Corona-Lockdown

„Man sollte sich in Richtung Frühjahr orientieren – dann wird man zumindest nicht böse überrascht sein“

Am Montagabend äußerte sich Hamburgs Sports-Staatsrat Christoph Holstein zur aktuellen Corona-Lage in Bezug auf den Amateurfußball. Foto: Heiden

Der Sport sei nun mal sehr „kontaktintensiv“, sagt Sport-Staatsrat Christoph Holstein – und fügt an: „Es treffen sich viele Menschen aus unterschiedlichen Gegenden und Familien. Das ist ja eigentlich die schöne Sache am Sport. Aber in der jetzigen Situation mit der Pandemie ist es natürlich auch ein Risiko, wenn sich viele Menschen auf engem Raum treffen“, begründet er am Montagabend im Amateurtalk „Kalles Halbzeit im VERLIES“, warum der Amateursport – wie viele andere Bereiche – zurzeit still steht. „Die Situation ist momentan die, dass wir nach wie vor angespannte Zahlen haben. Es entwickelt sich ein bisschen positiv – aber wir sind weit weg von den Zahlen, die wir im Sommer hatten. Von daher müssen wir ein bisschen vorsichtig sein – und das betrifft dann auch den Sport.“

HFV-Präsident Dirk Fischer erklärte Ende Oktober: "Der Sport auf dem Platz ist nicht Treiber der Infektionen." Foto: KBS-Picture.de

Ende Oktober erklärte HFV-Präsident Dirk Fischer in einer Pressemitteilung des Verbandes: „Auch der Amateursport wird seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten müssen. Dennoch ist es schwer vermittelbar, dass Kinder und Jugendliche in der Schule zusammen sitzen und dann draußen an frischer Luft keinen Sport zusammen treiben dürfen. Der Sport auf dem Platz ist nicht Treiber der Infektionen. Es ist das Umfeld. Diesem Umstand sollten die Vorschriften und notwendigen Kontrollen Rechnung tragen.“ Eine Aussage, der Holstein „ein Stück weit“ beipflichtet. „Ja, es ist ein bisschen schwer erklärbar.“ Aber, so der Staatsrat Sport weiter: „Wir haben politisch entschieden, dass die Schulen privilegiert sind. Das heißt, wir wollen unbedingt, dass der Schulunterricht stattfindet – auch der Sportunterricht.“ Die Kinder würden sowohl im Unterricht als auch im Schulsport sowie auf dem Pausenhof aufeinandertreffen. „Wenn diese Kinder nachmittags noch Vereinssport betreiben würden, dann würden sie wiederum auf andere Kinder treffen – und dann würde genau das passieren, was wir eigentlich nicht wollen“, so Holstein bei „Kalles Halbzeit im VERLIES“, ehe er präzisiert: „Es würden nämlich Kontakte entstehen, die nicht zwingend notwendig sind.“ Womit er auf Kontakte zu anderen Kindern, Trainern, Eltern oder auch Freunden anspricht.

"Bekommen von den Vereinen und Verbänden die Einschätzungen, die wir brauchen"

Momentan befinde man sich „in einer Situation, wo alle Bereiche der Stadt ihre Beiträge leisten müssen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Und dazu zählen auch der Amateursport und der Amateurfußball.“ Es gehe um „eine große und gemeinsame Kraftanstrengung“, betont Holstein – und erläutert, warum der Profisport gesondert behandelt wird: „Sport soll da, wo es um Berufssport geht, möglich sein. Das sind Leute, die durch den Sport einen erheblichen Teil ihres Lebensunterhalts finanzieren.“ Mit den Vereinen und Verbänden stehe man indes „aus unterschiedlichsten Gründen fast täglich und intensiv im Austausch“, berichtet Holstein. „Das ist für uns auch ganz wichtig, weil wir von den Verbänden und den Vereinen, die ja quasi ‚an der Front stehen‘, die Einschätzungen bekommen, die wir brauchen, damit wir die Lage richtig einschätzen können.“

"Bevor wir nicht bei einem Inzidenzwert von unter 50 sind, sollten wir nicht über Lockerungen sprechen"

Hamburgs Staatsrat Sport, Christoph Holstein, will angesichts der hohen Inziddenzzahlen "gar nicht über Lockerungen sprechen". Foto: Screenshot/Kalles Halbzeit im VERLIES

Doch was genau bedeutet das und wie geht es weiter? „Das ist ein Blick in die Glaskugel“, entgegnet Holstein. „Das Entscheidende ist, dass wir die Infektionszahlen und damit verbunden die Inzidenzzahlen gesenkt bekommen. Das ist das Wichtige und die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt über Lockerungen nachdenken können.“ Scheint so, als würde dem Amateursport auch nach dem 10. Januar – bis dahin ist der aktuelle Lockdown zunächst einmal angedacht – ein Stoppschild verpasst werden. „Die Inzidenzzahl liegt momentan zwischen 90 und 95 – und bevor wir nicht bei unter 50 sind, sollten wir alle – so ehrlich muss man sein – gar nicht lange über Lockerungen sprechen.“ Man denke zwar darüber nach, so Holstein, „aber die Voraussetzung ist eine spürbare, deutliche und länger andauernde Senkung dieser Zahlen“.

"Für den Amateurfußball ein Vorteil, dass er unter freiem Himmel stattfindet"

Und so macht er auch keinen Hehl aus seiner Einschätzung: „Ich bin ein optimistischer Mensch und trotzdem glaube ich, dass man sich momentan eher in Richtung Frühjahr orientieren sollte. Dann wird man zumindest nicht böse überrascht sein.“ Wichtig sei: „Zahlen senken, diszipliniert bleiben – das sind die Voraussetzungen dafür, dass wir in allen möglichen Bereichen, auch im Amateursport, schnell wieder zu Lockerungen kommen können.“ Zwei Dinge, die dem SPD-Politiker Hoffnung machen und ihn ein Stück weit optimistisch stimmen lassen: „Die Tatsache, dass wir zum Frühjahr hin wieder andere Temperaturen haben. Gleichzeitig hoffen wir ja alle, dass wir zu Beginn des neuen Jahrs mit den Impfungen anfangen können. Und diese Doppelwirkung kann dann dazu führen, dass man sagt: Die Situation hat sich ein bisschen gebessert.“ Hinzu kommt, dass es „für den Amateurfußball natürlich ein Vorteil“ sei, „dass er unter freiem Himmel stattfindet. Denn das kann man, so glaube ich, heute schon sagen: Als Allererstes würden wohl Lockerungen da erfolgen, wo Freiluftsport betrieben werden kann.“ Doch ob das bereits ab dem 10. Januar der Fall sein wird und der vom HFV zurzeit angedachte Plan, am letzten Januar-Wochenende den Liga-Spielbetrieb wieder aufzunehmen, tatsächlich vonstattengehen kann, steht mehr als nur in den Sternen…


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