Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Altbekanntes Leid, unterschiedliche Leitmotive und eine gute Senats-Entscheidung

Manchmal tut es gut, wenn bisherige „Leader“ weg sind und andere in die Bresche springen müssen

Trotz der Niederlage zuletzt gegen BU spielt Hamm United in dieser Saison unter Trainer Sidnei Marschall überraschend erfolgreich. Foto: Bode

Damit aber nun weg von Inzidenzwerten, zu Indizien, die einen Erfolg ausmachen oder antreiben können: Der USC Paloma und Hamm United (trotz der jüngsten Niederlage gegen BU) spielen in dieser Saison einen bislang erfolgreichen Fußball – und das, wo die Leitmotive, die die beiden Vereine bei ihrer Kaderplanung hatten, unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der HUFC, der einen rasanten Umbruch vollzogen hat und sich von arrivierten Kräften wie Alessandro Schirosi, Raffael Kamalow, Marcel Schwarck, Jan Landau, Samuel Graudenz trennte. Drüben der USC Paloma, der in seinem Team auf Kontinuität setzte und nur an einigen wenigen Stellschrauben drehte. Betrachtet man bei United auch noch das Drumherum, das Coach Sidnei Marschall bei uns in der vergangenen Woche thematisierte, muss man schon einige imaginäre Hüte ziehen, wie es das Team geschafft hat, so weit oben im Klassement zu stehen. Die Trennung von besagten Kickern war  – auch, wenn es sich bei allen um veritable Fußballer handelt – der richtige Schritt. Manchmal muss man Strukturen aufbrechen, um neuen Entwicklungen Tür und Tor zu bieten. Manchmal tut es einem Mannschaftsgefüge gut, wenn bisherige „Leader“ auf einmal weg sind und andere gezwungen sind, in die Bresche zu springen. Manch einer hat sich im Laufe der Jahre abgenutzt und ein Tapentenwechsel ist da dann genau das richtige. 

Eine Entwicklung, die auf Homogenität, Kontinuität, Zusammenhalt und Lerneffekte zurückzuführen ist

Darf zurecht Beifall für sein Team spenden: Paloma-Trainer Steffen Harms. Foto: Bode

Das Gegenbeispiel: der USC Paloma. Bei den „Tauben“ ist die Truppe im Gros zusammengeblieben. Der Vorteil: Die Equipe von Coach Steffen Harms konnte über die letzten Jahre kontinuierlich zusammenwachsen. Ein fester Kern ist vorhanden, aus ihm konnte sich ein vernünftiges Mannschaftsgefüge entwickeln. Auf diesem gesunden Fundament kann man nun aufbauen – und profitiert davon. Nur wenige Neuzugänge müssen integriert werden – ein Umstand, der in einem so homogenen Kader weniger ins Gewicht fällt, als in einer Mannschaft, in der Strukturen erst noch geschaffen werden müssen. Paloma hat – ebenso wie Hamm, wo man gezielt und aufgrund des vorhandenen Budgets nicht mehr auf die ganz großen Namen, sondern entwicklungsfähige Spieler mit Talent setzt – bei den personellen Entscheidungen im Sommer vieles richtig gemacht. Die Neuen, beispielsweise Keeper Thor-Arne Höfs, Jassin Zabihi oder Dennis Thiessen, scheinen die richtigen Puzzleteile zu sein – auch, wenn der vierte Platz derzeit nur eine Momentaufnahme ist. Aber: Das, was Steffen Harms nach dem 3:1-Sieg gegen Curslack nach dem zwischenzeitlichen 1:1 sagte („Mein Team hat viel gelernt, inzwischen stecken wir solche Rückschläge weg“), stimmt: Früher kippte der USC oftmals um, nachdem es anfangs gut lief. Inzwischen ist man standhafter. Eine Entwicklung, die auf Homogenität, Kontinuität Zusammenhalt und Lerneffekte zurückzuführen ist. Kurzum: Sowohl an der Brucknerstraße als auch im Hammer Park hat man vieles richtig gemacht – egal, wie die Saison endet.


Jan Knötzsch 

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