LL Hammonia

Barthel: „Ab und zu fehlt der Dirksen- oder Vollmer-Typ auf dem Platz“

HR-Coach Heiko Barthel möchte mit seinem Team "oben mitspielen", sieht "HEBC und Harksheide" aber in gewissen Punkten noch abgezockter. Foto: KBS-Picture.de

In der Vorsaison ging es am Lütten Hall zwischenzeitlich ziemlich hoch her. So sehr, dass man während der Spielzeit einen „Cut“ machte, sich von einigen Akteuren trennte, andere Spieler wiederum suchten aus eigenen Stücken das Weite. Am Ende war man mehr oder minder froh, als das turbulente Jahr vorbei war – und das mit dem siebten Rang im Hammonia-Tableau. Eine Platzierung, die den eigenen Erwartungen nicht unbedingt Genüge tun konnte. Das soll sich nun wieder ändern. „Wir möchten oben mitspielen“, macht Trainer Heiko Barthel keinen Hehl aus den Zielen, sieht die Konkurrenz zum jetzigen Zeitpunkt in einigen Aspekten aber noch abgezockter aufgestellt… 

"Abwehrchef" Sebastian Krabbes fehlt mit seiner Erfahrung verletzungsbedingt an allen Ecken. Foto: KBS-Picture.de

Die Partie am vergangenen Wochenende gegen die U23 des Niendorfer TSV war für Barthel das beste Beispiel: Sein Team führte mit 2:0, schien alles im Griff und unter Kontrolle zu haben, verpasste es jedoch, den dritten Treffer nachzulegen und die endgültige Entscheidung herbeizuführen. „Dann wäre Ruhe im Karton gewesen und man hätte dem Gegner den Zahn gezogen“, so Barthel, der sich sicher ist: „HEBC, TuRa oder auch Mannschaften wie Paloma und der HSV III im letzten Jahr hätten das Dritte nachgelegt. Wir bleiben wackelig in unserem Gebilde.“ Dabei betont der HR-Dompteur: „Wir haben kein Qualitätsproblem.“ Das Problem sei viel eher: „Wenn wir in ein Spiel gehen und meinen, alles spielerisch zu können und zu wollen oder man sich nur mit der Frage beschäftigt, wie hoch man heute gewinnt, dann wird es nicht langen! Wir müssen es in der Birne und als Mannschaft annehmen.“ Denn sein Team sei „nicht so aufgestellt, dass wir einen Spieler haben, der alles entscheidet. Bei uns muss die Basis stimmen.“

"Dürfen nicht von der Basis abkommen"

Womit der gerade 45 Jahre jung gewordene Übungsleiter auf die Einstellung anspricht. „Wenn die Basis stimmt, wir als Team zusammenstehen, auch wenn es mal wehtun kann und wir dann aber trotzdem immer weitermachen, dann haben wir eine ungemeine Qualität. Wenn wir die Basis aber nicht haben, dann kommt der Gegner, foult dich, provoziert dich mal ein wenig – und schon fangen wir an, dass wir von unserem Spiel abkommen und uns auf dieses Gelaber einlassen.“ Dies sei vor allem auf die fehlende Erfahrung zurückzuführen, wie Barthel meint: „Wir sind nicht so zusammengestellt, wie im letzten Jahr der HSV III oder Paloma, sondern einfach jung.“ Insbesondere dann, wenn „Leader“ wie Sebastian Krabbes dem Team verletzungsbedingt fehlen – so wie in Niendorf.

"Wenn ich mit den Jungs in die Halle gehe, wird mir schwindelig"

Ein Typ wie Tim Vollmer (li.) würde seinem Team gut zu Gesicht stehen, so Barthel. Foto: KBS-Picture.de

„Warum ist Wedel letztes Jahr nicht aus der Oberliga abgestiegen?“, wirft Barthel einen Vergleich in Raum – und entgegnet dann: „Richtig. Man hatte Spieler wie Vollmer, Dirksen oder Richert. Da ging’s dann immer rauf mit Gebrüll – und es hat einfach gepasst. Solche Spieler haben wir aber nicht. Wir haben Jungs, die zum Teil schon Oberliga gespielt haben, alles am Ball können und wenn ich mit denen in die Halle gehe, da wird mir schwindelig. Da kassiere ich zehn Tunnler und zahle nur Kohle. Aber das bringt dir keine Punkte! Ab und zu fehlt der Dirksen- oder Vollmer-Typ auf dem Platz, der einfach mal sagt: ‚Der Trainer erzählt totalen Blödsinn, jetzt machen wir das mal so, wie ich das sage.‘“ Ein Typ, „an dem sie sich orientieren können, wenn es mal nicht läuft“. In diesem Punkt sieht Barthel „HEBC und Harksheide vom Charakter her noch einen Schritt weiter. Spielerisch sind wir auf Augenhöhe. Ich würde sogar behaupten, dass es in der Landesliga nicht viele Mannschaften gibt, die auf Kunstrasen so Fußball spielen wie wir.“

"Dann werden die uns auffressen"

Marschiert mit seiner Erfahrung als Kapitän und Leistungsträger derzeit vornweg: Marcel Schöttke. Foto: KBS-Picture.de

Auch die „Ineffizienz“ habe einen Teil dazu beigetragen, dass „wir schon fünf Punkte Rückstand haben“, so Barthel. „Das ist ein Prozess – und da sind wir mittendrin.“ Gegen Niendorf habe das – vor allem in der ersten Halbzeit – schon „gut ausgesehen, aber es kann in zwei, drei Wochen schon wieder einen Rückfall geben. Das ist eine Sache, die wachsen muss.“ Auch deshalb will Barthel das Wort „Titelkandidat“ (noch) nicht in den Mund nehmen. „Wenn wir es schaffen, jetzt weiter keine Punkte liegenzulassen und uns da oben zu etablieren, dann würden wir gerne vorne mit reinhalten. Alles andere wäre ja Blödsinn bei dreimal Training in der Woche. Ich kenne aber meine ‚Pappenheimer‘“, witzelt er – und erklärt: „Die Ansage vor der Saison war: Wir wollen erfolgreicher sein als letztes Jahr. Was das Spielerische angeht, sind wir auf jeden Fall schon einen Schritt weiter. Aber wenn wir versuchen, gegen HEBC Fußball zu spielen, die uns mit Gebrüll anrennen, wir erstarren, kommen nicht mehr raus und piken die Bälle nur noch weg, dann werden die uns auffressen.“

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