13 Feldspielern und zwei Torhütern angereist. Dafür haben wir echt gut dagegengehalten“, lobte Marschall seine Mannen.

„Man hat schon in der ersten Halbzeit gesehen, dass zwei, drei Leute von Hamm gar keine Luft mehr hatten und zumindest in dem Aspekt nicht in der Lage waren, das Tempo zu gehen. Darauf haben wir auch so ein bisschen gesetzt, dass die spätestens dann, wenn wir das 1:1 machen, komplett einbrechen. Das ist aber nicht passiert“, musste ein ernüchterter Taytanli feststellen. Vielmehr wirkten seine Schützlinge mit fortlaufender Spielzeit immer ratloser, planloser und ideenloser.

Vorwärts versiebt reihenweise Chancen

Das 0:2: Ohne jeglichen Gegnerdruck bugsiert Georg Demircan (li.) eine scharfe Hereingabe von "Mr. 200 Prozent" Davidson Eden ins eigene Eckige. Foto: noveski.com

Dabei kam Vorwärts-Wacker gut ins Spiel rein. „Wir haben uns geile Dinger herausgespielt, scheitern aber zweimal am Aluminium und am Torwart, der zwei Dinger stark rauskratzt. Wenn du diese vier Buden machst, dann sagen alle: Das war von Vorwärts ja auch zu erwarten. Aber wenn du die Buden nicht machst, dann stehst du hier mit null Punkten“, sprach Taytanli auf den überaus unglücklichen Mario Burmester an, der erst an der Latte (11.) und dann am Pfosten hängenblieb (14.). Zuvor vergab der Youngster bereits freistehend gegen den glänzend reagierenden Petar Barukcic (7.), der auch gegen Filip Joost aus kurzer Distanz blitzschnell unten war (11.). Was für eine Anfangsphase!

"Wir haben im letzten Drittel keine Lösungen gefunden"

Die ganze Mannschaft spurtet nach dem zweiten Treffer zum willensstarken Vorbereiter Davidson Eden. Foto: noveski.com

Das Tor machten aber die Gäste, weil Joel Andrew direkt nach der ersten Burmeister-Großchance auf dem rechten Flügel mit einem ungeheuren Tempo gegen Georg Demircan davonzog und das Auge für Arima Kosei hatte – 0:1 (7.)! „Wir haben die Buden nicht gemacht. Das ist das, was wir uns vorwerfen lassen müssen. Hamm kommt mit dem Führungstor rein und zieht daraus die Motivation für den Rest der Halbzeit“, befand Taytanli, dessen Hoffnungen, dass Hamm bei brütender Hitze einbrechen würde, nicht aufgingen. Ganz im Gegenteil.

„Wir haben im letzten Drittel keine Lösungen gefunden, um zum Torerfolg zu kommen. Wir haben eine Menge versucht. Aber es hat leider nicht gelangt heute“, resümierte Taytanli, dessen Leistungsträger ebenfalls abtauchten. „Das erwarten wir nicht nur in solchen Situationen, sondern generell, dass die Führungsspieler, die wir geholt haben, vorweg marschieren. Das machen sie grundsätzlich auch, können aber auch keine Torchance im Alleingang heraus schnitzen. Dafür bin ich da. Aber es stimmt. Zu Beginn ist uns das leichter gefallen und wirkte auch leichtfüßiger. Aber hintenraus war es ein bisschen zäh.“

"Dave ist mein Kapitän - und das aus gutem Grund"

Ein Traumtor von Enis Djebbi per Schlenzer in den Winkel brachte Billstedt zurück. Aber zu mehr langte es für die "lösungslosen" Hausherren nicht. Foto: noveski.com

Der vom ETSV Hamburg verpflichtete Leon Mundhenk fiel wenn, dann nur durch Trashtalk auf. Und in der 52. Minute, als er sich vom überragenden Davidson Eden, inzwischen immerhin 35 Jahre jung, komplett überspurten ließ. Die scharfe Hereingabe drückte der indisponierte Demircan ins eigene Eckige – 0:2! „Dave ist ein absoluter Vollprofi! Ob das im Kreis, beim Fünf gegen Fünf oder beim Elf gegen Elf ist – er gibt einfach immer 200 Prozent. Sowohl kämpferisch als auch vom Willen. Das Problem ist nur so ein bisschen, dass er genau das auch von allen anderen erwartet. Und das ist in der Landesliga natürlich schwierig. Aber er ist mein Kapitän und das aus gutem Grund“, so Marschall über seinen „Leader“.

Der Coach der „Geächteten“ stellte in der Pause um, „weil die immer das gleiche gespielt haben“, begründete er den Schritt, die erfahrenen Eden, Jeffery Volkmer und Gabriel Meneghini Perin als Dreierkette agieren zu lassen. Ein Bollwerk, das nahezu alles (weg-)verteidigte. Gleiches galt für den eingewechselten und frisch aus dem Urlaub zurückgekehrten Karl Feldmer. „In der zweiten Halbzeit ist ja nicht mehr ganz so viel angebrannt. Da haben wir das gut verteidigt und mit unseren schnellen Leuten auf Konter gehofft. Einmal hat es auch gereicht, eigentlich sogar ein zweites Mal in meinen Augen. Denn das war aus meiner Sicht kein Abseits“, deutete Marschall auf den nicht gegebenen Kosei-Treffer an.

Einzelaktion von Djebbi führt zum Anschluss

Der Jubel bei den "Geächteten" war nach Abpfiff riesengroß. Mit 13 Feldspielern angereist, triumphierte Hamm beim Primus. Foto: noveski.com

Stattdessen kam Billstedt zurück. Und wie sollte es auch anders sein: Mit einer Einzelaktion. Nach Zuspiel von Joost schlenzte Enis Djebbi das Spielgerät aus 20 Metern linker Position herrlich in den rechten Giebel (67.)! Dem vorausgegangen war ein Fauxpas des wenige Sekunden zuvor eingewechselten Lenny Stöver am gegnerischen Sechzehner, woraufhin der Gegenzug rollte, der Ball im Netz einschlug und Eden aufgrund des zu einfachen Ballverlustes die Hutschnur platzte. Aber: Mehr war nicht. Obwohl V/W noch sechs Minuten Nachspielzeit – vier waren eigentlich nur angezeigt – bekam.

„Wir wussten, dass die fußballerisch stark sind auf dem Kunstrasen. Aber im Endeffekt haben wir die drei Punkte. Alles andere ist scheißegal“, jubelte Marschall, der fast wunschlos glücklich war: „Ich hätte mir ein bisschen mehr Fußball gewünscht. Aber wir haben schnell gemerkt, dass die Luft bei uns komplett raus ist. Viele waren verletzt, krank oder im Urlaub, so dass wir bei den Temperaturen auch nicht komplett wechseln konnten.“ Musste er am Ende aber auch nicht – denn auch so reichte es zum Derbysieg!