Oberliga Hamburg
5. Spieltag


Niendorfer TSV

1

:

0


Concordia Hamburg

Anpfiff

So - 25.08. 14:00 Uhr

Spielstätte

Sachsenweg

Zuschauer

56

Schiedsrichter

Falah Abed Saad (VfL 93)

Oberliga

Comedy am Sachsenweg: „Specko“ und Steinbach „in love“

Das Siegtor gemacht, aber mit den Kräften am Ende: NTSV-Matchwinner Lennard Speck bei seiner Auswechslung. Foto: Kormanjos

Mit seiner unvergleichlichen Art und insbesondere mit seiner „Reibeisen“-Stimme hat sich Jörg Steinbach in den letzten Jahren auf den Fußballplätzen Hamburgs bereits einen Namen gemacht. Der Co- und Torwart-Trainer des Niendorfer TSV war auch im Heimspiel gegen Concordia (alle Highlights im LIVE-Ticker) – trotz der Weitläufigkeit am Sachsenweg – unüberhörbar. Und das lag nicht an der einmal mehr sehr überschaubaren Anzahl an Zuschauern. Immer wieder hallte das lautstarke Organ von Ali Farhadis rechter Hand über den Platz. Vor allem die Wortduelle mit Lennard Speck hatten es in sich und dürften in jedem Comedy-Programm für die erwünschten Lacher sorgen…

Die Hitze machte den Akteuren zu schaffen. Auch Lennard Speck hatte so seine liebe Mühe mit den Temperaturen. Als Jörg Steinbach ihn von der Seite dazu aufforderte: „Nutz‘ die Räume“, entgegnete der Niendorfer Linksverteidiger mit mit deutlich angeschlagener Miene: „Ich bin gleich tot.“ Eine Aussage, die Steinbach prompt zu kontern wusste: „Nein! Ich sage dir, wann du tot bist“, sollte Speck noch einmal alle Kräfte bündeln. Und siehe da: Wenige Augenblicke später fiel ihm der Ball vor die Füße, nachdem Cordi-Keeper Tobias Braun, der die „Sachsenwegler“ mit etlichen Paraden schon zur Verzweiflung trieb, zunächst gegen den äußerst glücklosen Lennart Merkle und dann auch noch gegen den Nachschuss von Leon Meyer aus kürzester Distanz spektakulär parierte. Doch im dritten Anlauf schlug der Ball im Cordi-Kasten ein, weil Speck das Spielgerät humorlos unter die Latte schmetterte (77.)! Der Jubel fiel allerdings recht verhalten aus, obwohl „Specko“ nicht gerade für seine Torgefährlichkeit bekannt ist. Der Grund: „Ich kriege Krämpfe und so“, teilte er Steinbach mit, als dieser frische Wasserflaschen an den Seitenrand legte. Die Antwort: „Das macht nichts, dann lauf‘ sie raus!“ Ali Farhadi hatte jedoch ein Einsehen mit seinem „Vierer“ und erlöste ihn keine 120 Sekunden später.

„Unterm Strich war klar, dass Niendorf als Sieger vom Platz geht“

Vedat Düzgüner (li.) wird von Damian Ilic verfolgt. Foto: Kormanjos

Am Ende sollte Specks Schuss das goldene Tor des Tages sein, weil die Gäste in der Offensive lange zu harmlos waren. Bis zur 95. (!) Minute, als ein Eckball von Umut Kocin über Jeremy Baur und Pascal El-Nemr plötzlich auf dem Schlappen des gerade wieder genesenen und kurz zuvor eingewechselten Sascha de la Cuesta landete. Doch der Edel-Techniker schaffte es nicht, Marcel Kindler aus wenigen Metern zu bezwingen. Beinahe wäre dem NTSV noch der „Dreier“ aus den Händen geglitten. Angesichts der Anzahl an Chancen wäre dies sicher ein herber Schlag gewesen – und so lauteten Farhadis Worte nach dem Spiel zur Mannschaft unter anderem auch: „Nächstes Mal an die Tore denken!“ Wenige Augenblicke später führte er jenen Satz der Presse gegenüber aus: „Wir sind unglaublich dominant im Spiel. Vom Gegner habe ich relativ wenig notiert. Natürlich ist unser Spiel bei den Temperaturen kräfteraubend, aber letztendlich ist das hochverdient. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir aus den klaren Situationen, die wir uns herausspielen, auch Tore erzielen. Allein in der ersten Halbzeit sind da vier klare Bälle.“ Und weiter: „Unterm Strich war klar, dass Niendorf hier als Sieger vom Platz geht – auch wenn wir nicht so richtig gut gespielt haben. Aber am Ende ist es aufgrund der Dominanz hochverdient.“

„Wir sind in der Entwicklung weiter, als ich es erwartet habe“

Währenddessen echauffierte sich Frank Pieper-von Valtier über den aus seiner Sicht irregulären Gegentreffer: „Es ist einfach nur total ärgerlich, dass das Tor aus einer Abseitsposition fällt. Er kommt von der Torlinie und greift dann ein. Das geht für mich nicht und muss er von draußen sehen.“ Nichtsdestotrotz befand er auch: „Wir haben uns eigentlich auf viele lange Bälle eingestellt, haben es trotzdem nicht so gut verteidigt. Wir haben auf zu vielen Positionen nicht so gespielt, wie wir es können. Dafür machen wir es trotzdem gut – aber es reicht dann am Ende eben nicht in so einem Spiel.“ In der zweiten Hälfte haben seine Mannen „weniger Druck auf den Gegner ausgeübt, was dazu geführt hat, dass sie uns ein bisschen reingedrängt haben. Aber nicht, weil sie sich befreien konnten, sondern eher, weil wir zu passiv waren.“ Grundsätzlich hätten es seine Schützlinge „teilweise okay gemacht, aber der letzte Pass war nicht gut oder wir haben die falsche Entscheidung getroffen und zu viel vor anstatt hinter die Abwehr gespielt. Das haben wir die letzten Wochen deutlich besser gemacht.“ Dennoch warnte er vor einer zu hohen Erwartungshaltung. „Es ist ein Rückschlag, aber davon geht die Welt nicht unter. Die Einstellung stimmte. Wir sind auf einem richtig guten Weg in der Entwicklung und ehrlich gesagt auch schon weiter, als ich es erwartet habe.“

„Wir liefern gegen Gegner, die meinen, sie sind auf Augenhöhe, ab“

Cordis Berkant Aydin (re.) im Kopfballduell mit Lennart Merkle. Foto: Kormanjos

Selbst Farhadi fand nach der Partie überaus lobende Worte für den Gegner: „Ich bin begeistert von den Jungs. Letztes Jahr war das etwas ganz anderes. Jetzt merkt man, dass da ein ganz anderer Spirit drin ist.“ Dementsprechend groß war der Respekt vor dem Aufeinandertreffen. Doch seine Akteure ließen vor allem in der Defensive so gut wie nichts anbrennen und kaum Gelegenheiten für die „Bekkampler“ zu. Auf die Frage, ob er das im Vorfeld für möglich gehalten hätte, dass der Kontrahent erst in der letzten Sekunde der Nachspielzeit zur ersten klären Möglichkeit kam, entgegnete er: „Nein, niemals! Vor allem, als ich Umut (Kocin; Anm. d. Red.) beim Warmmachen gesehen habe. Der Junge ist eine Granate!“ Aber: „Ich weiß nicht, woran es lag und will uns auch nicht zu hoch loben, aber ich glaube, dass wir ihn ganz gut rausnehmen konnten und er auch keinen ganz so guten Tag hatte. Da haben wir ein bisschen Glück gehabt.“ Glück hatte man auch in der allerletzten Situation. Doch zuvor hätte man bereits eine vorzeitige Entscheidung herbeiführen können: „Wenn wir das richtig gut spielen, gewinnen wir hier klar und deutlich. Aber grundsätzlich ist unsere Qualität so aufgestellt, dass wir genau gegen diese Gegner, die meinen, sie sind auf Augenhöhe und wollen oben mitspielen, auch abliefern. Es war sehr anstrengend, aber hochverdient!“ 

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