Landesliga 02
26. Spieltag


Hamburger SV III

2

:

1


SC Victoria Hamburg II

Anpfiff

Fr - 21.04. 20:00 Uhr

Spielstätte

Paul-Hauenschild-Platz

Zuschauer

130

Schiedsrichter

Henry Wagner (Grün-Weiß Eimsbüttel)

„Wir sind in der Pole Position – und die geben wir nicht mehr her!“

Jubel, Erleichterung und Freude bei Spielern und Offiziellen des HSV III nach dem immens wichtigen Sieg über Vicky II im Kampf um die Vize-Meisterschaft.

Dass Felix Karch am Ende tatsächlich nochmal zittern musste, war lange überhaupt nicht absehbar. Doch dann, als der SC Victoria II urplötzlich aus dem absoluten Nichts auf 1:2 verkürzte, begann bei Karch und seinem HSV III das Nervenflattern. Der Trainer verschränkte die Arme über dem Kopf und fletschte mit den Zähnen, als Vickys Angelo Diekmann zunächst per Einwurf, dann mit einem Eckball in der Nachspielzeit den Ball ein letztes Mal vor das Rothosen-Gehäuse beförderte. Als dieser jedoch nichts einbrachte und Referee Henry Wagner (GW Eimsbüttel) das Spiel beendete, wurde die Faust geballt und ein überaus lauter Erleichterungsschrei losgelassen.

„Wir haben da völlig unnötig nochmal einen gewissen Drive reingebracht“, befand Karch hinterher. Denn: „Wir haben das Spiel über 90 Minuten kontrolliert und sehr wenig zugelassen. Wenn wir etwas konsequenter spielen, dann steht es viel früher 3:0 oder 4:0. Die Schlussphase war einfach unnötig.“ Nichtsdestotrotz wollte der Übungsleiter vor allem das Positive aus der Partie rausziehen: „Dieser Dreier ist für uns Gold wert!“ Mehr noch. Denn diese errungenen drei Punkte könnten der entscheidende Schritt auf dem Weg in Richtung Hamburger Oberhaus gewesen sein. Zumindest dann, wenn einer der beiden Regionalliga-Anwärter aus der Oberliga – aktuell spricht alles für Altona 93 – die Aufstiegsrunde in diesem Jahr meistert.

„Jetzt können wir uns ganz entspannt zurücklehnen“

„Es war ein großer Schritt“, wollte auch Karch nicht verhehlen, dass seine Schützlinge nur noch schwer vom zweiten Rang zu verdrängen sind. Insbesondere, wenn man mal einen Blick auf das Restprogramm wirft: In der kommenden Woche steht zwar noch ein direktes Duell im Derby bei TuRa Harksheide an. Doch danach warten mit dem VfL Pinneberg II, Germania Schnelsen und dem SV Lurup ausschließlich Kellerkinder auf die „Rothosen“. „Jetzt können wir uns ganz entspannt zurücklehnen und gucken, was HEBC und TuRa am Sonntag machen. Es gibt doch nichts Schöneres, wenn die beiden direkten Konkurrenten gegeneinander spielen. Wir haben jetzt sieben Punkte Vorsprung. Heißt: einer der beiden Teams wird Federn lassen müssen, so dass es dann nur noch ein Zweikampf um Platz zwei sein wird“, konstatierte der 32-Jährige.

Bei starken Windböen und strömendem Regen war bereits im Vorfeld nicht an ein Fußball-Fest zu denken. Stattdessen überzeugten die Norderstedter gegen einen lange Zeit sehr diszipliniert agierenden Gast vor allem in einem Punkt: „Wir haben heute nie die Geduld verloren und sind nicht hektisch geworden“, so Karch, dessen Elf im ersten Abschnitt eine ganze Weile brauchte, bis der Abwehrverbund der Hoedoafia-Equipe mal wankte. Doch dann tat er es gewaltig. Erst köpfte Tunjic eine Vego-Flanke um Zentimeter am linken Pfosten vorbei (27.). Dann entschärfte Medaiyese einen Sulejmani-Schuss – nach Doppelpass mit „Neu-Zehner“ Karadeniz – unorthodox mit den Füßen (36.), ehe Emre Yasar zwei gute Gelegenheiten nicht in ein Tor ummünzen konnte (41., 43.). „Irgendwann fängt der Kopf natürlich an zu rattern“, hatte auch Karch Bedenken. Denn bereits im Spitzenspiel gegen Teutonia 05 ließ der „Flügelflitzer“ beste Chancen verstreichen. Aber: Yasar steckte den Kopf nicht in den Sand, sondern schlug stark zurück.

Yasar bricht den Bann, Zeba staubt ab - Diekmann lässt Rothosen zittern

Zehn Minuten nach der Pause erlöste er sein Team, als Tunjic auf links Vego in Szene setzte. Dieser spielte einmal mehr seine ungeheure Schnelligkeit aus und brachte den Ball flach auf den zweiten Pfosten, wo Yasar lauerte und die Kugel irgendwie über die Linie murmelte – 1:0! Oder wie Karch anschließend meinte: „Den hat er mehr oder weniger durch den Torwart hindurch gestolpert.“ Wie dem auch sei. Der Bann war gebrochen – und der Hammonia-Zweite legte nach. Erst versemmelte Sulejmani, der unter der Woche bei der U21 mittrainieren durfte, zwei Riesenchancen (64., 66.). Es folgte ein Freistoß-Torpedo von Yasar, den Medaiyese nicht festhalten konnte. Den Abpraller bekam Koc nicht aus der Gefahrenzone, so dass sich Zeba artig bedankte und zum 2:0 einschoss (67.)!

Im Gefühl des sicheren Sieges agierten die Hausherren nun etwas kräfteschonend. Dies bestraften die Gäste in Person des emsigen Diekmann, der von Gashi traumhaft in die Gasse geschickt wurde. Zunächst konnte Heuer noch entschärfen, doch den zweiten Ball brachte Diekmann im Rothosen-Tor unter (85.)! Nach einem Kopfball von Karaschewski (60.), den Heuer relativ mühelos parierte, war dies der zweite wirkliche Vorstoß der Victorianer. Somit wurde es tatsächlich noch einmal spannend. Doch am Ende half auch das Aufrücken von Schlussmann Medaiyese nicht mehr. Als Wagner seine Pfeife betätigte, schrie Karch seine Freude heraus und der gerade erst eingewechselte John Schäfer den Unparteiischen scheinbar derart laut an, dass dieser ihm nach Schlusspfiff den roten Karton zeigte!

„Wir sind in der Pole Position um Platz zwei – und die geben wir nicht mehr her!“

„Wir wussten vor dem Spiel, dass es schwierig wird. Die haben den HEBC ja nicht so klar geschlagen, weil sie eine Kirmestruppe sind. Die sind gefährlich und haben nicht umsonst schon über 50 Tore geschossen“, warnte Karch seine Mannen vor dem Spiel. Dementsprechend groß war „die Erleichterung, dass wir das Ding ins Ziel gebracht haben. Ein dreckiges 2:1 ist manchmal schöner als ein 3:0 – gerade was die emotionale Schiene angeht. Und auch für ein 2:1 gibt es genauso drei Punkte wie für ein 4:0. Insofern sind wir sehr zufrieden, lehnen uns heute Abend zurück, feiern noch ein bisschen und schauen dann mal, was das Wochenende noch so bringt.“ Abschließend folgte jedoch noch eine Kampfansage: „Wir sind in der Pole Position um Platz zwei – und die geben wir nicht mehr her!“

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