LOTTO-Pokal
3. Spieltag


Rahlstedter SC

6

:

3


SV Curslack-Neuengamme

Anpfiff

Fr - 10.09. 20:00 Uhr

Spielstätte

Scharbeutzer Straße

Zuschauer

220

Schiedsrichter

Florian Schwarze (MSV Hamburg)

LOTTO-Pokal

Blum bringt’s, Marquardt macht’s: Rahlstedt triumphiert nach irrer Gewitter-Schlacht!

Nach dem verschossenen Elfmeter von Corvin Behrens (re.) schreit Rahlstedt-Keeper Pascal Marquardt seine Freude lautstark heraus. Foto: Bode

„Corvin, Arnie“, rief Ingo Carstensen, Co-Trainer des SV Curslack-Neuengamme, die zunächst auf der Bank sitzenden Corvin Behrens und Arnold Lechler herbei. Das Zeichen war klar. Der Oberligist wollte den Druck im Drittrunden-Pokalduell beim klassentieferen Rahlstedter SC (alle Highlights im LIVE-Ticker) noch einmal erhöhen. Eine Stunde war vorüber – und noch immer hieß es 0:0. Noch bevor es jedoch zum Wechsel kam und die beiden Leistungsträger der „Deichkicker“ ins Geschehen eingriffen, setzte der überaus glücklose Marco Schubring den durchstartenden Pascal El-Nemr in Szene. Dieser nahm den Ball mit der Schulter mit, profitierte vom zögerlichen Verhalten von Rahlstedt-Keeper Pascal Marquardt und schoss zum 1:0 für den Favoriten ein (61.). Der erlösende Führungstreffer, der um 22:47 Uhr keine Rede mehr wert war…

Das war die SVCN-Welt noch in Ordnung, als Pascal El-Nemr (Mi.) den Favoriten in Front schoss. Foto: Bode

Denn das, was sich in der Folge an und rund um die Scharbeutzer Straße abspielte, spottetre fast jeglicher Beschreibung. In der 72. Spielminute schickte Schiedsrichter Florian Schwarze (MSV Hamburg) beide Teams in die Kabinen. Grund für die Spielunterbrechung: Ein sich immer mehr abzeichnendes und gewaltiges Gewitter. Es goss in Strömen, auch Blitze – schon in den ersten 45 Minuten – und Donner machten sich über der Anlage breit. In jenem Augenblick traf der Unparteiische die einzig richtige Entscheidung. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Die Wetterlage besserte sich nicht, dennoch machten immer wieder kehrende „Updates“ die Runde, dass die Partie fortgesetzt werden soll. Nicht nur RSC-Coach Mohet „Mo“ Wadhwa richtete den Daumen nach oben, auch sein Stürmer Andrej Blum eilte – nachdem lange Zeit absolute Ungewissheit herrschte und die Spieler der Hausherren keinerlei Informationen erhielten – von der Kabine der Referees in Richtung Rahlstedter Umkleide, um seinen Teamkollegen nach inzwischen 34-minütiger Unterbrechung mitzuteilen: „Kommt, Männer - geht weiter!“

"In meinen Augen darf er das nicht mehr anpfeifen"

In Minute 72 erklärt Schiri Schwarze (2. v. li.) den beiden Kapitänen Witalij Wilhelm (li., SVCN) und Lukas Backe (re., RSC) den Grund für die Spielunterbrechung. Foto: Bode

Und tatsächlich. Was eigentlich keiner für möglich hielt, sollte wenig später Gewissheit werden. Nach einigen Rollen rückwärts beorderte Schiri Schwarze – nach Rücksprache mit den Mannschaften – sowohl den Landes- als auch den Oberligisten zurück auf das grüne Kunstgeläuf. Die Wetterlage: Zunächst kaum besser als zum Zeitpunkt der Unterbrechung! Sage und schreibe 45 (!) Minuten danach konnte und sollte das Leder wieder rollen. „In meinen Augen darf er das überhaupt nicht mehr anpfeifen“, verriet Wadhwa im Nachgang, dass die Absprache zwischen Gespann und beiden Teams die war, dass es beim nächsten nahenden Blitz oder Donner zum sofortigen Abbruch kommen würde. Dass dem dann auch so war, machte Schwarze aber offenbar nichts aus. „Wir hatten doch eine klare Absprache“, echauffierte sich Wadhwa am Seitenrand, dass es trotz des wiederkehrenden Aufleuchtens am Himmel weiter ging.

"Zu meinem Glück hat er wieder angepfiffen"

Rahlstedt-Schlussmann Marquardt pariert den ersten "Elfer" von Marco Schubring. Foto: Bode

„Es war genau über uns. Aber im Nachhinein kann ich sagen: Zu meinem Glück hat er es wieder angepfiffen und die Jungs haben bei dieser Schlammschlacht auf Kunstrasen bewiesen, wer das Spiel für sich entscheiden will!“ Denn der (Pokal-)Wahnsinn sollte erst seinen Lauf nehmen. „Bei uns war keine Spannung, kein Biss mehr drin“, befand Carstensen, dessen Elf fünf Zeigerumdrehungen nach Wiederaufnahme der Partie den Ausgleich schlucken musste. Nach einem Einwurf von Yannick Hess verlängerte „Joker“ Behrens den Ball unglücklich genau in den Lauf des ebenfalls eingewechselten Gerrit Betzin. Aus 14 Metern halbrechter Position nagelte der Rahlstedter Angreifer das Spielgerät mit Hilfe der Unterkante der Latte in die Maschen (78.)!

In letzter Sekunde: Artur Blum bestraft Babuschkin-Aussetzer

Konsternierte Mienen beim Favoriten aus Curslack nach dem Ausscheiden. Foto: Bode

Die Antwort der Woike-Equipe: Schnell ausgeführter Freistoß im Zentrum, Moritz Kühn mit der flachen Hereingabe von rechts und Arnold Lechler mit dem glücklichen Abschluss, der irgendwie den Weg an Pascal Marquardt vorbei ins Netz fand (82.). „Curslack hat sich nach dem Tor zum 2:1 so gefreut, als hätten sie gegen einen Bundesligisten gespielt. Das zeigt uns, dass wir Vieles richtig und taktisch sehr gut gemacht haben“, konstatierte Wadhwa, der in buchstäblich letzter Sekunde vor Freude im Kreis sprang und den Rest der noch vorhandenen Stimmfarbe verlor. Weil SVCN-Fänger Gianluca Babuschkin völlig unnötig aus seinem Gehäuse lief und damit auch Henrik Giese irritierte, kam sich das Curslack-Duo in die Quere. Der Pass von Jannes Brose rutschte irgendwie durch, Artur Blum setzte beherzt nach und schob das Runde ins verwaiste Eckige – 2:2 (90. +5)! 

Hinze sieht Rot, Marquardt wird zum Helden

Große Freude hingegen bei den Rahlstedtern Florian Rust (li.) und Eric Wieben. Foto: Bode

Das Elfmeterschießen sollte und musste eine Entscheidung bringen – aber ohne Mark Hinze, der unmittelbar nach dem Ausgleichstreffer (mal wieder) die Nerven verlor und auf Höhe der Mittellinie in Andrej Blum hineinsprang. Rot! Und dann ging’s los. Weder beim „Elfer“ von eben jenem Andrej Blum noch bei den sehr platzierten Schüssen von Martin-Felix Schröder und Florian Rust ahnte Babuschkin das richtige Eck. Ganz anders sein Gegenüber. Pascal Marquardt, über den sich Übungsleiter während des Spiels ein ums andere Mal in gewissen Situationen ärgerte, wurde zum „Helden“. Erst parierte er die „Rückgabe“ von Schubring, dann guckte er den Versuch von Behrens, der lange wartete und es dann aus dem Stand probierte, an den Pfosten. Einzig Lechler machte seine Hausaufgaben. Und so konnte Artur Blum alles klar machen, den „Underdog“ in einem unglaublichen Pokalfight ins Achtelfinale schießen – und tat dies auch! Wuchtig beförderte der „Flügelflitzer“ das Leder um 22:45 Uhr ins Rahlstedter Glück.

"Die haben die achte Luft bekommen und wollten es mehr als wir"

Pascal Marquardt ballt die Faust! Der RSC zieht ins Pokal-Achtelfinale ein. Foto: Bode

Der Jubel an der Scharbeutzer Straße kannte keine Grenzen mehr – auch dank Keeper Marquardt. „Ich habe das Gefühl, dass er manchmal so einen gewissen Arschtritt braucht. Den hat er bekommen – und jetzt hat er mich Lügen gestraft“, witzelte Wadhwa, ehe er anfügte: „Ich kenne ihn und weiß, wie ich mit ihm umgehen muss.“ Letzteres gilt auch für seine Mannschaft, die einen unheimlichen Willen und Charakter an den Tag legte und sich zu keiner Sekunde aufgab. „Wir haben die letzten drei Spiele hinten gelegen. Die Moral und Stimmung in der Mannschaft und im Verein sind überragend!“

Ganz im Gegensatz zum SVCN. Schon in der Liga lief es holprig, nun auch das Pokal-Aus. „Mit der erfahrenen Truppe darfst du niemals das 1:1 bekommen“, brachte es Co-Trainer Carstensen auf den Punkt. „Dann machst du das 2:1, hast vorne die Chance, kannst Fouls ziehen – und machst dann zu einfache Fehler. So ein Ding darfst du nicht verlieren!“ Während Chefcoach Christian Woike direkt nach Abpfiff und einigen kurzen Worten im Kreis das Weite suchte, stand sein „Co“ Rede und Antwort: „Vorne lässt du gefühlt 18 Buden liegen, das rächt sich einfach. Du darfst sie nicht am Leben lassen. Das ist enttäuschend!“ Vor allem nach der Spielunterbrechung fehlten den Gästen diverse Tugenden. Das sah auch Carstensen so: „Man hat gemerkt, dass was gefehlt hat. Die haben die achte Luft bekommen und wollten es mehr als wir!“ Seinen Elfmeterschützen machte er keine Vorwürfe. Denn: „Im Endeffekt haben sie die Verantwortung übernommen.“ Und weiter: „Wir hätten es vorher entscheiden müssen.“ Am Ende steht allerdings das Aus in der dritten Pokalrunde. Ein Schmerz, der tief sitzt. „Wir hatten eine klare interne Vereinbarung…“, wollte Carstensen abschließend aber nicht zu sehr ins Detail gehen.

"Über die gesamte Summe haben wir uns das verdient"

Ein denkwürdiger Abend an der Scharbeutzer Straße. Und ein überaus glücklicher Rahlstedt-Coach: „Ich glaube, wir haben uns das über die gesamte Summe verdient“, resümierte er – und durfte sich inmitten der letzten Wortbrocken mit angeschlagener Stimme auch von seinem Routinier Martin-Felix Schröder gebührend feiern lassen. Dieser huschte vorbei und tönte ein lautstarkes und mehrfaches „Meistertrainer!“ an. Meisterlich war an jenem Freitagabend die Leistung des Landesligisten!

Der entscheidende Elfmeter von Artur Blum zum Sieg

Der Rahlstedter SC feiert die Pokal-Überraschung

Das komplette Elfmeterschießen aus Sicht des Rahlstedter SC von der Ersatzbank. Video: privat

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