Oberliga Hamburg
35. Spieltag


SC Victoria Hamburg

2

:

4


Hamm United FC

Anpfiff

Fr - 14.04. 19:30 Uhr

Spielstätte

Stadion Hoheluft

Zuschauer

264

Schiedsrichter

Janik Möller

Oberliga

Hamm „lebt“, Vicky „leblos“ – Krause stellt die „Charakterfrage“

Marijo Saric (2. v. re.) bejubelt einen seiner beiden Treffer. Auch Atef Zakerwal (2. v. li.) war erfolgreich. Foto: Küch

„Traumhaft herausgespielt“, strahlte Sidnei Marschall über das ganze Gesicht, als sein Hamm United FC mit dem in der Tat überaus sehenswert herauskombinierten Treffer zum 4:2 für die Vorentscheidung im Stadion Hoheluft sorgte. „In meinen Augen haben wir auch in der Höhe verdient gewonnen“, konnte Marschall einen „super wichtigen Sieg“ im Abstiegskampf bejubeln. „Jetzt müssen wir weitermachen und daran anknüpfen“, warf der Chefcoach der „Geächteten“ bereits einen Blick auf die bevorstehenden richtungsweisenden Wochen.

Da war die Vicky-Welt noch in Ordnung: Nick Scharkowski (2. v. li.) brachte die Hausherren sehenswert in Front. Foto: Küch

Und „Sid“ bewies schon im Vorfeld der Partie beim arg kriselnden SC Victoria Hamburg das richtige Näschen: „Vor dem Spiel habe ich zu Gerrit (Lobmeier, Co-Trainer; Anm. d. Red.) gesagt, dass Marijo heute auf jeden Fall treffen wird“, verriet Marschall – und sprach damit auf Marijo Saric an. Der 19-jährige Angreifer egalisierte zunächst die Vicky-Führung durch einen wunderschönen Schuss von Nick Scharkowski (25.) zum prompten 1:1 (29.), ehe Saric das Geschehen aus gänzlich spitzem Winkel sogar komplett auf den Kopf stellte (33.). Doppelschlag!

„Das hat er sich erarbeitet. Er war gut im Spiel drin, hat die Zweikämpfe angenommen und die Laufwege gemacht. So, wie wir uns das vorgestellt haben“, lobte Marschall seinen jungen Stürmer – und befand: „Wir sind gut ins Spiel gekommen. Aber Vicky war mit dem schnellem Umschaltspiel immer brandgefährlich.“ Auch nach dem Rückstand habe man „nicht aufgehört, sondern weiter unser Spiel gespielt.“ Mit Erfolg. Vor allem, weil Saric genau das tat, „was uns die letzten Wochen gefehlt hat: Einfach mal abschließen“, so Marschall, der in der Pause nochmal explizit darauf hinwies, „dass es da unten in der Tabelle super eng und noch nichts gewonnen ist“. Deshalb lautete die Devise: „Wir müssen so weiterspielen. Und wir haben leidenschaftlich gespielt – und Teamgeist gezeigt. Das hat gegen Osdorf komplett gefehlt.“

"Wir leben noch!"

Hamm-Keeper Thomas Kuballa (Mi.) war auch mit dem Aluminium im Bunde, aber mal wieder ein starker Rückhalt seines HUFC. Foto: Küch

Die Folge: Das 3:1 durch Atef Zakerwal, der nach einem kapitalen Querschläger von Lesley Karschau eine Vorarbeit von Tyron Gyamenah verwertete (69.)! Die Vorentscheidung? Mitnichten! Eine Halbfeld-Flanke von Dennis Bergmann und ein Kopfball von Felix Schuhmann, der lang und länger wurde, führten zum umgehenden 2:3 aus Sicht der Krause-Kicker (71.). „Das war natürlich ein kleiner Schock, weil wir den Zwei-Tore-Vorsprung natürlich gerne etwas länger hätten halten wollen“, musste Marschall um den „Dreier“ bangen.

Doch dann kam es zu eben jenem „traumhaft herausgespielten“ vierten Streich, als Maurizio d’Urso den Ball tief in der eigenen Hälfte eroberte, das Leder von seinem Bruder Roberto d’Urso wiederbekam und direkt für den gestarteten „Robby“ weiterleitete – 4:2 HUFC (77.)! „Ein unglaublich schönes Tor mit Hinterlaufen und allem, was man als Trainer sehen will“, war der 43-jährige Übungsleiter aus dem Häuschen. „Vicky hat es nochmal versucht, aber wir standen gut und stabil“, konstatierte Marschall – und betonte abschließend: „Wir leben noch!“

Krause stellt die "Charakterfrage" bei seiner "leblosen" Mannschaft

Magnus Hartwig (li.) kommt gegen Tyron Gyamenah deutlich zu spät und trifft anstatt den Ball nur den Gegenspieler. Foto: Küch

Letzteres gilt in den letzten Wochen und Monaten nicht für den so ruhmreichen SCV. „Das war wieder so ein typisches Spiel für die gesamte Saison. Wenn die Mannschaft auf das Feld kommt und merkt, dass sie eigentlich die bessere Mannschaft ist, dass dann automatisch zwei Gänge runtergeschaltet werden und so ein bisschen ‚Hacke, Spitze, eins, zwei drei‘ gespielt wird“, bemängelte Übungsleiter Joshua Krause – und fügte an: „Ich glaube, nach drei Minuten brennt es dreimal lichterloh im Sechzehner von Hamm. Wir gehen auch verdient in Führung und dann denkst du: ‚Hier kann nichts anbrennen.‘ Aber meine Mannschaft belehrt mich momentan immer wieder eines Besseren. Da muss man dann auch die Charakterfrage stellen“, ging er mit seinen Schützlingen hart ins Gericht.

"Von mir aus fahren wir mit elf U23-Spielern nach Dassendorf"

Mal wieder ein starker Leader: Hamm-Kapitän Maurizio d'Urso. Foto: Küch

Es folgten weitere überaus deutliche Worte: „Ich bin jetzt der dritte Trainer, der es mit dieser Mannschaft versucht – und der dritte, der mit gewissen Teilen scheitert. Wir werden die Frage auch intern stellen und in den restlichen Spielen nur noch mit den Spielern agieren, die auch das dementsprechende Gesicht zeigen. Von mir aus fahren wir auch mit elf U23-Spielern nach Dassendorf. Das ist mir egal!“

Blickt man auf die Aufstellung und auf die Namen, stellt sich einem die Frage: Was ist nur aus Vicky geworden? Nach Ballverlusten nahezu bock- und lustlos in der Rückwärtsbewegung. Ein Armutszeugnis für so manch gestandenen Spieler! Und so musste nicht nur ein komplett ernüchterter Krause feststellen: „Bei den Gegentoren stellen wir uns einfach dumm an. Und die zweite Halbzeit war leblos!“ Kaum verwunderlich also, dass es im Sommer zum großen Umbruch an der Hoheluft kommen wird…