Oberliga Hamburg
5. Spieltag


HEBC

1

:

1


TSV Buchholz 08

Anpfiff

So - 27.08. 10:45 Uhr

Spielstätte

Reinmüller

Zuschauer

140

Schiedsrichter

Björn Lassen (Barsbütteler SV)

Oberliga

Erst im Glück, dann im Pech: HEBC wird im „Werkzeugkoffer“ fündig, betreibt aber Ober-Wucher!

Ein Bild mit reichlich Symbolcharakter: HEBC-Akteur Piet Oldag (Mi.) fasst sich nach Schlusspfiff beim Abklatschen mit den Gästen an den Kopf und trauert wohl den vielen vergebenen Chancen hinterher. Foto: noveski.com

Am Reinmüller waren noch keine zehn Zeigerumdrehungen vorüber, als der HEBC großes Glück hatte, gegen den TSV Buchholz 08 nicht mit 0:2 in Rückstand zu geraten (alle Highlights im LIVE-Ticker). Eigentlich hätten die Nordheider nach einem ziemlich klaren Vergehen von Janek Wrede, der Niklas Schulz offensichtlich die Beine wegzog, einen glasklaren Strafstoß zugesprochen bekommen müssen (9.). Aber die Pfeife von Referee Björn Lassen (Barsbütteler SV) blieb überraschenderweise stumm. „Da sage ich nichts zu! Wirklich gar nichts“, erwiderte Thorsten Schneider, als wir ihn mit jener Szene konfrontierten. „Ich werde mich nicht mehr über die Schiedsrichter äußern, weil ich gleich im ersten Spiel wieder ein Erlebnis hatte, wo ich nicht einverstanden war mit der Entscheidung“, fügte der Trainer der 08er an.

Die frühe Führung für die Gäste aus der Nordheide: Andre Fricke (li.) verwertet ein Backhaus-Zuspiel ganz cool per Aufsetzer zum 1:0. Foto: noveski.com

Er wolle „nicht jede Woche da stehen“ und über die Unparteiischen reden. „Am Ende hat nicht der Schiedsrichter die Fehlpässe und Unentschieden gespielt, dafür sind wir selbst verantwortlich“, so Schneider, der aber anfügte: „Sicherlich kann man das anders entscheiden. Abgesehen davon, dass HEBC wirklich sehr viele Chancen hatte, habe ich die Situation vor dem 1:1 auch anders gesehen. Für mich war das klar Abseits!“ Doch zuvor hatte Andre Fricke die stark beginnenden Gäste nach Zuspiel von Tizian Backhaus bereits in Front gebracht (7.). Was danach allerdings folgte, war an Einseitigkeit kaum zu überbieten, glich einem Pokalspiel zwischen David und Goliath und war ein echter Chancenhagel der Eimsbütteler!

Zwölf Großchancen, 21 gute Möglichkeiten - "Wie soll man das erklären?"

Der Ausgleich! Kurz vor der Pause nutzt Tjorven Köhler (2. v. li.) eine von etlichen Torchancen zum 1:1. Foto: noveski.com

Über die 90 Minuten verteilt kam der HEBC zu sage und schreibe zwölf dicken Einschussmöglichkeiten. Ebenso viele Abschlüsse hatten die Kocadal-Kicker allein in den ersten 45 Minuten zu verzeichnen. Am Ende waren es insgesamt 21 (!) Chancen. Der Ertrag: Ein Tor, als Tjorven Köhler eine tolle Stafette über Semir Demirovic, Fabian Lemke und Piet Oldag zur Krönung brachte (41.). Vier weitere Großchancen ließ der Torschützen ungenutzt (17., 49., 57., 84.). Allan Muto (20.), Fabian Lemke (26.), Christopher Grünewald (27.), Erciyes Palo (45. +4), Johann Buttler (67.), Raoul Bouveron (80., 90.) und Nikola Kosanic (90. +1) standen ihm in nicht viel nach.

Und die Schneider-Schützlinge? Nach starkem Beginn lief man der Musik bis zur Halbzeit komplett hinterher. Der HEBC war klar am Drücker, spielte schnell und mit wenigen Kontakten, hatte viele Seitenverlagerungen drin und erspielte sich etliche Gelegenheiten. Aber entweder stand das eigene Unvermögen, ein blockendes Abwehrbein oder 08-Keeper Lasse Lader, der den angeschlagenen Tim Burgemeister glänzend vertrat, einem Torerfolg im Wege. „Wie soll man das mit Worten erklären?“, entgegnete Schneider auf die Nachfrage, wie der HEBC nach der starken Anfangsphase seiner Mannen zu so vielen Chancen kommen konnte. „Die haben das Spielgeschehen übernommen. Wir haben uns zu sehr bespielen lassen, zu tief gestanden und sind zu spät in die Zweikämpfe gekommen. Sie haben aggressiv und bissig gespielt. Wie man dagegen spielen muss, haben wir die erste Viertelstunde gezeigt, aber leider nicht durchziehen können. Aber du wirst es nie ganz unterbinden können, denn dafür ist die Spielweise von HEBC zu kraftvoll. Wir waren einfach zu passiv, immer einen Schritt zu spät und dadurch entstanden dann diese Möglichkeiten.“

"Es war Wahnsinn, wie variabel die Mannschaft heute war"

In der Nachspielzeit hätte Nikola Kosanic (li.) den "Lucky Punch" setzen müssen, zielte aber völlig freistehend am Gehäuse vorbei. Foto: noveski.com

Özden Kocadal zeigte sich derweil ziemlich beeindruckt von der Reaktion seiner Jungs auf den Rückstand: „Was Schöneres gibt es eigentlich nicht für einen Trainer, wenn die Jungs von alleine diesen Werkzeugkoffer aufmachen, gucken, was da drin ist und dann sehen, welches Werkzeug sie in der jeweiligen Situation brauchen, um das Problem zu lösen. Es war Wahnsinn, wie variabel die Mannschaft heute war“, sprach er auch auf die verschiedensten Pressingvarianten an.

Nach der Pause bekam Buchholz wieder mehr Zugriff – und hätte das Geschehen auch gänzlich auf den Kopf stellen können. Arnaud Bosselmann verpasste eine Schulz-Hereingabe nur knapp (64.), ehe Jonas Braun den herausragenden HEBC-Fänger Lucas Lamm, der mit sensationellen Abschlägen diverse Angriffe einleitete, im kurzen Eck prüfte (71.) und Fricke in höchster Not geblockt wurde (78.). „In der zweiten Halbzeit war es insgesamt ein bisschen besser, aber teilweise immer noch mit zu vielen Großchancen für den Gegner. Unterm Strich ein glücklicher Punkt. Aber wir nehmen ihn mit“, bilanzierte Schneider.

"Solche Momente gehören dazu"

Und nur wenige Augenblicke später hatte Ergin Gökcek (li.) den Sieg auf dem Fuß. Arnaud Bosselmann blockte den Schuss. HEBC reklamierte ein Handspiel. Foto: noveski.com

Weniger glücklich war sein Gegenüber: „Es war ein in gewissem Maße merkwürdiges Spiel“, befand Kocadal – und führte aus: „Wir gehen in Rückstand – und dann spielen wir gefühlt nur noch auf ein Tor, haben uns gute Möglichkeiten erarbeitet, machen aber nichts draus.“ Am Ende sei es so gewesen: „Die Mannschaft, die das nächste Tor geschossen hätte, hätte das Ding wahrscheinlich nach Hause gebracht.“ Obwohl es schlussendlich nicht zum Sieg und zur Tabellenführung langte, habe er „viele gute Sachen“ von seiner Elf gesehen. „Meine Mannschaft hat sich den Hintern aufgerissen und gut bewegt. An der läuferischen Leistung und an der Einstellung lag es nicht. Im Endeffekt haben wir einmal nicht aufgepasst und die vielen guten Gelegenheiten nicht genutzt.“

In der Schlussphase sei man noch einmal volles Risiko gegangen und habe „alles, was offensiv möglich war, reingeworfen. Dann ist natürlich auch klar, dass hinten ein paar Räume offen sind. Aber wir haben sehr viel investiert.“ Obwohl der „Lucky Punch“ ausblieb, sei es nach wie vor „einfach toll, diese Entwicklung zu sehen. Da gehören auch solche Momente dazu.“