Oberliga

„Eigentlich wollte ich so nicht aufhören – aber letztendlich hat es keinen Sinn mehr gemacht“

Nach über 18 Jahren im Herren-Fußball hat Marcel von Walsleben-Schied seine Karriere zum Jahresende für beendet erklärt. Foto: Bode

„Ich kann für mich sagen, dass ich stolz darauf bin, was ich erreicht habe“, sagt Marcel von Walsleben-Schied, der sportlich den Traum eines jeden Fußballers gelebt hat – und auch menschlich ein absoluter Sympathieträger ist. Trotz seiner Errungenschaften und Erfolge ist der inzwischen 37-Jährige stets auf dem Boden geblieben. Bei Hansa Rostock wird er verehrt – und auch in der Hamburger Amateurszene hat er bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit der TuS Dassendorf feierte von Walsleben-Schied in vier Jahren drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege, ehe er im vergangenen Sommer einen letzten (Karriere-)Schritt in Angriff nehmen wollte: Beim SV Curslack-Neuengamme.

Für den SVCN absolvierte "Schiedi" nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer lediglich vier Spiele. Foto: Bode

„So wollte ich nicht aufhören“, machte Marcel von Walsleben-Schied im Interview mit uns (HIER) keinen Hehl daraus, dass er seine eindrucksvolle Laufbahn selbstbestimmt und nicht aufgrund anderer Widrigkeiten beenden wolle. Nach nur vier Spielen für seinen neuen Club folgte am 19. Dezember 2020 jedoch die Nachricht, dass „eine Ära zu Ende geht“ und der Torjäger „seine Schuhe zum 31.12.2020 an den berühmten Nagel hängen wird“, wie der SVCN bekannt gab. Nun also doch: „Schiedi“ hört auf! Im Amateurtalk „Kalles Halbzeit im VERLIES“ erklärte er: „Einige werden jetzt sagen: ‚Er hat doch damals gesagt, so will er nicht aufhören.‘ Das ist auch heute noch so. Eigentlich will ich so nicht aufhören. Aber es blieb mir nichts anderes übrig. So macht es einfach keinen Sinn mehr.“

"Der Aufwand stand einfach in keinem Verhältnis"

Eigentlich wollte er so nicht aufhören, aber letzten Endes habe die Vernunft gesiegt, so von Walsleben-Schied. Foto: Bode

Aufgrund der fortwährenden COVID-19-Pandemie musste von Walsleben-Schied nun doch vorzeitig einen Schlussstrich ziehen. „Nach der ersten Corona-Pause hatte ich noch Lust auf Fußball. Aber irgendwann war es dann einfach schwer, nach einer ewig langen Vorbereitung nur Freundschaftsspiele zu spielen und dafür irgendwo aufs Dorf zu fahren“, begründet von Walsleben-Schied, der mit Frau und Kind in Hagenow sesshaft ist, seinen Entschluss. „Für mich waren das teilweise fast 200 Kilometer mit dem Auto für ein Freundschaftsspiel. Da habe ich mich dann irgendwann zwangsläufig gefragt: Macht das alles noch Sinn, was ich da tue – oder wäre es nicht sinnvoller, zu Hause bei der Familie zu bleiben?“ Letztlich fiel die Antwort eindeutig aus. „Ich glaube, es ist die richtige Entscheidung, weil der Aufwand in keinem Verhältnis steht.“

"Die Vernunft hat gesiegt"

Auch wenn er „Fußballer durch und durch“ sei, den Schritt „zunächst nicht wahrhaben und weiterspielen wollte“, habe am Ende des Tages „die Vernunft gesiegt“, ist von Walsleben-Schied mit sich im Reinen. „Meine Frau ist froh und auch meine Tochter freut sich, wenn der Papa nach der Arbeit nach Hause kommt und nicht erst am späten Abend nach dem Training.“ Selbstverständlich gehe er „mit einem weinenden Auge“ und gesteht auch, dass er „gerne noch weitergespielt“ hätte. Aber: „Es hat letztendlich keinen Sinn mehr gemacht.“

"Das ärgert und wurmt mich bis heute"

Der Aufwand, den er betreiben musste, habe in keinem Verhältnis gestanden, erklärte der 37-Jährige (re.). Foto: Bode

Obwohl er nur vier Spiele für Curslack absolviert hat, habe er am Gramkowweg „eine gute Zeit gehabt – auch wenn sie nur sehr kurz war. Trotzdem haben wir die eine oder andere Trainingseinheit hinter uns und es ist viel Schweiß geflossen. Die Leute haben viel dafür getan, um mich da hin zu lotsen. Deshalb muss ich sagen: Es tut mir für den Trainer, den Manager und natürlich auch für die Truppe.“ Dennoch sei das Karriereende im Endeffekt unumgänglich gewesen. „Ich habe durchweg Positives erfahren, viele haben mir zu der tollen Karriere gratuliert.“ Eine Karriere, die ihresgleichen sucht. Der in Weißenfels geborene Angreifer war nicht nur Deutscher U-Nationalspieler, sondern hat auch vier Bundesliga-Einsätze für Hansa Rostock sowie sage und schreibe 178 Zweitliga-Partien (37 Tore, 22 Vorlagen) für den VfL Osnabrück, die SpVgg Unterhaching, Carl Zeiss Jena und eben Rostock hinter sich. 


Was ihm jedoch verwehrt geblieben ist: Ein Bundesliga-Tor. „Das ärgert und wurmt mich bis heute“, gibt er mit einem leichten Augenzwinkern zu. Was er allerdings nie vergessen werde und noch heute für Gänsehaut bei ihm sorgen würde, wenn er nur daran denkt, ist sein erster Einsatz in Deutschlands Fußball-Beletage: Am 16. März 2002 debütierte er für Hansa Rostock im Gastspiel beim 1. FC Köln. „Das war ein großes Erlebnis für mich“, erinnert er sich. „Das Trikot war mir vier Nummern zu groß – aber das war mir letztendlich egal. Das würde mir heute noch passen“, scherzt er.

"Die ersten Angebote gab es schon"

In vier Jahren für die TuS Dassendorf feierte von Walsleben-Schied (li.) mit den "Wendelweglern" drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Foto: Bode

Als die Zeit im Profibereich dem Ende entgegen ging und von Walsleben-Schied nach seiner Station bei Holstein Kiel noch zwei Jahre für die TSG Neustrelitz kickte, kam die TuS Dassendorf um die Ecke. „Nach der Profikarriere muss man sehen, wie es weitergeht. Damals hat Michael Funk (Sponsor der TuS Dassendorf, Anm. d. Red.) mir die Chance gegeben, den Einstieg ins Berufsleben zu starten. Für mich war es ein Glücksgriff nach der Karriere“, ist der Goalgetter dem TuS-Mäzen noch heute dankbar. Und auch beim Verein hat er bleibenden Eindruck hinterlassen: „Der Fußball verabschiedet nicht nur einen großartigen Spieler, sondern auch einen überragenden Menschen“, fand der Club nach dem offiziell verkündeten Karriereende von „Schiedi“ einige emotionale Worte. Kein Wunder, dass es bereits Bemühungen gab, den ehemaligen TuS-Torjäger in anderer Funktion zurückzuholen. „Die ersten Angebote gab es schon“, verrät von Walsleben-Schied bei „Kalles Halbzeit im VERLIES“ – und fügt an, dass es auch schon einen Austausch mit Dassendorf-Sportchef Jan Schönteich, der den Ex-Profi gerne als Co-Trainer installieren würde, gab.

"Sehe mich als typischen Co-Trainer"

In der Zukunft kann sich der langjährige Torjäger einen Posten als Co-Trainer vorstellen - aber: "Es muss auch Sinn machen". Foto: Bode

„Irgendwann kann ich mir das vorstellen – aber jetzt ist für mich die Zeit noch nicht reif, weil ich diese jetzt erstmal mit der Familie nutzen und verbringen will“, peilt von Walsleben-Schied „mindestens eine einjährige Pause“ an. „Dann bin ich für alles offen. Aber es muss auch Sinn machen.“ Er selbst sieht sich als „typischer Co-Trainer“, sei „immer gut gelaunt“ und habe stets „ein Späßchen auf den Lippen“. Mit seiner Klasse und seiner Erfahrung könne er zudem „den einen oder anderen Stürmer bestimmt ganz vernünftig motivieren“ und „zeigen, wo das Tor steht“. In der Rolle des Cheftrainers sehe er sich hingegen gar nicht. Abschließend betonte Marcel von Walsleben-Schied: „Ich würde mir sehr wünschen, wenn es bald wieder losgeht – vor allem für die Jugend.“ Dann wird der Sympathieträger nach einer großen Karriere jedoch nur noch die Zuschauerrolle einnehmen…

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