Turniere
1. Spieltag


Bremer SV

3

:

1


Concordia Hamburg

Anpfiff

So - 05.06. 15:00 Uhr

Spielstätte

Stadion am Panzenberg, Bremen

Zuschauer

2750

Schiedsrichter

Franziska Wildfeuer (VfB Lübeck)

Regionalliga-Aufstiegsrunde

Cordi gescheitert: „Im ersten Moment herrscht eine große Frustration, weil man eine gesamte Saison verschenkt hat!“

Die Riesenchance zur 2:1-Führung für Cordi - aber Sinisa Veselinovic (Mi.) zielte aus vier Metern knapp am Kasten vorbei. Foto: Heiden

Sowohl Cordi-Präsident Matthias Seidel als auch Stefan Kohfahl, Sportlicher Berater beim Hamburger Oberligisten, versprühten vor dem finalen Showdown beim Bremer SV im Kampf um den Regionalliga-Aufstieg jede Menge Optimismus. Auch Chefcoach Frank Pieper-von Valtier sorgte unmittelbar nach 1:3-Niederlage gegen die dadurch fix aufgestiegenen Kickers Emden dafür, dass die Köpfe gleich wieder hochgenommen werden: „Alles ist möglich! Uns wird ein heißer Tanz erwarten. Aber die Tür ist noch offen“, erklärte er uns gegenüber nach Abpfiff.

Veli Sulejmani (li.) verlor vor dem 1:2 den Ball - allerdings ging dem Treffer ein Handspiel voraus. Foto: Heiden

Der Matchplan war klar: Mit einigen taktischen und personellen Umstellungen wollte Concordia Hamburg die Hausherren gleich zupressen und Druck ausüben, sah zu Beginn aber überhaupt keinen Stich (alle Highlights im LIVE-Ticker). Gleich zweimal hätte Sebastian Kurkiewicz den Gast ganz kalt erwischen können, scheiterte aber zunächst an der Unterkante der Latte (8.) und wenige Sekunden später an Johannes Höcker (9.). Die Elf von Frank Pieper-von Valtier lief der Musik auch in der Folge hinterher. Ein Kampf um die letzte Chance? Es glich eher einer Vorführung!

Mats Kaiser war es schließlich, der das „Dauerfeuer“ des BSV nach einem Einwurf (!) und einer unfreiwilligen Kopfballverlängerung von Dallas Aminazdeh belohnte und die hochverdiente Führung für die Equipe des lange in der Hansestadt aktiven Benjamin Eta besorgte (18.)! Und es ging weiter: Lamine Diop lief Seyhmus Atug auf wenigen Metern komplett davon (20.). Der Concorde touchierte den flinken BSV-Wirbelwind, der auf und davon war, deutlich. Ein Pfiff blieb jedoch aus. Riesenglück für Cordi!

Atug verpasst Ausgleich

Kollektiver Jubel beim Bremer SV nach dem Führungstor. Foto: Heiden

Und urplötzlich sowie komplett aus dem Nichts hatte eben jener Atug nach einer Freistoß-Flanke von Onur Saglam den Ausgleich auf dem Kopf – aber Malte Seemann kratzte das Leder herausragend aus dem langen Eck (23.)! Dennoch: Das Beste an den ersten 45 Minuten aus Concordia-Sicht war, dass es „nur“ 0:1 stand! Der Plan in der ersten Halbzeit ging ganz und gar nicht auf – und so reagierte das Trainerteam mit einer Umstellung, brachte mit Sinisa Veselinovic und Selim Ajkic zwei große, wuchtige Stürmer.

Veselinovic lässt Cordi hoffen und träumen

Erstgenannter war es auch, der die Hoffnungen der Rot-Schwarzen mehr oder weniger aus dem Nichts wieder zurückbrachte: Nach einem tollen Ball von Vincent Boock verwertete Veselinovic die folgende Hereingabe von Steven Lindener aus dem linken Halbfeld per Kopf – 1:1 (64.)! Auf einmal war Cordi hellwach, voll da. Eben jener Veselinovic hätte nach feiner Einzelaktion von Veli Sulejmani das Spiel komplett auf den Kopf stellen können, zielte aber aus fünf Metern und aus der Drehung haarscharf am linken Pfosten vorbei (70.)! Warum nicht von Anfang an so, werden sich die (eigentlich nicht vorhandenen) Anhänger der Wandsbeker gefragt haben.

Kapitale Böcke lassen Aufstiegstraum zerplatzen

Ian-Prescott Claus (Mi.) versprühte nicht den notwendigen Esprit vor dem gegnerischen Tor. Foto: Heiden

Der Oberliga-Fünfte übte nun mächtig Druck auf die schwimmenden Bremer aus, musste aber gleichzeitig auch hinten aufpassen, nicht in einen Konter zu laufen und wieder in Rückstand zu geraten. So zum Beispiel in Minute 73, als Höcker gegen L. Diop die Krallen auspackte. Der Meister der Bremen-Liga fing sich nach kurzer Schwächephase wieder, profitierte von einem Fehler der Gäste im Aufbau und von einer Entscheidung von Schiedsrichtern Franziska Wildfeuer: Sulejmani blieb im Mittelkreis nach einem Dribbling hängen, reklamierte dabei (zu Recht!) ein Handspiel – doch die Partie ging weiter. Bremen schaltete blitzschnell um, Sebastian Kmiecz legte ein unnachahmliches Solo hin, verteilte zwei Tunnler und krönte seine Willensleistung mit dem Abschluss ins lange Eck – 2:1 (82.)!

Die Concorden waren hochgradig aufgebracht, diskutierten auch im Anschluss noch mit der Unparteiischen – doch die Entscheidung stand. Und zwar in doppelter Hinsicht. Denn wenige Augenblicke später düpierte Kurkiewicz im gegnerischen Sechzehner Aminzadeh und servierte L. Diop den dritten Treffer auf dem Silbertablett (88.)! „Nie mehr Bremen-Liga!“, hallte es durchs Rund des pickepackevollen Panzenberg-Stadions. 2750 Zuschauer wollten sich den historischen Aufstieg nicht entgehen lassen – und hatten schlussendlich allen Grund zur Freude.

"Jetzt müssen wir die Situation genau analysieren"

Sinisa Veselinovic (li.) sorgte für jede Menge Schwung, brachte Cordi zurück - und Ian-Prescott Claus (re.) konnte es nach dem Ausgleich nicht schnell genug gehen. Foto: Heiden

Ganz im Gegensatz zu Concordia Hamburg. „Im ersten Moment herrscht natürlich eine große Frustration, die über allem steht, weil du merkst, dass du eine gesamte Saison verschenkt hast“, brachte es Präsident Matthias Seidel kurz nach dem Scheitern auf den Punkt. „Es war viel mehr drin“, befand Seidel, meinte aber auch: „Überall hat ein bisschen was gefehlt.“ Und das war im Endeffekt zu viel, um den Aufstieg zu schaffen. „Jetzt müssen wir die Situation genau analysieren, weil wir es eigentlich wieder angehen wollen“, blickte der Präsident bereits voraus – und entgegnete auf die konkrete Nachfrage, ob man einen neuen Anlauf nehmen wird: „Ja, natürlich – sonst würden wir nicht Fußball spielen!“

"Der eine oder andere Spieler hat nicht die Leistung abgerufen"

Allerdings weiß Seidel auch: „Nächstes Jahr wird es natürlich etwas schwieriger, wenn Altona den direkten Wiederaufstieg planen sollte. Dann hat man einen Konkurrenten mehr.“ Doch zunächst einmal heißt es bei Cordi: „Wunden lecken“, so Seidel, der das Verpassen des Ziels nicht daran festmachen wollte, dass ein Großteil des aktuellen Kaders bereits in ganz Hamburg bei etlichen Vereinen als mögliche Neuzugänge gehandelt wird. „Das wird man immer haben, dass Spieler vor dem Absprung stehen oder vielleicht sogar auch schon woanders unterschrieben haben. Das ist ein besonderes Phänomen der Oberliga, wo viele Spieler nur Ein- oder maximal Zwei-Jahres-Verträge haben und sehr sprunghaft sind. Aber ich glaube, daran hat es jetzt nicht unbedingt gelegen, dass den Spielern der Fokus gefehlt hat.“ Nichtsdestotrotz machte Seidel auch keinen Hehl daraus, dass „der eine oder andere Spieler natürlich nicht wirklich die Leistung abgerufen hat, die er abrufen kann“.

"Wir wollen es wieder versuchen"

Nach dem Treffer zum 3:1 durch Lamine Diop (Mi.) kannte der Jubel beim Bremer SV keine Grenzen mehr. Foto: Heiden

Und auch in Bezug auf die Oberliga sprach Seidel Klartext: „Das ist der Nachteil, dass wir in einer Liga unterwegs sind, wo wir eigentlich alle das Interesse haben sollten, aufzusteigen – aber viele Mannschaften das Interesse nicht haben, weil es für sie mit Anfahrtswegen und so weiter viel angenehmer ist. Das ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen – auch nicht für den Hamburger Fußball. Denn wir sehen ja auch gerade in der Politik, wie schlecht wir eigentlich im Fußball aufgestellt sind. Wir haben kein vernünftiges Drittliga-Stadion – geschweige denn einen Verein – und nur ein oder zwei Regionalliga-taugliche Stadien. Es ist für alle Vereine eine große Herausforderung. Wir wollen es trotzdem wieder versuchen!“

Auch mit dem aktuellen Trainerteam? „Da ich ja noch nicht weiß, was bei den Trainern im Kopf vor sich geht, kann ich dazu noch nichts sagen. Aber wir wissen, dass wir eigentlich immer ein sehr treuer Verein waren und sind. Deshalb gucken wir einfach mal, was auch das Wunden lecken mit sich bringt“, stehen richtungsweisende Tage und Wochen vor Concordia Hamburg.

Cordi-Coach Frank Pieper-von Valtier nach dem Scheitern im Interview:

Kommentieren