Oberliga

Auch „Dino“ fährt an der B75 seine Krallen aus: Meiendorf landet nächsten Transfercoup!

Edin Tanovic (re.) ist der zweite namhafte Neuzugang, den Meiendorfs neuer Sportlicher Leiter, Mustafa Ercetin (li.), an Land gezogen hat. Foto: privat

Mit seinem durchaus überraschenden und zugleich kurzfristigen Wechsel von Concordia Hamburg zum damals als Abstiegskandidaten eingestuften Meiendorfer SV hat Mustafa Ercetin im vergangenen Sommer eine kleine „Lawine“ ins Rollen gebracht. Eine Sogwirkung, deren Ausmaß erst jetzt so richtig zum Tragen kommt. „Er hat in der letzten Saison gezeigt: Wenn du selbst einen Tunnelblick hast, kannst du eine Mannschaft mitziehen. Obwohl es für den Verein sportlich nicht so gut lief, hat er sein Ding gemacht und durchgezogen“, sagt Edin Tanovic.

Edin Tanovic packt seine "linke Klebe" aus - künftig tut er dies für den Meiendorfer SV in der Oberliga. Foto: noveski.com

Der 24-Jährige, der in seiner ersten Herrensaison beim TSV Sasel für derart große Furore sorgte, dass Regionalligist FC St. Pauli II auf ihn aufmerksam wurde und unter Vertrag nahm, ist nämlich der zweite Spieler nach Necati Agdan (Concordia Hamburg), den Ercetin in seiner neuen Funktion als Spieler und Sportlicher Leiter zum Meiendorfer SV lotst! Ein echter Transferkracher für die Mannen von der B75 – denn Tanovic bringt nicht nur die Erfahrung von 13 Einsätzen für die „Kiezkicherchen“ mit, sondern hat auch schon 81 Oberliga-Partien für den TSV Sasel, die TuS Dassendorf und Cordi auf dem Buckel! 


Umso überraschender, dass sich „Dino“ nun dem MSV anschließt. Oder doch nicht? „Ich fand die Entscheidung gar nicht so schwer“, erläutert Tanovic uns gegenüber – und nennt das Beispiel von Mustafa Ercetin: „Als er von Concordia zu Meiendorf gewechselt ist, hat er dies nicht getan, weil dort ein Freund von ihm gespielt hat. Zu der Zeit haben sicher viele Leute gedacht: ‚Warum wechselt er von Cordi zu Meiendorf?‘ Er hat ein gewisses Risiko in Kauf genommen – und durch Leistung überzeugt.“ 

„Ich habe mein persönliches Ziel erreicht“

An der Seite von Mustafa Ercetin (li.) unterzeichnet Tanovic sein neues Arbeitspapier. Foto: privat

Nun sei es so, dass man sich beim MSV „personell noch besser aufgestellt hat – und ich denke nicht, dass ich jetzt schief angeguckt werde, weil ich dorthin gehe.“ Vielmehr ist Tanovic der Überzeugung, dass Meiendorf in der kommenden Saison mit den Verstärkungen eine positive Überraschung darstellen könne. Allerdings macht er auch keinen Hehl daraus, dass er „grundsätzlich ziemlich glücklich bei Cordi“ war, wie er uns verrät. „Es lief soweit alles gut und ich habe mein gesetztes Ziel, dass wir oben mit angreifen, erreicht.“ 


Als jedoch das Thema Regionalliga aufkam, machte er sich zwangsläufig Gedanken über seine sportliche Zukunft. Der Grund: „In der aktuellen Situation ist es für mich mit dem Zeitaufwand nicht darstellbar. Hinzu kommt, dass es fraglich ist, wann das neue und angedachte Stadion wirklich fertig ist – und der aktuelle Kunstrasen nicht der allerbeste ist, um dort fünf- oder sechsmal die Woche zu trainieren. Das könnte ich auch arbeitstechnisch gar nicht stemmen“, so Tanovic, der in diesem Jahr einen leichten Bandscheibenvorfall erlitt. Eine Folge des Kunstrasens?

„Musti ist der entscheidende Faktor“

Auch für die "übermächtige" TuS Dassendorf war Tanovic in der Oberliga schon am Ball. Foto:KBS-Picture.de

Der Linksfuß gesteht ganz offen, dass er sich bei einem sicheren Verbleib in der Oberliga durchaus hätte vorstellen können, bei Cordi zu bleiben, „aber das zieht sich ja alles gerade so sehr in die Länge, dass ich jetzt die Entscheidung getroffen habe – auch um für mich und den Verein Planungssicherheit zu haben.“ Und warum wurde es dann Meiendorf? „In erster Linie ist es so, dass dort zwei, drei meiner besten Freunde hingehen. Auch mit Mustafa Ercetin verstehe ich mich sehr gut. Er ist der entscheidende Faktor“, gibt Tanovic unumwunden zu – und fügt an: „Er hat vor einiger Zeit mit seinem Wechsel gezeigt, dass Mut belohnt. Durch ihn ist der Wechsel zustande gekommen und ich glaube, wenn er nicht da gewesen wäre, wäre es auch nicht dazu gekommen.“

„Wollen nicht in Hochmut verfallen, aber auch nicht gegen den Abstieg spielen“

Seinen Wechsel an die B75 sieht der ehemalige Jugendspieler von Holstein Kiel dementsprechend auch keinesfalls als Rückschritt, sondern als sportliche Herausforderung an: „Ich möchte dort eigentlich etwas Ähnliches wie bei Cordi erreichen“, lässt er uns wissen – und präzisiert: „Cordi hatte die letzten Jahre immer eine gute Mannschaft, die aber auf einem Tabellenplatz stand, wo sich nicht hätte stehen dürfen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen, dass sich das ändert und die Mannschaft dort steht, wo sie auch hingehört. Ich denke, das haben wir geschafft – auch wenn es nur wenige Spiele waren. Dieses Ziel habe ich auch mit Meiendorf.“ 

Ein Jahr lang schnürte Tanovic (re.) - hier gegen den heutigen HSV-Profi Bakery Jatta - auch die Stiefel für den FC St. Pauli II in der Regionalliga. Foto: KBS-Picture.de

Und dabei redet Tanovic nicht von irgendwelchen Regionalliga-Ambitionen wie am Bekkamp, sondern von anderweitigen Zielen: „Ich denke, der Verein hat in den letzten Jahren – auch aufgrund großer Verletzungssorgen – unter seinen Möglichkeiten gespielt. Wenn man noch zwei, drei Spieler holt, die richtig Bock und Potenzial haben, dann glaube ich nicht, dass Meiendorf ein Abstiegskandidat ist. Wir wollen nicht in Hochmut verfallen, aber auch nicht mehr gegen den Abstieg spielen müssen“, hofft er, mit seinem neuen Team einen „einstelligen Tabellenplatz“ erreichen zu können.

„Ich will immer gewinnen – und dafür gebe ich alles!“

Vergleichbar sei die Situation mit seiner damaligen Entscheidung, von Serienmeister TuS Dassendorf zu Concordia zu wechseln. Nun möchte er seinen Teil dazu beitragen, dass der Meiendorfer SV einen kleinen Höhenflug erlebt. Und eines ist klar: Motivation und Vorfreude sind bei Tanovic schon jetzt „riesengroß“, brennt er förmlich auf die neue Aufgabe.

Beim TSV Sasel schaffte Edin Tanovic einst seinen Durchbruch. Foto: KBS-Picture.de

„Ich weiß, dass ich manchmal auch neben dem Platz viel Kopf für andere Sachen habe - ob für die Arbeit, die Familie oder sonst was. Aber ich bin auch ein Typ, der zu 100 Prozent gewinnen will – und dafür gebe ich wirklich alles!“ Mit seinen neuen Teamkameraden möchte er in der Meiendorfer Flens-Arena künftig dafür sorgen, „dass die Leute ins Stadion kommen, Meiendorf gucken – und dann nicht mehr sagen: ‚Die spielen ja schon wieder gegen den Abstieg.‘ Die Zuschauer sollen wieder richtig viel Spaß haben!“ Auch dank eines starken Edin Tanovic.

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