Landesliga Hansa

„Ich will mich in der jetzigen Situation nicht meinen Emotionen hingeben“

Versteht die Welt nicht mehr: Hakan Yavuz droht mit dem Meiendorfer SV der Absturz aus der Ober- in die Bezirksliga. Foto: KBS-Picture.de

Sechs Spiele, sechs Niederlagen – und 6:39 Tore: Eine Bilanz des Grauens! Und es ist nicht etwa die Ausbeute eines Aufsteigers, der sich in der neuen Spielklasse erst einmal zurechtfinden muss und von vornherein mit Argusaugen auf die Herkulesaufgabe „Klassenerhalt“ geschielt hat, sondern das Horror-Szenario des Meiendorfer SV. Dem einst so ruhmreichen Oberliga-Absteiger mit der schmucken Anlage an der B75 droht der totale Absturz! 

In seiner bisher elfmonatigen Amtszeit konnte Yavuz mit dem MSV erst ein Pflichtspiel gewinnen. Foto: KBS-Picture.de

Seit Oktober 2021 hat Hakan Yavuz – als Nachfolger des zurückgetretenen Gökhan Acar – das Ruder beim Chaos-Club inne. In seiner bis dato elfmonatigen Amtszeit konnte der 47-Jährige mit dem MSV einen einzigen Sieg (3:2 gegen Bramfeld) einfahren. Dem gegenüber stehen drei Unentschieden und satte 25 Niederlagen! Der Abstieg aus dem Oberhaus war unvermeidbar. Doch der hammerharte Abgesang setzt sich auch in der Landesliga fort. 


Mit einem komplett runderneuerten Kader – nicht ein (!) Spieler ist aus Oberliga-Zeiten geblieben – und vielen Akteuren, die bis dato lediglich über Kreis- oder Bezirksliga-Erfahrung verfügen, soll das nahezu Unmögliche möglich gemacht werden. Am vergangenen Wochenende setzte es eine 1:4-Schlappe gegen den bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls punktlosen TSV Sasel II. Nach der Partie nahm sich Yavuz die Zeit, um mit uns die augenblickliche Lage an der B75 zu erörtern…

FussiFreunde: Sechs Spiele, sechs Niederlagen – und zum Teil ziemlich deftige Packungen dabei: Hat die Mannschaft Landesliga-Niveau – oder muss da, auch personell, noch etwas passieren, um in dieser Spielklasse bestehen zu können?

Hakan Yavuz: „Landesliga-Niveau haben wir nur stückweise. Und das führt dann eben auch dazu, dass einige, die normalerweise mehr bringen könnten, mit runtergezogen werden. Ich will mich in der jetzigen Situation nicht meinen Emotionen hingeben und zu viel schlechtreden, sondern eher weniger, als was Falsches sagen. Das wäre nämlich auch den Jungs gegenüber nicht fair. Um da mal kurz den Bogen zu spannen: Ich als Trainer mache Woche für Woche meine bestmögliche Arbeit mit den Mitteln/Spielern, die mir zur Verfügung gestellt werden. Ich behaupte auch von meinem Co-Trainer und mir, dass wir aus diesem Kader, der uns zur Verfügung gestellt worden ist, das Maximum rausholen.“

Das bedeutet ja aber auch im Umkehrschluss: Wenn das das Maximum ist, dann ist kein Landesliga-Niveau vorhanden…

Yavuz ist der Meinung, "das Maximum aus dem Kader, der mir zur Verfügung gestellt wurde, rauszuholen", wie er sagt. Foto: KBS-Picture.de

Yavuz: „Im Grunde genommen ist es doch: ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. In der letzten Halbserie hatten wir eine Oberliga-Mannschaft, die im Ganzen nicht Oberliga-tauglich war. Einige Spieler hatten natürlich das Niveau, aber es hat im Gesamten nicht gepasst und gereicht. Wie gesagt: Ich bin Trainer dieser Mannschaft und habe meinen Bereich, in dem ich mich einbringe. Ich lasse es mir natürlich auch von meinen Spielern bestätigen, dass wir gut arbeiten, um die Leistung am Spieltag bestmöglich umsetzen zu können. 


Wenn von außen der Eindruck entsteht, dass der Kader nicht tauglich für diese Liga ist – das Wechselfenster ist jetzt ja auch geschlossen –, dann muss man die Fragen, wo die Reise hinführen soll, anderen Leuten im Verein stellen. Wir haben am 24. Juni mit der Vorbereitung angefangen. Spätestens am 10. Juli, als wir unser erstes Testspiel bei Siebenbäumen hatten, habe ich ganz viele heiße Diskussionen geführt und gewarnt, dass wir nicht so viel Zeit haben und uns eine knappe Kiste bevorstehen wird.“

FussiFreunde: Wenn die Mannschaft das, was du von ihr erwartest, nicht umsetzt, hört sie dann nicht zu, ist es eine Einstellungssache – oder fehlt schlichtweg die Qualität, weil sie es nicht umsetzen kann?

Auch Yavuz hat an der B75 mit den allseits bekannten Problemen und Schwierigkeiten, die schon seine Vorgänger hatten, zu kämpfen. Foto: KBS-Picture.de

Yavuz: „Ich möchte in der schweren Situation, in der wir uns nach sechs Niederlagen am Stück befinden, die Jungs nicht an den Pranger stellen. Sie kommen, sie trainieren, sie hören zu, sie versuchen – aber nur in Ansätzen. Und es bleibt dabei – es ist in der Landesliga genauso wie in der Oberliga: Wenn du nur in Ansätzen etwas richtig machst, dann finden die gegnerischen Mannschaften irgendwann die Lücken und legen sich das so zurecht, bis es klingelt. Das ist das, was ich auch offen bemängle an meiner Mannschaft: Wir machen hier ein bisschen und da ein bisschen – aber nie so richtig konsequent. 


Man hat das Gefühl, dass einige nicht zu 100 Prozent mit dem Kopf bei der Sache sind. Nicht, weil sie es nicht wollen, sondern deshalb, weil sie mit irgendetwas überfordert sind und die Niederlagenserie sie hemmt. Bei einigen ist es eine Mischung aus wollen, aber nicht richtig können – und man muss natürlich auch sagen, dass sich der eine oder andere seine Landesliga-Tauglichkeit noch erwerben muss. Aktuell haben einige noch nicht das Level, um in der Landesliga zu 100 Prozent mithalten zu können.“

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