Wandsbek-Cup 2024

Cordi entthront Paloma eine Sekunde vor Schluss – aber: „Ein Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen!“

Concordia Hamburg feiert den Sieg beim Wandsbek-Cup 2024. Im Finale entthronte der Gastgeber den Titelverteidiger Paloma in letzter Sekunde. Foto: Christoph Hellwig

Der Gastgeber gegen den Titelverteidiger. Zwei Oberligisten im direkten Duell. Dazu noch das Aufeinandertreffen zwischen den Brüdern Sidi Marvin Fané (Concordia Hamburg) und Mohamed Giresse Fané (USC Paloma). Das Finale vor 450 Zuschauern zwischen Cordi und den Uhlenhorstern bot allerhand sportliche Brisanz (HIER geht's zum Turnier). Im Viertelfinale stand der amtierende „Wandsbek-Cup“-Sieger – nach einer scheinbar sicheren und beruhigenden 2:0-Führung – gegen den SC Condor bereits vor dem Aus und lag 60 Sekunden vor Ultimo auf einmal mit 2:3 im Hintertreffen. Doch dann kam „Mo“ Fané, rettete die „Tauben“ mit seinem Last-Minute-Treffer vor dem Knockout und wurde abseits der Bande im Jubeltaumel auch von seinem Bruder Sidi Fané gefeiert und abgeklatscht. Im Neunmeterschießen behielt Paloma schließlich die Oberhand (6:5 n. N.).

Im großen Finale steuerte erneut alles auf eine Entscheidung vom Punkt an. Weder Concordia Hamburg noch der USC Paloma brachten das Runde im Eckigen unter, als die letzte Minute in der Sporthalle Wandsbek anbrach. Dann aber kochten auf einmal sämtliche Emotionen über und sorgten für ein unwürdiges Ende eines ansonsten spektakulären Wandsbek-Cups. Lennard Wallner, bereits im letztjährigen Endspiel negativ in Erscheinung getreten, trat an der Bande übel nach und initiierte damit eine massive Rudelbildung. Die Reaktion der „Hausherren“: Eren Eröksüz schubste Wallner in die Balustrade, ehe sämtliche Concorden von der anderen Seite des Feldes in Windeseile rüber rannten. Besonders unangenehm: Das Verhalten von Arbes Tahirsylaj, der USC-Schlussmann Jonas Marschner am Hals packte. Die Konsequenz: Eine Zwei-Minuten-Strafe für Wallner und der rote Karton gegen Tahirsylaj. Während Eröksüz gänzlich ungeschoren davonkam.

Dahaba trifft eine Sekunde vor Schluss - aber die Emotionen kochen über

Im Finale zog Mohamed Giresse Fané (re.) mit seinen Palomaten gegen seinen Bruder nur haarscharf den Kürzeren. Foto: Christoph Hellwig

Wallners unnötiger Auslöser sorgte in der Folge für eine unheimlich aufgeheizte Stimmung. Um deeskalierend auf die Situation einzuwirken, beriet Paloma sogar über eine Spielfortsetzung. Drohte dem großen Showdown etwa der Super-GAU? Die Nitsch-Equipe setzte die auf der Zielgeraden befindliche Partie fort. Aber nach weiteren Zwei-Minuten-Strafen gegen Marco Schröder (Paloma) und Muhamed Ajruli (Cordi) standen sich in den letzten Zügen des Finals nur noch jeweils zwei Feldspieler der Concorden sowie Palomaten gegenüber.

Ein Umstand, den Paloma-Fänger Marschner, nach der Vorrunde zum besten Torhüter des Turniers gewählt, zu einem allerletzten Ausflug nutzte. Sein Schuss wurde aber von Cordi-Keeper Jan Hoffelner abgewehrt. Blöd für Marschner, dass dieser dabei ins Straucheln geriet und der prompte Gegenzug lief. Mit nur noch einer (!) Sekunde auf der Uhr brachte Noah Dahaba die Kugel unter tosendem Jubel zur Entscheidung im Tor unter und sorgte für den Turniersieg seiner Jenfelder! Statt den direkten Weg zu ihren feiernden Teamkollegen zu suchen, sorgten Hoffelner und vor allem Tahirsylaj mit unflätigen Gesten in Richtung der Paloma-Bank jedoch für die endgültige Eskalationsstufe. Ein fulminantes Finale, das von völlig unnötigen Szenen überschattet wurde!

"Das geht so nicht - da sind wir uns schnell einig"

Caleb Awuah (li., HT 16) nimmt von Cordi-Präsident Matthias Seidel die Ehrung als bester Torschütze nach der Gruppenphase (vier Treffer) entgegen. Foto: Christoph Hellwig

USC-Trainer Marius Nitsch war außer sich. „Stilvoll gewinnen kann auch nicht jeder“, echauffierte er sich über das Verhalten einiger Cordi-Akteure. Den Titelverteidiger in letzter Sekunde entthront – und doch waren bei der anschließenden Siegerehrung und der Pokalübergabe an den Gastgeber und Ausrichter lautstarke Buhrufe zu vernehmen. „Natürlich ist das doof, was passiert ist“, befand auch Cordi-Coach Thomas Runge. „Aber ich will das auch nicht überbewerten. Dass sich das bei solchen Situationen an der Bande hochschaukeln kann, das wissen wir alle. All die Dinge, die da Drumherum waren, die gehören sich natürlich nicht! Das geht so nicht und da sind wir uns schnell einig“, fügte er an – und ergänzte: „Genau deswegen bin ich ein großer Verfechter des Futsals. Denn da hat man diese aggressiven Szenen ohne Bande nicht.“

Und so regte Runge an, „zu überlegen, ob man da vielleicht im nächsten Jahr etwas anders machen kann, um solche Dinge zu verhindern“. Aber: „Dass beide Mannschaften das Endspiel gewinnen wollten, das hat das Spiel ja auch ansehnlich gemacht. Es waren die nötige Dynamik und die nötige Aggressivität dabei. Da ist es dann immer so ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann“, will er „zusehen, dass sich die Jungs auch menschlich weiterentwickeln“.

Kuriose Halbfinalansetzungen sorgen für Gesprächsstoff

Im Finale knapp geschlagen, aber nach der Vorrunde als bester Torwart des Turniers gekürt: Jonas Marschner (li.) vom USC Paloma. Foto: Christoph Hellwig

Für Gesprächsstoff sorgten bereits die kuriosen oder zumindest nicht gerade gewöhnlichen Halbfinalansetzungen. Während im Normalfall der Sieger des ersten auf den des zweiten und der Triumphator des dritten auf den des vierten Viertelfinals trifft, sorgte der Spielplan für ein Wiedersehen der Gruppen-Kontrahenten. Mehr noch. Da sowohl die Liga-Mannschaft von Cordi als auch die „Zweite“ zum wiederholten Male den Sprung in die Vorschlussrunde schafften, mutmaßten die jeweiligen Kontrahenten, dass man beide Teams bewusst nicht aufeinandertreffen ließ, um ein reines Concordia-Finale zu ermöglichen. Die Oberliga-Truppe machte gegen einen starken Rahlstedter SC (4:2) ihre Hausaufgaben. Aber die U23 (am Ende starker Dritter) musste sich Paloma hauchzart geschlagen geben (3:5 n. N.).

Zwei Torwart-Tore, viele Zwei-Minuten-Strafen - und ein besonderer Sieg

Rahlstedt-Youngster Mathias Czoska (li.) durfte sich über die Auszeichnung zum besten Spieler und die dauerhafte Beförderung in den Liga-Kader freuen. Foto: Christoph Hellwig

Für die besonderen Momente im Turnier sorgten Wandsetal-Torsteher Timo Ostermann mit einem Treffer von Höhe der Mittellinie gegen den Barsbütteler SV (1:3) und Condor-Torwart Yannik Jonas mit dem Anschlusstor im Viertelfinale gegen Paloma zum zwischenzeitlichen 1:2 (5:6 n. N.). Ebenfalls auffällig: Die im Verhältnis zu vergangenen Jahren unzähligen Zwei-Minuten-Strafen und vielen Nickligkeiten. Nicht erst im Finale. Als bester Torschütze wurde Caleb Awuah (vier Treffer) nach der so überzeugenden Vorrunde seiner HT 16 ausgezeichnet. Den Titel des besten Spielers erhielt „Shootingstar“ Mathias Czoska vom Rahlstedter SC. Aber den großen Titel heimste der Gastgeber ein.

„Das ist unser Hallenturnier und es ist sehr etabliert. Ich war mit dem Jenfelder SV beim allerersten Turnier dabei und weiß, wie es entstanden ist. Von daher hat es auch für mich persönlich einen Stellenwert“, wollte Runge den Gewinn ganz und gar nicht kleinreden, sondern freute sich über den Erfolg. „Natürlich auch für die Jungs und die vielen Concorden, die hier waren, und es toll finden, dass hier in Wandsbek so etwas stattfindet“, sprach er – und sah, wie sich seine Spieler nach dem triumphalen Gewinn im Hintergrund dem Abbau widmeten.