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Atamimi schwärmt von Hürzeler: „Dieser Junge wird es zu 100 Prozent packen!“

Fabian Hürzeler als Spieler und Kapitän des ETV. Inzwischen ist er Chefcoach beim Zweitligisten FC St. Pauli. Foto: noveski.com

Am Tag vor Heiligabend - genauer gesagt: am 23. Dezember 2022 um 12:15 Uhr - trudelte die Pressemitteilung mit der endgültigen Bestätigung ein: „FC St. Pauli macht Fabian Hürzeler zum Cheftrainer!“ Der bisherige Co-Trainer trat damit auch ganz offiziell die Nachfolge von Timo Schultz und Loïc Favé an. Vom Chef- und Co-Trainer hatte sich der Verein am Nikolaustag getrennt, so dass Hürzeler zunächst interimsweise übernahm. Nun aber ist der 29-Jährige der jüngste Chefcoach in den drei deutschen Profi-Ligen!

Fabian Hürzeler (li.) bei der Präsentation als neuer Cheftrainer des FC St. Pauli an der Seite von Sportchef Andreas Bornemann. Foto: FCSP

In der Vereins-Meldung betonte Sportchef Andreas Bornemann, dass „dies die optimale Besetzung sei, um neue Impulse zu setzen, ohne wertvolle Zeit in der Vorbereitung zu verlieren“. Hürzeler ist bereits seit August 2020 beim FC St. Pauli und habe „in seiner Zeit als Co-Trainer und Interims-Cheftrainer gezeigt, dass er sehr strukturiert die Herausforderungen anpackt und konkrete Lösungen anbietet“, so Bornemann. „Wir haben verschiedene Optionen geprüft und sind der Überzeugung, dass Fabian in dieser Situation die optimale Besetzung für uns ist.“ Es sei in der derzeitigen Lage wichtig, dem Team neue Impulse, klare Abläufe und Handlungsmöglichkeiten zu geben, um eine Balance zwischen defensiver Stabilität und effektiver Offensive auf den Platz zu erreichen.

Hürzeler schon früh als Trainer erfolgreich

Mit dem ETV schaffte Hürzeler (li.) den Oberliga-Aufstieg. Foto: noveski.com

Hürzeler selbst dankte dem Verein für das Vertrauen und sprach von einer großartigen Aufgabe. „Es ist ein Privileg hier arbeiten zu können.“ Das habe er schon als Co-Trainer so gesehen – und das gelte für die gesamte Mannschaft und das Funktionsteam. „Ich habe riesige Lust auf die Arbeit und bin davon überzeugt, dass wir mit Geschlossenheit und Intensität wieder erfolgreich sein werden.“ Gleichzeitig lobte Hürzeler die Mannschaft für ihren Einsatz. „Alle ziehen super mit und zeigen, dass sie es besser machen wollen. Wir sehen die Vorbereitungszeit als Chance, klare Abläufe auf dem Platz zu trainieren.“

Mit klarer Struktur will Hürzeler seinen Weg konsequent weitergehen. Ein Weg, der schon früh begonnen hat. Als Spielertrainer führte der in Houston/Texas geborene Coach den bayerischen Club FC Pipinsried zweimal in die Regionalliga, er war beim DFB Co-Trainer der U18 und U20 - und nach seiner Ankunft in der Hansestadt bis zuletzt beim Eimsbütteler TV als Spieler aktiv. Mit dem Traditionsverein, der für eine großartige und nachhaltige Jugendarbeit bekannt ist, schaffte „Fabi“ in der vergangenen Saison den Aufstieg in Hamburgs höchste Spielklasse. In der aktuellen Saison kam er verletzungsbedingt noch nicht zum Einsatz.

Gemeinsame WG - "Daraus ist eine brüderliche Freundschaft entstanden"

ETV-Coach Khalid Atamimi schwärmt in den allerhöchsten Tönen von Fabian Hürzeler und traut ihm die Aufgabe beim FC St. Pauli zu. Foto: noveski.com

Und daraus wird nun vermutlich auch erstmal nichts mehr werden. „Wir haben gemeinsam entschieden, dass er sich zu 100 Prozent auf die neue Aufgabe konzentriert und fokussiert - zumal er auch noch seinen Fußballlehrer macht“, sagt ETV-Trainer Khalid Atamimi. Derjenige, der Hürzeler zuletzt gecoacht hat. Nicht nur das. Als der in der Jugend für den FC Bayern und später dann auch für die Zweite Mannschaft des Rekordmeisters aktive Hürzeler in die Hansestadt kam, wohnte er sogar mit Atamimi zusammen. 


„Daraus ist eine brüderliche Freundschaft entstanden“, verrät der 31-Jährige auf Nachfrage, ehe er in Bezug auf seinen „Spieler“ Hürzeler anfügt: „Mal gucken, ob er nochmal für uns aktiv sein wird. Das Allerwichtigste ist aber, dass sein Fokus jetzt komplett auf den FC St. Pauli liegen wird. Ich habe ihm auch gesagt, dass er jetzt erstmal dort durchstarten und versuchen soll, das Maximum rauszuholen und zu erreichen. Wenn irgendwann die Möglichkeit bestehen sollten, dass er nochmal für uns spielt, wäre das natürlich mega!“, lässt Atamimi ein kleines Hintertürchen auf.

"Fabi wird immer ein Teil von uns sein"

Die Spielerkarriere des jüngsten Chefcoaches der drei deutschen Profi-Ligen dürfte damit (vorerst) beendet sein. Foto: noveski.com

Fakt sei jedenfalls: „Fabi ist ein Teil der Gruppe und die Jungs haben sich mega für ihn gefreut. Das ganze Team, der ganze Verein - wir wünschen ihm nur das Allerbeste! Und er wird immer ein Teil von uns sein - auch wenn er jetzt nicht mehr regelmäßig da ist. Ob er ab und zu mal vorbeischaut, um für sich zu trainieren oder ein bisschen abzuschalten - all das kann man jetzt noch nicht einschätzen.“ Sicher sei nur: „Der ETV und insbesondere auch ich werde immer für ihn da sein - ganz egal, was ist!“

Fast zweieinhalb Jahre lang kickte Hürzeler - neben seiner Tätigkeit als „Co“ bei den Kiezkickern - für den Oberliga-Dritten. Doch nicht nur sportlich, vor allem auch menschlich hat Atamimi den neuen St. Pauli-Chef schätzen gelernt: „Ich traue ‚Fabi‘ diese Aufgabe zu 100 Prozent zu! Ganz unabhängig von seinem Alter, sondern einfach aufgrund seines Charakters - sowohl auf als auch abseits des Platzes. Aber auch aufgrund seines ‚Know-hows‘ wird er ein großer Trainer werden, weil er mit seiner Art und Weise alle catchen kann. Ich habe selten so etwas gesehen“, schwärmt Atamimi - und führt fort: „Er hat einfach immer diesen Willen, Spieler voranbringen zu wollen. Für ihn steht neben dem Erfolg vor allem die Entwicklung im Vordergrund. Er versucht immer, den Spielern die Lust zu vermitteln, damit sie den Plan, den er vorgibt und vorlebt, bestmöglich umsetzen.“

"Von meiner Seite hat er das allergrößte Vertrauen"

Für seine neue Aufgabe wünscht Khalid Atamimi seinem ehemaligen Wohn-Partner "nur das Allerbeste". Foto: noveski.com

Auch in seiner Zeit als Spieler am Lokstedter Steindamm habe man „genau gesehen, dass er immer eine Spielidee hatte, wenn er auf dem Platz war. Er konnte das Spiel einfach lesen. Alles hatte Hand und Fuß, was er gemacht hat“, lobhudelt Atamimi seinen ehemaligen Mitbewohner. „Für ihn freut es mich riesig, dass er diese große Herausforderung bekommen und angenommen hat. Von meiner Seite hat er das allergrößte Vertrauen, was man nur haben kann. Dieser Junge wird es zu 100 Prozent packen! Ich wünsche ihm nur das Allerbeste und traue es ihm zu, diesen riesengroßen Kult-Verein mit einer großen Verantwortung zu führen.“