Bezirksliga 06

Scheidender Falke-Sportchef Dobirr im Interview: „Die Entscheidung kam nicht überraschend“

Was würde es dir/euch bedeuten, mit einem Landesliga-Aufstieg abzutreten?

Philipp Hinze hat den HFC Falke berufsbedingt in Richtung Leipzig verlassen. Foto: noveski.com

Dobirr: „Das wäre natürlich das Nonplusultra! Wir sind ja grundsätzlich mit dem Ziel angetreten, so schnell wie möglich hochzukommen. Seit ein paar Jahren treten wir jetzt in der Bezirksliga so ein bisschen auf der Stelle. Das hat alles seine Gründe. Auch wir haben sicherlich einen Teil dazu beigetragen, dass es bisher nicht geklappt hat. Aber so alt wir irgendwann in unseren Positionen als Spieler sind und waren, so jung sind wir jetzt in unserer neuen Funktion. Wir haben – insbesondere in den letzten drei, vier Jahren – auch nicht alles richtig gemacht. Insofern müssen wir uns auch ein Stück weit den Schuh anziehen. Deshalb wäre es natürlich umso geiler, wenn man am Ende des Tages die Position mit dem Landesliga-Aufstieg räumt. Dann kann man sehr guten Gewissens in den Spiegel gucken.“

Und wenn es nicht klappen würde?

Dobirr: „Die sportliche Bilanz würde schon etwas betrübter ausfallen, wenn wir es nicht schaffen sollten. Aber wir haben es aufgrund unseres ‚goldenen Oktobers‘ auch nur noch bedingt in der Hand. Ich hoffe, dass das jetzt in der Truppe nochmal etwas bewirkt und die Jungs sich ein Stück weit das Bein ausreißen, um ‚Helle‘ den Abschied so zu gestalten, wie er es verdient hat.“

Du hast diesen Oktober schon angesprochen. Zu Saisonbeginn habt ihr alles gewonnen – und dann kamen diese zum Teil heftigen Niederlagen, die sich auch nicht wirklich angedeutet haben. Hast du irgendeine eine Erklärung dafür?

Dobirr: „Den einen Grund gibt es sicherlich nicht. Wenn ich es aber auf irgendetwas runterbrechen müsste, dann wären es die 20 Minuten gegen GWE, als wir völlig auseinandergefallen sind und fünf Gegentore bekommen haben – aus dem Nichts. Wir waren vorher defensiv total stabil, sind mit vollem Selbstvertrauen dorthin gefahren – und dann gehen wir da so unter. Es ist überhaupt nicht despektierlich gemeint: Aber das ist ein Gegner, den du schlagen musst, wenn du das Ziel verfolgst, aufsteigen zu wollen. Ich kann mich nicht daran erinnern, mal acht Gegentore bekommen zu haben. Das muss irgendwann mal in den 90er-Jahren gewesen sein gegen Norderstedt. Das darf einfach nicht passieren!“

Was hat das mit euch gemacht?

Dobirr tendiert dazu, dass der HFC spätestens im Februar einen neuen Cheftrainer und Sportchef präsentieren kann. Foto: KBS-Picture.de

Dobirr: „Das war so eine Situation, die uns völlig durchgeschüttelt und Spuren hinterlassen hat. Das hat man dann auch in den darauffolgenden Wochen gemerkt, dass wir uns davon nur schwer erholt haben – auch im Trainingsbetrieb. Das Selbstvertrauen bei unserer Offensivabteilung war weg, die Selbstverständlichkeit und Stabilität in der Defensive waren auch nicht mehr da. Eine ganz merkwürdige Situation. Gegen St. Pauli III (1:2, Anm. d. Red.) fehlte dann ein Stück weit das Matchglück, dass man dann in so einer Phase auch braucht und vielleicht aus dem Nichts mal etwas klappt. Der Schritt aus dem Sumpf raus war das Spiel gegen Lurup (2:2), als wir zwar auch nicht geglänzt haben, aber man zumindest gesehen hat, dass die Truppe auch kratzen, beißen und kämpfen kann. Das war ein wichtiges Zeichen. Nach den kommenden beiden Spielen wissen wir, ob wir in der Winterpause nur noch Bowlen gehen können – oder ob es noch was zu holen gibt.“

Ihr geht ja offen mit euren Zielen um. Auch die Spieler, die zum HFC Falke wechseln, wissen, dass sie nicht kommen, um am Ende um die ‚goldene Ananas‘ zu spielen. Was erwartest du von den Jungs im restlichen Saisonverlauf?

Dobirr: „Ich hätte es sowieso und ohnehin erwartet, dass wir das Ziel haben, aufzusteigen in dieser Saison. Das erwarten die Jungs von uns auch, die Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen und zu schaffen, die es uns überhaupt ermöglichen, hochzugehen. Da erwarte ich jetzt, weil die Rahmenbedingungen eben so sind, wie sie sind, und die sind Landesliga-reif, dass die Spieler dem auch gerecht werden. Das war bisher teilweise und nur bedingt so, wenn man sich auch mal die Trainingsarbeit beim einen oder anderen Spieler anschaut. Insbesondere jetzt mit dem Umstand, dass unser langjähriger und erfolgreicher Chefcoach uns verlässt und viele Spieler ein gutes sowie enges Verhältnis zu ihm haben, hoffe ich umso mehr, dass ein paar Prozent mehr rausgekitzelt werden. Aber wir brauchen auch nicht Drumherum reden: Die nächsten beiden Spiele gegen Alsterbrüder und bei Teutonia 05 II werden entscheidend sein. Wenn wir die nicht erfolgreich gestalten – und ich rede nicht davon, dass wir sechs Punkte holen müssen, aber vier sollten es schon sein –, dann muss wirklich sehr viel passieren in der Rückrunde.“

Ihr musstet aber gerade auch noch einen herben Abgang schlucken. Und zwar hat Philipp Hinze euch verlassen. Wie sehr schmerzt der Abgang – und wie wollt oder könnt ihr den kompensieren?

Der an der Seite von Hellmann gleichberechtigte Sebastian Stoffers (re.) ist erster Ansprechpartner der Verantwortlichen. Foto: KBS-Picture.de

Dobirr: „Das ist extrem schmerzlich! Bevor wir Philipp zu uns geholt haben, hatte ich mich bei meinem ehemaligen Mitspieler ‚Basti‘ Loether (Trainer Niendorfer TSV II) über ihn informiert – und er war voll des Lobes. Philipp ist nicht nur ein richtig guter Typ und ein super Kerl, zu dem ich schon in der kurzen Zeit ein enges Verhältnis aufgebaut habe, sondern auch ein absoluter Fußball-Fachmann. Nicht umsonst ist er ja auch als Trainer bei Paloma in der Jugend tätig. Er hat ein gutes Auge und auch keine Scheu davor, etwas offen zu äußern. Rein sportlich bringt er einfach schon physisch etwas mit. Zudem ist er als Innenverteidiger Linksfuß – das allein ist ja schon Gold wert. Das ist so für uns nicht zu ersetzen. Zumal mit Kevin Neumann ein weiterer Innenverteidiger noch länger ausfallen wird. Und wenn es dann schon so weit ist, dass ich nochmal Spiele machen muss, dann ist das sicherlich nicht die Situation, die man eigentlich haben wollte. Insofern ist das nicht zu kompensieren. Aber: Die Chance, die er bekommen hat, für Sky Sport in Leipzig tätig zu sein, ist natürlich mega! Den Schritt musste er machen, dafür haben wir vollstes Verständnis.“

Dann musst du die Mannschaft nicht nur abseits des Platzes, sondern auch wieder auf dem Rasen zum Aufstieg führen...

Dobirr: „(lacht)... Aktuell halten die Knochen und es macht auch Spaß. Diese Saison ziehe ich jetzt noch durch. Es sei denn, es passiert im Winter personell nochmal etwas. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass uns da noch zwei Granaten-Innenverteidiger zulaufen. Und wir werden nicht etwas machen, nur um etwas zu machen. Aber wenn sich da im Winter noch irgendwas ergeben würde, würden wir sicherlich nicht ‚Nein‘ sagen. Allerdings muss man da mal abwarten und gucken.“

Kommen wir nochmal zurück zur Trainer-Personalie. Wie ist da nun das weitere Vorgehen?

Der Traum des HFC Falke lebt weiter... Foto: noveski.com

Dobirr: „Wir haben ja aktuell mit Basti Stoffers noch einen gleichberechtigten Cheftrainer, mit Nicky Rode eine Co-Trainerin und mit Michael Schlechtweg einen Torwart-Trainer. Mir ist wichtig, zu betonen und hervorzuheben, dass das unsere ersten Ansprechpartner sind! Da gilt es nun, zu erörtern, wie die sich das zukünftig vorstellen. Wir wollen natürlich mit allen weitermachen – in welchen Funktionen auch immer. Das wird man jetzt besprechen. Und erst dann würden wir, darauf ausgelegt, die nächsten Gespräche führen.“

Habt ihr euch intern denn eine „Deadline“ gesetzt, bis wann ihr auf beiden Positionen einen Nachfolger haben und präsentieren wollt?

Dobirr: „Nein. Wir sagen jetzt nicht, dass das bis zum 31. Januar feststehen muss – und wenn das nicht der Fall ist, dann melden wir ab. Das wäre ja Quatsch. Aber unser Ziel ist, dass wir Ende Januar/Anfang Februar Klarheit haben, um dann auch mit den neuen Verantwortlichen die Gespräche für und über die nächste Saison führen zu können. Denn es ist natürlich essenziell wichtig für einen Spieler, zu wissen, wer der Trainer im nächsten Jahr sein wird. In die Gespräche mit den Spielern zu gehen, ohne zu wissen, wer auf der Position tätig sein wird, würde die Sache nur unnötig verkomplizieren.“

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