Kolumne

The trend is your friend – in Rahlstedt ja, bei Falke nicht!

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

19. November 2019, 17:42 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche und des Wochenendes im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. Diesmal geht es dabei um Trends – nämlich den Aufwärtstrend des Rahlstedter SC in der Landesliga Hansa und den Abwärtstrend des HFC Falke in der Bezirksliga Nord. 

Die Entwicklung ist schon interessant. Es ist noch gar nicht so lange her, da wies die Tabelle der Landesliga Hansa den Rahlstedter SC noch ziemlich weit unten aus. Mitten im Abstiegskampf. Im August und September fuhr die Mannschaft von Trainer Mohet Wadhwa beispielsweise sechs Spiele in Folge keinen Sieg ein. Es gab drei Remis und drei Niederlagen. In Sachen verlorene Spiele musste die Equipe von Trainer Mohet Wadhwa in der laufenden Spielzeit so oder so schon harte Erfahrungen machen: Gegen den ASV Hamburg, Wadhwas Ex-Verein, kassierte man ebenso fünf Gegentreffer wie gegen Voran Ohe oder den FTSV Altenwerder. Gegen den VfL Lohbrügge waren es gar derer sieben. Dass man gegen ein Team wie die „Landesliga-Übermannschaft“ vom Binnenfeldredder deutlich verliert – man kann es (vielleicht) in der Kategorie „kann mal vorkommen“ einordnen. Die 2:5-Niederlage gegen Altenwerder, zum damaligen Zeitpunkt ein Mitkonkurrent im Kampf um den Klassenerhalt, tat da schon mehr weh.

Rahlstedt: Ruhe zur richtigen Zeit, einkalkulierte Rückschläge und kluge Schachzüge

Vier Siege in Serie: Für den Rahlstedter SC und Trainer Mohet Wadhwa geht's in der Landesliga Hansa derzeit aufwärts. Foto: Balle

Aber da ist ja noch die andere Seite der Medaille. Die nämlich, dass der RSC zuletzt vier Mal in Serie gewann, und sowohl der SC V/W Billstedt als auch Kosova, Düneberg oder Türkiye in der Rückschau auf Spiele gegen den Club von der Scharbeutzer Straße feststellten, dass man ja eigentlich hätte deutlich gewinnen müssen, letztlich aber jeweils verlor. Und zwar deutlich. Weil die Rahlstedter mit Mo Wadhwa einen Taktik-Fuchs an der Linie haben. Nicht umsonst hegt Wadhwa eine Vorliebe für Pep Guardiola, schmückt sich im sozialen Netzwerk „Facebook“ gar mit dem Pseudonym „Mo Guardiola“ und witzelte im Nachgang des 5:2-Sieges gegen den SC V/W Billstedt, dass er sich jetzt, wo er gegen V/W ein Mittelfeld-Pressing a la Jürgen Klopp habe spielen lassen, doch in „Mo Klopp“ umbenennen müsse. Kurzum: Weder fußballerisches Fachwissen noch Spaß kommt in Rahlstedt zu kurz. Weder abseits des Platzes noch auf dem Feld. Dort machte zuletzt Joel Osei Szillat von sich reden. Einer, den vorher nur die wenigsten auf dem Zettel hatten. Einer, dem Wadhwa aber prophezeit, sogar kurzfristig den Sprung in die Regionalliga schaffen zu können. Zum einen sicher eine Frage des vorhandenen Könnens, zum anderen aber sicher auch dessen, wie ein Trainer einen solchen Spieler einsetz und fördert. Und genau damit wären wir am springenden Punkt, was den Rahlstedter SC angeht.

Denn an der Scharbeutzer Straße hat man einiges richtig gemacht. Zu aller vorderst: die Ruhe bewahrt, als es nicht lief. Der Trainer wurde nicht einmal annähernd in Frage gestellt. Umstände, die einem das Arbeiten fraglos erleichtern. Auch ohne Druck klappte der Ruck, der durchs Team ging. Durch ein verdammt junges Team, übrigens. Eines, bei dem es vorprogrammiert war, dass nicht gleich von Beginn an ein Rädchen in das andere greifen würde, sondern dass es sicherlich auch gewisse Rückschläge geben würde. Rückschläge, die man in Rahlstedt als Lernprozess aufgefasst und sinnvoll genutzt hat. Zudem scheint Wadhwa genau der richtige Mann mit dem richtigen Händchen für eine so unerfahrene Truppe zu sein. Einer, der in die Materie der Landesliga Hansa enorm eingetaucht ist. Der in seinen Jahren beim ASV Hamburg bewiesen hat, dass er langfristig denken und Projekte zum Erfolg führen kann. Der nächste richtige Schritt, den der RSC geht: die Verpflichtung von Alexander Schäfke für die zuletzt nicht besetzte Position als Ligamanager. Man schlägt hier gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Zum einen hat Wadhwa jemanden an seiner Seite, der aus eigener Trainer-Tätigkeit weiß, wie ein Coach arbeitet und was er braucht. Zum anderen ist Schäfke – trotz zuletzt gemachter Pause – gut im Geschäft vernetzt. So wie Wadhwa selbst auch. Und: Er ist „Rahlstedt-Insider“. Kaum einer kennt den Verein so gut, fast in- und auswendig, wie Schäfke. Ein kluger Schachzug.

Falke: Wenn's kommt, kommt alles auf einmal – und lässt den Aufstieg vorerst in weite Ferne rücken...

Für Coach Dirk Hellmann und den HFC Falke gab es zuletzt in der Bezirksliga Nord wenig zu jubeln. Foto: Bode

Beim HFC Falke suchen sie derzeit noch nach so einem Schachzug oder einem Moment, der den Club aus dem Trend mit zuletzt drei verlorenen Spielen in Serie herausholt. Der Verein, der es in den vergangenen Spielzeiten wiederholt versucht hat, den nächsten Schritt zu machen und den Aufstieg aus der Bezirks- in die Landesliga zu realisieren, hängt seinem (Traum-)Ziel hinterher. Wieder einmal. Zwölf Zähler beträgt der Rückstand der Truppe von Trainer Dirk Hellmann auf den Tabellenführer USC Paloma II bereits, inzwischen sind die „Falken“ in der Tabelle sogar auf den fünften Platz abgerutscht und mit dem FC Alsterbrüder hat sich hinter Vicky II und dem SC Poppenbüttel ein weiterer Kontrahent im Konzert der Großen eingenistet. Zudem fühlen die „Hellmänner“ auch noch den Atem der nur noch zwei Punkte hinter dem HFC lauernden Teams wie Niendorf III, Sasel II und SCALA. Kurzum: Es gibt sicher angenehmere Situationen, als das Tal, das Falke derzeit fraglos durchschreitet. Anders als – siehe oben – eine Liga höher in Rahlstedt zeigt der Trend hier ab- statt aufwärts. Nun ist das, soviel hat man aus dem Beispiel RSC in der Hansa-Staffel gelernt, kein Grund, um die Ruhe und den Optimismus zu verlieren. Doch die Begleitumstände, die ihren Teil zum jetztigen „Statuts Quo“ beigetragen haben, sind nicht zu verharmlosen oder zu unterschätzen.

Falkes personelle Situation ist immer wieder angespannt. Coach Hellmann musste sich bereits mehrfach selbst einwechseln, selbst Manager Dobirr stand unlängst im Kader. Das Reservoir an Spielern, aus dem „Helle“ schöpfen kann, ist limitiert – aus den normalen Gründen wie Urlaub oder Verletzungen. Ein Päckchen, das jeder Club zu tragen hat. Beim HFC kommen Bedingungen hinzu, die das Ganze weiter erschweren: Der Verein ist nirgendwo richtig heimisch geworden – die unbefriedigende Situation mit dem Trainingsplatz am Steinwiesenweg, wo man abends kaum mehr als die Hand vor Augen sehen geschweige denn auf vernünftigem Niveau arbeiten kann, lässt obendrein grüßen. Und auch der Rubel rollt bei den „Falken“ anders als bei manch anderem Verein nicht. Insgesamt ein Paket, mit dem man eher weniger Spieler hinter dem Ofen hervorlockt, sich für Falke zu entscheiden. Die Euphorie vergangener Tage ist der Realität des nicht immer einfachen (Vereins-)Lebens gewichen. Andere Teams haben solche Nachteile nicht. Die Grundvoraussetzungen bei Kontrahenten wie Paloma II, Vicky II oder auch Sasel II sind – selbst, wenn man mal die Liga-Leihgaben außen vor lässt – einfach anders. Sie sind besser. Rein sportlich betrachtet, das sollte man offen ansprechen dürfen, gibt es bei Falke überdies einige Spieler, die zuletzt ihrer Form oder Treffsicherheit hinterherliefen. Das kann passieren. Sobald es aber mehrere Akteure betrifft, ist es bei einer eh schon dünnen Personaldecke jedoch kritisch. Vor allem, wenn dann zugleich auch noch das Glück abhanden kommt, Spiele „last minute“ zu gewinnen, so wie es dem HFC eine Zeit lang gelang. Kurzum: Wenn's kommt, dann kommt alles auf einmal – und lässt den Aufstieg vorerst in weite Ferne rücken...

Jan Knötzsch 

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