Kolumne

Bernes beängstigende Baustellen und Marco, der erfolgeiche BU-Baumeister

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

11. November 2019, 16:16 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche und des Wochenendes im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. Diesmal geht es dabei um das zuletzt arg erfolglose Abschneiden des TuS Berne in der Landesliga Hansa und die aktuelle Erfolgsserie des HSV Barmbek-Uhlenhorst in der Oberliga. 

Es ist keine Frage mehr: Der TuS Berne hat Probleme. Arge Probleme. Einer, der in den vergangenen Wochen nicht müde wurde, das Kind auch öffentlich verbal beim Namen zu nennen, war Mike Franke. Der Ligaobmann der Berner meldete sich nach den teils erschreckenden Auftritten des TuS nicht nur ein Mal zu Wort, um seinen Frust abzulassen und um die vorliegenden Probleme anzusprechen. Dies tat Franke bisweilen sehr deutlich. Für den einen oder anderen, so hörte man in den letzten Wochen, vielleicht etwas zu deutlich, was die Wortwahl angeht. Der Manager sprach nicht nur davon, dass die Köpfe „langsam wach werden müssen“, er auch nicht mehr weiter wisse, wenn das nicht passiere und dass es „ein verdammt trauriges Weihnachtsfest“ werden könne, „wenn wir uns nicht langsam wachrütteln und kämpfen.“ Franke sprach Team und Trainer zudem nach der Niederlage beim Mitkonkurrenten SV Bergstedt vor wenigen Wochen auch ab, eine Spielidee gezeigt zu haben, stattdessen hätte sich die Equipe „völlig eingeschlafen“ präsentiert.

Die Probleme an der Berner Allee sind hausgemachter Art

Nicht nur Defensivmann Burak Batbayli berietet die derzeitige Situation des TuS Berne Schmerzen. Foto: Bode

Harte Worte. Worte, die natütlich auch die Frage hinterlassen: Wie viel Zuckerbrot und wie viel Peitsche verträgt ein Team? Das des TuS Berne scheint offenbar durch die Kritik nicht wachgerüttelt worden zu sein. Vielleicht eher eingeschüchtert oder sogar verbittert? Geht es rein nach den Ergebnissen, hat sich jedenfalls nichts geändert: Sie bleiben weiter negativ, die Krise hat sich zugespitzt und Frankes Erkenntnis, dass „wir richtig tief im Abstiegskampf stecken“, dürfte inzwischen auch beim letzten – und sei er noch so sehr Optimist – angekommen sein. „Alle Spieler in unserem Kader müssen wollen und mindestens 150 Prozent geben – in der Lage, in der wir uns befinden sowieso“, hatte der TuS-Obmann seinerzeit kundgetan, es aber so nicht geschafft, mit dieser Äußerung genau diese Prozente an Leistung noch zusätzlich aus den TuS-Kickern heraus zu kitzeln. Aber wie auch? Die Probleme an der Berner Allee – man kann sie getrost als hausgemacht zusammenfassen.

Da wäre zum einen die Tatsache, dass Abgänge wie Jonathan Zinn (Sasel), Terje Scheffel, Luis Honig (beide Condor) oder Kilian Olerich (Bramfeld) nicht adäquat ersetzt wurden. Dem Team ist quasi das Grund-Skelett entnommen worden. Kein Wunder, dass das Konstrukt da mehr oder meniger zusammenklappt. Ohne Kicker dieses Formats ist Berne in der Liga eben nur unterer Durchschnitt – und wenn es nach der Tabelle geht, dann nichtmal das. Nächster schwieriger Punkt: Die Personalie Frank Neben. Schon vor der Saison kündigte der Coach an, dass dies „von seiner Seite aus“ seine letzte Saison beim TuS sein werde. Und es sieht auch weiterhin ganz deutlich danach aus, suchte Berne doch in den letzten Wochen nicht unbemerkt das Gespräch mit Nachfolgekandidaten. Nun ist ein Coach, der am Ende der Saison geht, im Fußball nichts neues und auch erstmal nichts verwerfliches – aber wie viele Fälle der sogenannten „Lame duck“ gab es schon? Der TuS Berne scheint ein weiterer Beleg dafür zu sein, dass ein solcher Nebenschauplatz ungünstig ist. Vor allem im Kampf um den Klassenerhalt. Und wenn man dem Coach dann auch nich die Spielidee abspricht.... Kurzum: Trainer, Team, fehlende Punkte – Bernes Baustellen sind groß. Am Ende vielleicht zu groß!?

Der Patient BU lebt mehr denn je – dank der Operationen des „Dr. Stier“

Das da auf dem Platz hab' ich ganz gut hinbekommen, scheint BU-Trainer Marco Stier auf diesem Bild anzudeuten – zurecht! Foto: Bode

Die des HSV Barmbek-Uhlenhorst dagegen nicht. Manch eine Baustelle – Stichwort Umgang mit den Medien – riss sich der Verein selbst durch, das wird man an der Dieselstraße vielleicht inzwischen auch wissen, unglückliches Agieren in der Öffentlichkeit auf. Dafür aber arbeitet BU an anderer Stelle, das muss man anerkennen, (s)tierisch stark. „Marco, dem Baumeister“ sei Dank. Denn heimlich, still und leise hat sich der Club aus Barmbek tatsächlich ziemlich weit oben in der Tabelle eingenistet. Ganz vorn thront mal wieder Dassendorf, dahinter Teutonia und dann kommt – oh, wunder, wird so mancher jetzt verblüfft sagen – der HSV Barmbek-Uhlenhorst. In den letzten neun Spielen gingen die Kicker von Trainer Marco Stier acht Mal als Sieger vom Feld. Alle Achtung! Nur gegen den FC Teutonia 05 gab es eine Niederlage. Mal ehrlich: Gegen ein Team, das sich vor der Saison den Aufstieg in die Regionalliga als Ziel auf die Fahnen geschrieben hat und dafür mit etlichen namhaften Spielern aufgewertet wurde, kann man mal den Kürzeren ziehen. Das ist kein Beinbruch. Zumindest keiner, der eine sofortige Operation nach sich ziehen muss. Schon gar nicht, wenn man selbst in diesem Spiel nicht schlecht auftritt.

Um in genau diesem Sprach-Jargon zu bleiben: Die Operationen, die Marco Sier vor und während der laufende Saison an seinem Kader vorgenommen hat, waren erfolgreich. Der Patient lebt – mehr denn je! Und das, wo das Team im Vergleich mit „Dasse“ und „T05“ vielleicht sogar über weniger (individuelle) Klasse verfügt. Weil Stier, der Unbeirrbare, es aber irgendwie doch geschafft hat, in seinem Personal-Puzzle nach und nach Teil für Teil an genau jene Stelle zu packen, wo es hingehört und am besten passt, läuft's. Dass das Stier-Ensemble selbst in Zeiten, in denen noch nicht alle Rädchen so immens gut ineinandergriffen, wie es jetzt der Fall ist, in der Lage war, „mit brutal offenem Visier“ (O-Ton Stier) mitreißenden Offensiv-Fußball zu spielen, ist hinlänglich bekannt. Für diesen Spielstil steht der BU-Coach nun einmal. Und das ist auch gut so. Aber: Inzwischen hat „Dr. Stier“ seinem Team auch noch etwas anderes implantiert. Stabilität und Souveränität. Wie gesagt: Acht aus neun Spielen muss man erst einmal gewinnen. In Sachen Stabilität aber, der Einwurf darf erlaubt sein, fehlt noch ein ganz klein wenig, um an die Top Zwei heranzukommen: Dassendorf hat bislang 13 Treffer kassiert, Teutonia derer 16. BU weist im Vergleich dazu schon 29 Gegentore auf. Ein „Problem“, um das „Baumeister Marco“ weiß. Und dem er sich annehmen wird. Da kann man sich sicher sein. Und es wäre nicht die erste Operation, die er erfolgreich abschließt... 

Jan Knötzsch 

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