
Di - 07.02. 19:00 Uhr

Reinmüller

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Fabian Porsch (Barsbütteler SV)
LOTTO-Pokal
Die „lila-weiße Invasion“ entfacht „das Wunder vom Reinmüller“!
Zusammen mit den Anhängern bejubeln Spieler und Offizielle des HEBC die Pokal-Sensation gegen Norderstedt. Foto: Sellhorn
Gegen Dassendorf war die Innenverteidigung des HEBC eine echte Bank, ließ kaum eine zwingende Aktion des Hamburger Serienmeisters zu und hielt am Ende die Null. Gegen Regionalligist Eintracht Norderstedt musste Kocadal aber auf Kapitän Janek Wrede (Gehirnerschütterung) und Kevin Houndjame (Hüftbeuger) verzichten. Mit Tjorven Köhler (Zerrung) fiel ein weiterer absoluter Leistungsträger aus. Da die Eintracht das Achtelfinal-Spiel keineswegs auf die leichte Schulter nahm und nahezu in voller Kapelle am Reinmüller auflief, wurde das Unterfangen, eine faustdicke Überraschung zu schaffen, nicht gerade leichter.
Ebbers: "Das ist zu wenig!"
Und damit zum Sportlichen: 55 Zeigerumdrehungen waren vorüber, als Eintracht-Co-Trainer Marius Ebbers, der den abwesenden und am Live-Ticker bangenden Chefcoach Olufemi Smith - weilte beim UEFA-Pro-Lizenz-Lehrgang in Frankfurt - vertrat, das erste Mal so richtig aus der Haut fuhr: „Das ist zu wenig!“, schimpfte „Ebbe“ - und wollte seine Mannen nur wenige Augenblicke später wachrütteln: „Jeder zweite Ball. Hey!“ Der HEBC machte dem Favoriten das Leben schwer. Sehr schwer. Mit vollem Einsatz trennte Felix Hackstein den eingewechselten Jan Lüneburg von der Kugel und bejubelte den Ballgewinn mit geballten Fäusten und lautstarken Schreien. „Das Wunder vom Reinmüller!“, das Betreuer Werner Wartenberger unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Richtung Ersatzbank und Zuschauerränge heraufbeschwor - es war in greifbarer Nähe.
"Ich finde, uns wurde heute ein Sieg schon nach 90 Minuten ‚abgepfiffen‘"
Am Reinmüller ging es ordentlich zur Sache: An der Seitenauslinie geraten Erciyes Palo (li., am Boden) und Rico Bork (Mi.) aneinander. Aber die "Streithähne" vertrugen sich wieder. Foto: Sellhorn
Dabei hatten die Eimsbütteler nicht nur personelle Rücksckläge zu verkraften, sondern mussten auch erst einmal die 47. Minute verdauen und verarbeiten. Was war passiert? Malte Wilhelm kam an der Strafraumgrenze zu Fall, Referee Fabian Porsch (Barsbütteler SV) ließ den Vorteil laufen, ehe Arisch Butt das Spielgerät aus 23 Metern halbrechter Position staubtrocken ins lange Eck jagte. Noch bevor der Ball im Tornetz einschlug, ertönte plötzlich doch ein Pfiff und der Vorteil, der zum Torerfolg führte, wurde weggepfiffen. Spieler und Verantwortliche des HEBC konnten es kaum fassen, waren außer sich. „Ich finde, uns wurde heute ein Sieg schon nach 90 Minuten ‚abgepfiffen‘. Ich weiß, dass er das nicht mit Absicht gemacht hat und mache ihm auch keinen Vorwurf. Aber es ist halt doof, dass es den Underdog trifft“, haderte HEBC-Übungsleiter Özden Kocadal.
Lemke egalisiert Sezer-Rückstand - Palo jongliert zur Sensation
Eine von ganz wenigen Szenen, in denen es im HEBC-Strafraum mal turbulent wurde. Am Ende verpasste Jan Lüneburg (li.) den Torerfolg nach einer Ecke. Foto: Sellhorn
Doch es war nicht nur eben jene Szene, die dafür sorgte, dass der „David“ aus der Oberliga gegen den „Goliath“ aus der Regionalliga näher dran am Sieg war. Raoul Bouveron tauchte nach einem sensationellen Pass des bärenstarken Fabian Lemke frei vor Lars Huxsohl auf, scheiterte aber an dessen herausragendem Reflex (72.). Die größte und nahezu einzige Chance der Eintracht im zweiten Abschnitt vergab Manuel Brendel, der blank stehend in Patrick Meins seinen Meister fand (83.). So blieb es bis zum Schluss beim 1:1-Unentschieden.
Während Lemke, Wilhelm und Hendrik Diekmann im Elfmeterschießen ganz cool blieben und sicher für die Eimsbütteler verwandelten, zeigte auch Rico Bork auf der anderen Seite keine Nerven. Dafür aber seine Teamkollegen Juri Marxen und Pelle Hoppe. Ersterer bugsierte den Ball meilenweit über das Tor, Hoppe konnte „Elfmeterkiller“ Meins, der sich schon in der Runde zuvor gegen HT 16 (5:4 n. E.) zum Helden aufschwang, nicht überwinden. Und so hatte Erciyes Palo die ganz große Gelegenheit, die Sensation perfekt zu machen. Der Innenverteidiger marschierte von der Mittellinie jonglierend mit dem Ball am Fuß zum Elfmeterpunkt - und nagelte das Ding humorlos ins HEBC-Glück!
"Je länger das Spiel gedauert hat, umso mehr habe selbst ich an den Sieg geglaubt"
Norderstedt-Keeper Lars Huxsohl war bei sämtlichen Elfmetern geschlagen und chancenlos. Foto: Sellhorn
Die lila-weiße Invasion war perfekt. Und das nicht einmal glücklich, sondern hochverdient! „Einfach grandios“, konnte auch Kocadal inmitten der Jubeltraube sein Glück zunächst kaum fassen. „Die Jungs haben ab der ersten Minute gebrannt. Und je länger das Spiel gedauert hat, umso mehr habe selbst ich als Pessimist an den Sieg geglaubt. Ich bin einfach nur glücklich und ringe um Worte.“ Worte, die den „Wahnsinn“ beschreiben können.
Am Ende sei „Vieles zusammengekommen, was einen solchen legendären Abend ausmacht“, strahlte der HEBC-Dompteur - und gab abschließend einen kleinen Einblick in die Feierlichkeiten: „Ich glaube, wir werden dieses Clubheim abreißen. Ich hoffe, mein Schulleiter liest dieses Interview nicht, weil ich nicht weiß, ob ich es zur Arbeit schaffe“, witzelte er - und wollte gar nicht allzu weit vorausblicken. Die „Veilchen“ stehen im Viertelfinale des LOTTO-Pokals und üben sich weiter in Bescheidenheit. „Es wäre einfach nur Weltklasse, wenn wir wieder ein Heimspiel hätten.“
"Das ist auf jeden Fall etwas, woran wir zu knabbern haben"
Siegtorschütze Erciyes Palo (Mi.) umringt in der Jubeltraube von Fans, Mitspielern und Offiziellen. Foto: Sellhorn
Unterdessen ist die Pokalreise von Norderstedt jäh beendet. „Wir haben uns hier ein ganz klares Ziel formuliert und sind als haushoher Favorit in dieses Spiel reingegangen. Aber letztendlich haben wir zu wenig auf die Platte gekriegt, nicht die 100 Prozent, die wir angesprochen haben, dass wir die brauchen werden, um auf dem nicht einfachen Geläuf zu bestehen“, stellte Ebbers ernüchternd fest.
Der entscheidende Elfmeter von Erciyes Palo im Video: