Bezirksliga Nord

„Der neue Sportcampus Alsterdorf ist für den SC Sperber existenziell“

Simon Burhorst hat den "Raubvögeln" vom SC Sperber wieder ordentlich Flügel verliehen. Foto: Katharina Söth

Er ist ein echtes „Urgestein“ des Vereins, beendete im vergangenen Sommer seine Laufbahn und läutete die Karriere nach der Karriere ein – natürlich bei seinem SC Sperber. Die Rede ist von Simon Burhorst. Der 35-Jährige hat den zwischenzeitlich sogar vor einem Absturz aus der Bezirksliga bedrohten „Raubvögeln“ wieder Flügel verliehen und den sportlichen Sinkflug gestoppt. In der vergangenen Saison klopften die Alsterdorfer in der Bezirksliga Nord lange Zeit sogar ganz oben an und beendeten die Spielzeit auf einem hervorragenden dritten Tabellenplatz. Torwart Stefan Schultz, Nick Puppe (beide eigene Zweite), Leeroy Fuhrhop-Hahn, Aaron Edele, Tim Steinhoff (alle Ziel unbekannt), Bastian Petersen und Leon Nielsen (beide Karriereende) haben dem SCS den Rücken gekehrt. Mit Linus Wilke (ab September nach Afrika für Auslandsjahr), Luca Degenhardt (ab Oktober nach Spanien für Auslandsjahr) und Tom Schober (ab Oktober zum Studium nach Köln) kommen im Verlaufe der Hinrunde drei weitere Abgänge dazu.

Kim Kubik ist einer der bereits höherklassig erfahrenen Neuzugänge. Der Linksfuß kommt von Landesligist SC Poppenbüttel zum SCS. Foto: Katharina Söth

Doch nicht nur die Zahl der Neuzugänge, sondern auch der eine oder andere darunter befindliche Name und dessen Statistik lassen für das Spieljahr 2023/24 aufhorchen: Keeper Steven Pagenkop, Leon Sobottka (beide HSV Barmbek-Uhlenhorst), Kim Kubik (SC Poppenbüttel), Vico Keck (SC Hansa 11), Mika Bümmerstede (SC Victoria II), Levin Janssen (TuS Berne), Habib Sghaier (SV Bergstedt), Florian Leuenroth (TV Welle) und Michel Schmidt (SC Victoria U19) verstärken den Nord-Bezirksligisten, der mit Dennis Grienig (zuvor eigene Zweite) auch einen neuen Co-Trainer bekommen hat. Wir haben uns mit Chefcoach Burhorst über die Entwicklung, den Sportcampus Alsterdorf und die Ziele mit dem SC Sperber unterhalten…

FussiFreunde: Tabellendritter in der Vorsaison in einer starken Staffel – nachdem der Verein im Jahr davor noch um den Klassenerhalt bangen musste: Wie erklärst du dir diese sehr positive Entwicklung?

Chefcoach Simon Burhorst hat "seinen" SC Sperber in seiner ersten Saison als Chefcoach gleich mal auf den dritten Platz geführt. Foto: Katharina Söth

Simon Burhorst: „Der SC Sperber hatte in den letzten Jahren mit sehr schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Die Coronapause hat den Rasenplatz in Alsterdorf endgültig unbespielbar gemacht, sodass nicht einmal das Training möglich war. Mit der überlebenswichtigen Perspektive des Sportcampus im Hintergrund dürfen wir uns seit dieser Saison auf der Meerweinstraße zuhause fühlen und regelmäßig auf Kunstrasen trainieren und spielen, was uns wettbewerbsfähiger macht. Sportlich gesehen haben wir es geschafft, einen Fußball bei uns zu entwickeln, der allen Spielern in den Matches sowie im Training Freude bereitet und gut zu ihnen passt.“

Inwieweit hängt das auch mit deiner Person als Cheftrainer zusammen?

Burhorst: „Der Verein war so mutig, einen Spieler zum Trainer zu ernennen und ist damit erstmal ins Risiko gegangen, dafür bin ich natürlich sehr dankbar. Auch die Jungs haben richtig cool mitgezogen und mir immer geholfen, was nicht selbstverständlich ist. Dazu hatte ich mit Dustin Vespermann als spielendem Co-Trainer eine super Unterstützung auf und neben dem Platz. Insgesamt waren wir defensiv stärker als davor, haben auch mal Spiele eklig gewonnen und sehr konstant gespielt. Das ist uns im Jahr davor nicht gelungen. Zudem hatten wir starke Neuzugänge, die sich gut eingefügt haben, und natürlich besonders offensiv auch individuelle Qualität, die Spiele entschieden hat. Dass wir am Ende aber eine so gute Rolle spielen und dauerhaft oben mitmischen, damit haben wir nicht gerechnet.“

Die beiden vor euch platzierten Teams Paloma II und Norderstedt II sind aufgestiegen und aus der Liga raus: Seid ihr damit automatisch der Top-Favorit in der Staffel?

Leon Sobottka wechselt von BU zu den "Raubvögeln" - und soll eine zusätzliche torgefährliche Option in der Offensive darstellen. Foto: Katharina Söth

Burhorst: „Nein, das glaube ich nicht. Genauso überraschend, wie wir in der letzten Saison oben anklopfen durften, wird es in dieser Saison Teams geben, die im vergangenen Jahr unter ihren Erwartungen geblieben sind und sich nun etwas überlegt haben. Außerdem haben wir neun Veränderungen in der Staffel, darin drei Landesliga-Absteiger und ambitionierte Bezirksligisten aus Parallelstaffeln sowie verheißungsvolle Aufsteiger. Wir sollten nicht vergessen, wo wir herkommen – und uns erinnern, dass ein Sperber zwar hoch fliegen, aber auch tief fallen kann.“

Mit welchem konkreten Ziel geht ihr denn in die neue Saison?

Burhorst: „Wir wollen am liebsten den Schwung der letzten Saison mitnehmen und daran anknüpfen. Wir haben viele spannende Kicker dazu bekommen, müssen also erstmal zusammenwachsen – und wollen die gute Entwicklung aus der vergangenen Saison weitergehen. Wir schauen, dass wir Trainingsinhalte auf den Platz bekommen und eine gemeinsame Spielidee kreieren. Das macht uns am meisten Spaß und wir glauben daran, dass auch dann automatisch Punkte gesammelt werden, um den guten Eindruck bestätigen zu können. Diese Ziele haben die Jungs selbst formuliert, wohlwissend, dass es ambitioniert ist und wir dafür viel tun müssen.“

Wie siehst du die langfristige Perspektive des Vereins – auch mit Hinblick auf die neue Anlage?

Auf Sicht möchte Burhorst mit dem Hamburger Traditionsverein wieder eine gute Rolle spielen. Foto: Katharina Söth

Burhorst: „Der neue Sportcampus Alsterdorf ist für den SC Sperber existenziell. Er macht den Verein insgesamt konkurrenzfähiger und wird auch die Jugend mit den Herren-Teams vernetzen. Dann können wir auch endlich eine Alte Herren Gründen und unsere Fußball-Opas in Rente schicken, die warten nämlich nur darauf (lacht). Der SCS hatte schon immer eine attraktive Lage und ein gutes Einzugsgebiet für talentierte Kicker, aber nie die Bedingungen, Spieler langfristig zu halten. Wir freuen uns auf lebendige Wochenenden mit vielen Fußballern und neuen Sportsparten im Verein und ein brandneues Funktionsgebäude, damit Sperber als Hamburger Traditionsverein wieder eine gute Rolle spielen kann.“