Testspiel

HEBC-Zug mit Speed bis zu „Speedys“ Ankunft – Wachter in Hetlingen noch „nicht ein implementiert“

Im Testspiel gegen den Bezirksligisten aus Hetlingen behielt Oberligist HEBC mit 6:1 die Oberhand - und überzeugte vor allem in der ersten Halbzeit. Foto: Kormanjos

„Jetzt wird bestimmt kein Tor mehr fallen“, unkte Stilianos „Speedy“ Vamvakidis, als er unmittelbar nach Beginn der zweiten Halbzeit den Reinmüller betrat. Soeben hatte der Manager des HEBC – nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff – das Tor zum 6:1 für seine Schützlinge im Testspiel gegen den zwei Klassen tiefer kickenden Hetlinger MTV verpasst. Der Oberligist feierte ein echtes Schützenfest, so dass Vamvakidis‘ „Befürchtungen“ kaum für voll zu nehmen waren. Eher schien die Frage zu lauten: Wie viele Tore würde der 50-Jährige von seinen Eimsbüttelern noch zu sehen bekommen? Letztendlich hatte „Speedy“ aber alle Argumente auf seiner Seite – und stellte nach Abpfiff mit einem Schmunzeln fest: „Hab‘ ich doch gesagt!“ Denn in der Tat gelang den „Veilchen“ in der verbleibenden Spielzeit kein weiterer Torerfolg mehr.

Schon nach einer halben Stunde kam Hetlingen-Neuzugang Jeremy Wachter (Mi., Nr. 17) in die Partie, war aber zu oft auf sich alleine gestellt. Foto: Kormanjos

Eigentlich sollte er erst in den zweiten 45 Minuten zum Einsatz kommen – doch die Unterlegenheit der Gäste aus Hetlingen war so groß, dass Trainer Burak Bayram seinen neuen „Star“ Jeremy Wachter bereits nach einer guten halben Stunde zur Bank rief und nach 31 Zeigerumdrehungen in die Partie brachte. Doch auch der Neuzugang von Altona 93 konnte das Unheil nicht verhindern. „Man hat gesehen, dass wir ‚Jerry‘ noch nicht ganz in unser Spiel und die Aufgabe ein implementieren konnten“, stellte Bayram fest. „Aber das kommt jetzt peu à peu.“

Zur ersten Halbzeit seiner Mannen könne er „kurz zusammengefasst sagen, dass ich damit absolut unzufrieden war, weil wir gegen die sehr komplexe und dynamische Spielweise von HEBC einfach überfordert waren“, brachte es der HMTV-Coach auf den Punkt. In den ersten 20 Minuten bekam der Außenseiter den wieselflinken und quirligen Allan Muto überhaupt nicht in den Griff. Erst servierte er Lasse Peters das 1:0 (7.), dann Neuzugang Magnus Hartwig das 3:0 auf dem Silbertablett (19.). Zwischendrin sorgte er mit einem herrlichen Schlenzer vom linken Strafraumeck in den rechten Knick höchstselbst für das 2:0 (9.). „Eigentlich war das etwas, woran wir noch arbeiten wollen und müssen – und dann haut er den Ball da so in den Giebel“, schwärmte sein Cheftrainer Özden Kocadal.

"Alan ist für mich schon lange keine Überraschung mehr"

Aber: „Allan ist für mich schon lange keine Überraschung mehr. Oft ist es so, dass Trainerkollegen sagen, dass er ‚ätzend‘ und ‚ekelhaft zu bespielen‘ ist. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen und als Lob zu verstehen. Er hat noch gewisse Schwächen, aber eben auch sehr gut Stärken. Der Junge ist immer positiv, bringt seine Klasse ein und hat in all den Jahren immer wieder einen obendrauf gesetzt. Ich hoffe natürlich, dass er das wieder schafft“, so Kocadal, der beim 4:0 eine Co-Produktion zweier Neuzugänge sah: Ecke Semir Demirovic, Kopfball Robin Schmidt – drin (28.). Für den fünften Streich sorgte dann wieder Hartwig, der von einem dicken Torwart-Patzer von Hetlingens Ali Shahraki profitierte (42.).

"Suche immer diesen Weg, die Jungs ans Limit zu führen"

Bei fast 30 Grad war es eine schweißtreibende Angelegenheit am Reinmüller. Aber der Oberligist machte seine Hausaufgaben ganz souverän. Foto: Kormanjos

Den Schlussakkord im torreichen ersten Abschnitt setzte allerdings der Bezirksligist – und wie. Ein Freistoß aus dem rechten Halbfeld von Gianini Balasea wurde lang und länger, segelte an Freund und Feind vorbei – eventuell touchierte Demirovic das Leder noch mit den Haarspitzen – und ließ einen chancenlosen Lucas Lamm, der ansonsten eine gute Präsenz ausstrahlte, im HEBC-Gehäuse zurück (44.). Noch vor Vamvakidis‘ Ankunft machten Raoul Bouveron und Johann Buttler im Zusammenspiel ihrem Manager einen Strich durch die Rechnung – 6:1 (46.). In der Schlussphase überbot sich das Duo aber im Auslassen bester Chancen.

Bayrams Fazit: „In der zweiten Halbzeit fand ich, dass wir es da besser gemacht und auch besser verteidigt haben. Wir haben aber immer noch große Probleme in der Kommunikation, weil wir sehr viele sehr junge Spieler haben, die schnell überfordert sind.“ Trotz der deutlichen Schlappe spiele er „ganz bewusst gegen solche Gegner“ und suche „immer wieder diesen Weg, die Jungs ans Limit zu führen. Es ist gut, wenn sie erkennen, dass sie mehr tun müssen.“

"Die erste Halbzeit hat mir komplett gut gefallen"

HEBC-Übungsleiter Kocadal nutzte die Partie und probierte viel aus. „Wir haben in beiden Halbzeiten in zwei Phasen gespielt, wollten einmal das Abwehrpressing sehen und wie wir dann nach Ballgewinn umschalten, aber dann auch das Angriffspressing.“ Die erste Halbzeit habe ihm „komplett gut gefallen“, wie er meinte. „Da habe ich viel von dem, was wir im Training an Inhalten hatten, gesehen. Insbesondere, wie wir uns nach Ballverlusten im Umschaltspiel in die Defensive verhalten wollen, aber auch, dass wir unsere Torchancen genutzt und schöne Tore gesehen haben. Auch Tore, wo die Idee dahintersteckt, wie sie fallen könnten“, lobte er sein Team.

"Ein bisschen disziplinlos und blutleer"

Nach dem Spiel richtete Burak Bayram einige klare, aber zugleich auch aufbauende Worte an seine Hetlinger, die beim HEBC (1:6) chancenlos waren. Foto: Kormanjos

Doch mit den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte im Abwehrpressing sei er „überhaupt nicht zufrieden“ gewesen, wie er zugab. In der 52. Minute schimpfte Kocadal an der Seitenlinie: „Ihr seid viel zu passiv in der Zone!“, ehe eine gute Viertelstunde später folgte: „Ihr schleicht komplett!“ Man sei „einfach zu passiv in den Räumen gewesen und auch überhaupt nicht so Angelaufen, wie wir das wollten. Wir waren auch ein bisschen disziplinlos und blutleer. Das sah nach Sommerkick aus – und hat mir gar nicht gefallen!“

Nach einer zwischenzeitlichen Trinkpause fing man sich aber wieder. „Man hat gesehen, dass es den Jungs lieber ist, wenn wir sie loslassen, rennen lassen und sie im Angriffspressing sind. Wir haben uns zahlreiche Chancen herausgespielt, in der Phase war die Laufbereitschaft wieder da.“

Die Neuen wissen zu überzeugen

Die erste Aufgabe in der Vorbereitung auf die Saison 2023/24 hat der Tabellenneunte der vergangenen Oberliga-Saison ohne große Mühe gelöst. Foto: Kormanjos

Einziges Manko in der zweiten Halbzeit der zweiten Halbzeit: Die Chancenverwertung. „Aber wir haben erst fünfmal trainiert und sind noch nicht in gewissen Abläufen drin.“ Er sei in erster Linie froh darüber, „dass wir uns die Chancen erspielt haben“, gab Kocadal zu Protokoll – und bilanzierte: „Ich habe viele gute Sachen gesehen, die mich positiv in die Zukunft blicken lassen.“

Darunter auch die Neuen am Reinmüller: „Magnus hat das sehr gut gemacht, war immer wieder anspielbar, aggressiv und hatte super Laufwege Eigentlich hat er genau das, was wir von ihm sehen wollen, jetzt schon auf den Platz gebracht.“ Demirovic wusste „mit starken Standards, seiner Ruhe am Ball und guter Raumbesetzung“ zu gefallen. Auch Robin Schmidt, Nikola Kosanic und Christopher Grünewald haben ihre Aufgabe „richtig gut gemacht. Das gibt uns extreme Ruhe und macht mich froh.“