Karch lässt nach mäßigem Test in Lurup seinem Ärger freien Lauf

HSV III-Coach Felix Karch (links) im Fachgespräch mit Lurup-Trainer Selcuk „Sella" Turan. Foto: Mathias Merk

Eine auf gewisse Art verkehrte Welt gab es beim Testpiel zwischen Landesliga-Absteiger SV Lurup und Oberliga-Aufsteiger Hamburger SV III zu sehen. Denn der Sieger-Trainer war aufgrund der Leistung seiner Mannen nach dem Abpfiff äußerst unzufrieden und die eigentlichen Verlierer gingen doch irgendwie als Gewinner vom Platz. Außerdem gab es bereits nach 13 Minuten einen Schockmoment für die Norderstedter, einen Doppeltorschützen binnen weniger Sekunden, zwei kroatische Gastspieler, die durchaus zu überzeugen wussten, weshalb einer von beiden als „Mini-Mandzukic“ bezeichnet wurde, und einen wütenden HSV III-Trainer Felix Karch, der nach Abpfiff extrem klare Worte fand.

Felix Karch fand klare und kritische Worte für sein Team. Foto: Mathias Merk

Testspiele nutzen die Trainer in der Regel dafür, um für sich Erkenntnisse daraus zu ziehen, auf welchem Stand ihre Spieler sind. Und genau das machte auch Felix Karch während der 90 Minuten beim SV Lurup am Montagabend. Sonderlich positiv fielen diese aber nicht aus. Im Gegenteil. „Nach einer harten Rückserie, mit dem – aus meiner Sicht - verdienten Aufstieg in die Oberliga, hatten wir mit nur drei Wochen eine sehr kurze Pause und zuletzt ein anstrengendes Training. Deshalb sind die Jungs wohl müde im Kopf, was ich für mich als Erklärung dafür nehme, dass sie heute keine gute Leistung gezeigt haben. Denn das, was sie gezeigt haben, war nicht mal mittleres Landesliganiveau“, resümierte Karch, um anschließend weiter auszuholen: „80 bis 90 Prozent der Spieler haben keinerlei Bereitschaft gezeigt, die Laufwege oder in die Zweikämpfe zu gehen. Über weite Strecken hat man zwischen Lurup und uns keinen Klassenunterschied erkennen können. Wenn wir so in der nächsten Saison auftreten, wird das ein Himmelfahrtskommando! Der größte Teil hat wohl nicht verstanden, um was es hier geht. Denn mit dem Vorbereitungsstart fängt die neue Saison an, aber wir müssen uns wohl mal Gedanken darüber machen, dass wir vielleicht dem einen oder anderen keinen Gefallen damit tun, wenn wir ihn im Oberliga-Kader lassen. Dementsprechend müssen wir das jetzt weiter beobachten, um dann Entscheidungen zu treffen. Das ist auch das, was ich der Mannschaft gesagt habe: Wer sich hier weiterhin so präsentiert, wird zu Saisonbeginn nicht mehr im Kader sein. Denn das tun wir uns nicht an, weil wir in der Oberliga nur über die Mentalität etwas reißen können!“

Turan: „Das war ein sehr guter und effektiver Test für uns"

Der Luruper Hüsnü Turan machte viel Betrieb üder die rechte Außenbahn und ließ immer wieder seine Gegner aussteigen. Foto: Mathias Merk

Dabei gewann sein Team beim aus der Hammonia-Staffel abgestiegenen Neu-Bezirksligisten SV Lurup mit 4:2 - doch der Sieg war hart erkämpft. Denn der SVL, bei dem nicht nur Trainer Selcuk Turan neu ist, sondern fast das gesamte Team ausgetauscht wurde (wir berichteten), spielte von Beginn an munter auf, ging gut in die Zweikämpfe und kam gerade über die Außenbahnen immer wieder mit gefährlichen Vorstößen dem HSV-Gehäuse nahe. Dabei fiel auf, dass die Rot-Weißen bereits sehr gut miteinander harmonierten, sodass es für die 71 anwesenden Zuschauer sicherlich eine Freude war, dem in den vergangenen zwei Jahren stets durch Negativmeldungen in Erscheinung getretenen SV Lurup, zuzuschauen. Denn die Turan-Truppe zeigte ein gutes Gegenpressing und stand in der Defensive über weite Strecken sehr stabil. „Für uns liegt das Hauptaugenmerk darauf, dass wir unser Abwehrverhalten trainieren. Wir haben die Räume gegen einen eigentlich starken Gegner gut zugemacht und relativ wenig Chancen zugelassen“, zeigte sich Turan nach der Partie zufrieden. „Das war ein sehr guter und effektiver Test für uns, denn wenn man gegen eine höherklassige Mannschaft Fehler macht, werden diese natürlich auch gnadenlos aufgezeigt.“

Schmerzhafte Auswechslung nach 13 Minuten

Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte Volkan Karadeniz (Mitte) aufgestützt vom Platz. Foto: Mathias Merk

Dem „Underdog“ gehörte sogar in der 28. Minute die erste Großchance, die jedoch von Rauten-Keeper Yannick Heuer mit einer Glanzparade vereitelt wurde. Zuvor gab es für die Karch-Truppe bereits einen Schockmoment, als sich Volkan Karadeniz nach 13 Zeigerumdrehungen in einem Zweikampf am Sprunggelenk verletzte und gestützt vom Platz humpelte. Karch: „Ich denke mal, dass die Bänder in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ob was kaputt ist oder nicht, wird sich die Tage zeigen. Das ist natürlich ärgerlich, weil er sich in den letzten Monaten wirklich sehr gut entwickelt hat und nach den Ausfällen von Jendrik Bauer und Timo Trefzger wäre das der nächste Spieler, der uns im Zentrum wegbricht.“ Doch trotz einer hart umkämpften Partie und des frühen Verlustes von Karadeniz, fingen sich die Norderstedter kurz vor der Pause, als Emre Yasar in der 42. Minute seinen Auftritt hatte: Innerhalb von 38 Sekunden knipste der Flügelflitzer zwei Buden und besorgte dadurch seinem Team zur Halbzeit einen recht komfortablen Vorsprung, der im zweiten Durchgang durch Kristijan Augustinovic auf 3:0 ausgebaut wurde (66.). Der 18-jährige Offensivspieler kam mit seinem Zwillingsbruder Marko - dieser lief im defensiven Mittelfeld auf - aus Kroatien und wusste, genauso wie sein Ebenbild, durchaus zu überzeugen. Karch: „Kristijan ist wie ein 'Mini-Mandzukic', der 45 Minuten lang durchgehend im Sprint unterwegs war und auch unangenehm für den Gegner sein kann. Wir haben ihn und Marko zurzeit als Gastspieler bei uns, um sie uns anzuschauen, und wir sind nicht uninteressiert daran, sie zu verpflichten.“

Lurup kämpft sich ran und macht die Schlussphase spannend

Kurz bevor ihm der Elfmeter zum 4:2 für die Rothosen zugesprochen wurde, tanzte Muhammed Burtakucin (weißes Trikot) gleich vier Gegner auf engstem Raum aus. Foto: Mathias Merk

Was die Jungs des SV Lurup anging, so zeigten sie im weiteren Spielverlauf eine starke Moral, indem sie trotz des deutlichen Rückstandes nicht die Flinte ins Korn warfen, sondern ganz im Gegenteil sogar, sich nochmal rankämpften. Denn erst verkürzte Serkan Batu (69.), ehe Weys Karimi sogar der Anschlusstreffer zum 2:3 gelang (78.). Plötzlich wurde es nochmal spannend am Vorhornweg, bis Muhammed Burtakucin auf engstem Raum - wie in einer Telefonzelle - gleich vier Luruper regelrecht austanzte und schließlich im Sechzehner nur noch durch ein Foul zu stoppen war. Den fälligen Strafstoß führte der Gefoulte selbst aus, verlud Lurups Schlussmann und setzte das Leder an den linken Innenpfosten, von wo aus der Ball zum 4:2 für die Gäste über die Linie huschte (84). Damit war das Spiel entschieden und es blieb auch bei jenem Resultat. Doch trotz Niederlage konnte Lurup-Trainer Turan ob der Leistung seiner Mannen stolz sein, auch wenn er sich ein wenig zurückhaltend präsentierte: „Es freut mich, wenn Felix sagt, dass kein Klassenunterschied zu erkennen war. Aber wir sind ein Bezirksligist und müssen erstmal ein bisschen Ordnung und Ruhe in unser Spiel bringen. Außer, dass wir bisher ein wenig trainiert haben, haben wir noch gar nichts gemacht. Ich bin definitv eher demütig und jetzt schauen wir mal, was in ein paar Wochen ist. Uns fehlt noch ein bisschen die Arbeit im Angriff, aber das kriegen wir schon alles hin.“ Durch die sportliche und zwischenmenschliche Art und Weise der Luruper, konnten die Jungs vom Vorhornweg auf alle Fälle wieder eine Menge Sympathiepunkte einheimsen.

Muhammed Burtakucin trifft für den HSV III vom Punkt:


Kommentieren