HSV vs. HSV: „Rothöschen“ erst ohne Zugriff, dann torhungrig

Neuzugang Damian Ilic zeigte beim HSV III trotz der deutlichen Niederlage eine starke Vorstellung. Foto: Heiden

Gelungene Premiere für Christian Titz! Der neue Übungsleiter der HSV-U21 feierte in seinem ersten Spiel unter Wettkampfbedingungen den ersten Sieg – und das gegen den HSV. Klingt im ersten Moment vielleicht ein wenig seltsam – war aber so. Denn die „Rothöschen“ testen auf dem Trainingsplatz am Volkspark gegen die eigene „Dritte“, die gerade erst ins Hamburger Fußball-Oberhaus aufstieg. Und obwohl der Landesliga-Vize-Meister die „ersten 20, 25 Minuten, als wir kräftemäßig auch noch voll dabei waren, sehr anständig verteidigt, mit hohem Tempo verschoben und die Räume gut zu bekommen hat“, wie Coach Felix Karch treffend resümierte, hieß es am Ende 1:9 aus Sicht des Außenseiters.

"Rothose" Mo Burtakucin (re.) versucht Frank Ronstadt zu überlisten. Foto: Heiden

Bereits zwei Tage vor dem Aufeinandertreffen unkte Felix Karch, dass er unter den augenblicklichen Umständen mit „acht Gegentoren“ rechnen würde. Als seine Mannen den Platz betraten und in den ersten 25 Minuten gegen die eigene U21 so gut wie gar nichts zuließen, schien jedoch deutlich mehr in der Luft zu liegen – und das im positiven Sinne. Denn: „Man muss klar sagen, dass sie zwei, drei richtig gute Kontermöglichkeiten hatten. Wenn sie das besser ausspielen, haben sie auch die Chance, ein Tor zu erzielen“, gestand auch Christian Titz, und fügte dann an: „In den ersten 20 Minuten waren wir auch vom Laufverhalten her nicht wirklich griffig auf dem Platz. Knackpunkt waren unsere beiden Innenverteidiger und die Sechs, die es auch noch nicht gewohnt waren, breit zu stehen und dass sich die Sechs zwischen den Stürmern bewegt. Ab dem Moment, wo wir es besser gemacht haben, sind wir über die Außen gut durchgekommen und da war es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die Tore machen.“

„Die Jungs haben immer mehr Selbstvertrauen bekommen“

HSV III-Chefcoach Felix Karch (li.) und sein derzeit noch verletzter spielender Co-Trainer, Marcus Rabenhorst, im Austausch. Foto: Heiden

Doch bis es soweit war, hatte der HSV III zwei sehr aussichtsreiche Situationen. Beide Male war Testspieler Andy Akoteng-Bonsrah – in der Jugend von Borussia Mönchengladbach, Alemannia Aachen und dem VfB Lübeck ausgebildet – daran beteiligt. Erst misslang sein Querpass von rechts in einer Kontersituation – nach Burtakucin-Zuspiel – auf Sören Ostermann, ehe sein Lop-Versuch wenige Sekunden darauf das Tor verfehlte (12.). Dann bediente Akoteng-Bonsrah den bärenstarken Damian Ilic, dessen 16-Meter-Schuss mit der rechten Innenseite gerade noch geblockt werden konnte (22.). Dass die Elf von Neucoach Titz eine Klasse höher unterwegs ist, zeigte sich in der Folge. Mit der ersten echten Chance klingelte es gleich im Kasten von Jan Haerting, der nach dem feinen Solo von Youngjae Seo, der per Hackenablage in Szene gesetzt wurde, machtlos war (25.). „Dass eine Mannschaft, in der alle noch nach oben schielen, die Qualität hat, Lücken zu erkennen und das eiskalt ausnutzt, wenn der eine oder andere die Wege nicht mehr machen kann, war uns von vornherein klar“, gab Karch anschließend zu verstehen. Sein Gegenüber meinte: „Die Jungs haben im weiteren Verlauf immer mehr Selbstvertrauen bekommen, die Laufwege haben besser gepasst und wir hatten ein paar gute Kombinationen dabei. Ab da war es eine klare Angelegenheit.“

Bibie Njie (31., 40.), Christian Stark – nach herrlicher Ballstafette über Jurcher, Kyeremeh und Mohssen per Schlenzer ins lange Eck (43.) – sowie der aus der A-Jugend hochgezogene Kahled Mohssen (44.), dessen Bruder Haisem (ehemals FC Türkiye) unter den Zuschauern weilte, schraubten das Resultat zur Pause auf 5:0 für die U21 der Rothosen in die Höhe. Allerdings hatte der Neu-Oberligist nach dem 0:3 aus seiner Sicht in Person von Emre Yasar abermals die große Chance auf einen Torerfolg, als er nach einem herausragenden Diagonalball von Michael Ulbricht frei auf Jakob Golz zusteuerte, aber in diesem seinen Meister fand (41.).

Augustinovic macht das Ehrentor – „Können uns über die Höhe nicht beschweren“

Kahled Mohssen (2. v. re.) bejubelt seinen Treffer zum 5:0. Foto: Heiden

Nach dem Wechsel, als beide Teams munter durchgewechselt hatten – die U21 natürlich mit einer ganz anderen Qualität – wurde es einseitiger. Erst überrumpelte der quirlige Moritz-Broni Kwarteng (kam von der TSG Hoffenheim II) den nun im Kasten stehenden Yannick Heuer aus 17 Metern und machte das halbe Dutzend voll (54.), ehe wiederum Kwarteng von links Patrick Storb (ebenfalls aus der eigenen A-Jugend hochgezogen) das 7:0 auf dem Silbertablett servierte (60.). Doch dann: HSV III-Rückkehrer Josip Kozina sorgte mit seiner Übersicht dafür, dass der 18-jährige Kroate Kristijan Augustinovic aus spitzem Winkel den Abschluss suchen konnte – Außennetz (63.). Wenig später war es erneut Testspieler Augustinovic, der einfach mal aus 25 Metern draufhielt und mit seinem Flachschuss Morten Behrens ganz alt aussehen ließ. Der Ehrentreffer (73.)! Schlussendlich sorgte U21-Torjäger Törles Knöll mit einem Doppelpack – erst per Kopf, dann per Abstauber (80., 89.) – aber für den 9:1-Endstand aus Sicht des Regionalligisten.

Karch bilanzierte: „Im Endeffekt können wir uns über die Höhe nicht beschweren. Nichtsdestotrotz hatten wir in der ersten Halbzeit zwei, drei Aktionen, wo wir – hätten wir es etwas zielstrebiger zu Ende gespielt – durchaus etwas kreieren konnten. Wir sind am Anfang der Vorbereitung und sowohl körperlich als auch konditionell weit von dem entfernt, was die U21 hat. Dementsprechend können wir damit zufrieden sein, hatten eine gute Laufeinheit und haben auch einige gute Dinge gesehen.“

„Damian ist eine absolute Bereicherung für uns“

U21-Coach Christian Titz konnte nach den ersten 20 Minuten, in denen der Zugriff fehlte, zufrieden sein mit dem ersten Auftritt seiner Jungs. Foto: Heiden

Insbesondere bei Neuzugang Damian Ilic, der aus der A-Regionalliga von Eintracht Norderstedt kam, war bereits zu erkennen, welch Verstärkung er in der Oberliga für die „Rautenträger“ werden kann. „Damian ist eine absolute Bereicherung für uns. Dafür, dass es sein zweites Herrenspiel war, ist das so gut wie gar nicht aufgefallen. Er geht gut in die Zweikämpfe und behauptet auch den Ball gegen körperlich robuste Spieler. Er hatte viele intelligente Aktionen und hat auch die Power, um auf dem Level über 90 Minuten Vollgas zu geben“, schwärmte Karch von einer seiner Neuerwerbungen, zu denen auch Modou Ndow (ETV II, RV), Okay Wieden (eigene A2), Fabio Bandow (LV, BW 96 Schenefeld) und Torben Wacker (SC Victoria, IV, „Es steht völlig außer Frage, dass er ein herausragender Oberliga-Innenverteidiget ist, der uns sofort weiterhelfen wird“) gehör(t)en –, und gab abschließend eine kurze Prognose zur Saison in den noch ungewohnten Gefilden ab: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass am Ende des Monats in Pinneberg eine Truppe auf dem Platz steht, die konkurrenzfähig sein wird!“

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