Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Die Frage nach Verantwortung und langfristiger Entwicklung

Der nächste Trainer-Griff muss langfristig sitzen, die Konkurrenz schläft schließlich nicht

Kein ETV-Trainer mehr: Simon Hatje (li.). Foto: privat

Weg ist auch Simon Hatje. Im März 2020 hatte der Eimsbütteler TV den jungen Mann als denjenigen vermeldet, der im Sommer als Nachfolger von Dennis Mitteregger das Traineramt am Lokstedter Steindamm übernehmen und den ETV nach Möglichkeit zu dem Erfolg zu führen, der da „Aufstieg in die Oberliga“ heißt. Nun hat Hatje am Freitag den Verein und die Mannschaft davon in Kenntnis gesetzt, dass er aus beruflichen Gründen seine Aufgabe nicht forführen könne und wolle. Eine Entscheidung, die man so respektieren muss. Der Zeitpunkt für die diese Entscheidung, die Hatje selbst als „unkonventionell“ bezeichnet, ist für den Verein allerdngs katastrophal. So wie er es bei jedem anderen Club auch wäre, wenn der Coach kurz vor dem Saisonstart feststellt, dass es für ihn – aus welchen Gründen auch immer – nicht weitergeht. Denn: Der Kader ist (nahezu komplett) geplant – basierend auf dem, was der Coach an Spielermaterial haben wollte. Spielidee und -system sind so weit auserkoren und eingeübt. Mal mehr, mal weniger gut. Interimswiese Personen, die eigentlich andere Aufgabenfelder zu beackern haben, auf dem Trainerstuhl platzieren und bis hier hin umgesetzte fußballerische Ideen vielleicht über den Haufen werfen zu müssen, wenn auf lange Zeit gesehen ein neuer Trainer kommt – man muss nun wahrlich kein Prophet sein, um zu wissen, dass solche Komplikationn im schlimmesten Fall die gesetzten Ziele erst einmal in Frage stellen und die auftretenden Probleme manchmal am Ende das große Hemmnis sind, das man nicht brauchen kann. Jeder, der sich im Fußball auskennt, weiß, wovon die Rede ist.

Stichwort neue Trainer: So ungern man dies beim ETV vernehmen wird, so deutlich muss man sagen, dass der Club, der in seinem Nachwuchs-Bereich offenbar seit langem die richtigen Entscheidungen fällt und die daraus resultierenden Erfolge feiern darf, was die Liga-Mannschaft angeht, an genau dieser Stelle wenig Glück hat. Simon Hatje verabschiedete sich wie gesagt aus beruflichen Gründen. Bei seinem Vorgänger Dennis Mitteregger waren es familiäre Gründe, die ihn letztlich dazu bewogen, sein Amt nicht mehr fortzuführen. Im Falle von Thorsten Beyer, der im Oktober 2018 ebenfalls zurücktrat, soll es Disharmonien gegeben haben. „Unterschiedliche Auffassungen im Leistungsteam über die weitere sportliche Entwicklung der Mannschaft“, so hieß es damals in einer Pressemitteilung, seien ausschlaggebend für die Trennung gewesen. Fakt ist: Die Coaches am „Loki“ haben im Vergleich zu manchem anderen Vereinen eine kürzere Zeit, die sie im Amt sind. Das wiederum steht in einem klaren Widerspruch zu dem, was eigentlich nötig ist: eine langfristige Entwicklung, damit der ETV am Ende final endlich da ankommt, wo er mit diesem nahezu perfekten (Jugend-)Unterbau eigentlich hingehört und wo ausgerechnet der ungebliebte lila-weiße Eimsbütteler Nachbar HEBC bereits steht: in der Oberliga. Nun aber ist der ETV auf dem Weg wieder einmal ein paar Schritte zurückgeworfen worden. Die Entwicklung von zuletzt drei Trainern, die aufgaben oder aufgeben mussten – unglücklich! Der nächste Trainer-Griff muss langfristig sitzen. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht und hat im Fall von TuRa Harksheide ihre (Aufsiegs-)Ambtionen bereits bekräftigt... 

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