Bezirksliga Nord

Zwischen Traineramt, Blog und Hoodies: Ein Leben für die große Leidenschaft Fußball

28. September 2020, 15:50 Uhr

Neben seiner Rolle als Trainerdes Niendorfer TSV III hat Jan-Henrik Schmidt noch zwei weitere Passionen, die mit Fußball zu tun haben. Foto: Thorge Huter

Zumindest für ein paar Tage konnte Jan-Hendrik Schmidt mal vom Fußball abschalten. Unlängst weilte der 32-Jährige im Italien-Urlaub, feierte dort den Hochzeitstag mit seiner Frau sowie den Geburtstag seiner besseren Hälfte. „Wir hatten mit Freunden ein fantastisches Haus gemietet, waren unter anderem einen Tag in Florenz und haben an einer Weinprobe teilgenommen – alles natürlich ganz Corona-konform. Einkaufen darf man in Italien zum Beispiel nur mit Handschuhen und Maske“, erzählt der Coach des Niendorfer TSV III und fügt hinzu, „Der Urlaub war schon lange geplant, normalerweise wären wir ja jetzt auch schon am fünften oder sechsten Spieltag. Ich versuche sonst eigentlich, immer im Januar oder Juni Urlaub zu machen.“ Dann also, wenn der Ball ruht. Denn  dass Schmidt ohne Fußball ist und ohne seinen liebsten Sport kann – das kommt selten vor.

Denn der 32-Jährige, hauptberuflich als Selbstständiger im Kommunikations- und Medienbereich tätig, ist so gesehen mittendrin statt nur dabei, wenn es um alles geht, was irgendwie mit dem runden Leder zu tun hat. Und das nicht nur in seiner Funktion als Trainer der Niendorfer Drittvertretung, die in der Bezirkrliga Nord um Tore und Punkte kämpft und am zurückliegenden Wochenende ihr Auftaktspiel der neuen Saison bei Grün-Weiß Eimsbüttel mit 4:1 für sich entscheiden konnte. Nein, auch dann, wenn Schmidt nicht gerade als Übungsleiter an der Linie beziehungsweise auf dem Trainingsplatz steht oder aber sich damit beschäftigt, Trainingspläne und -inhalte für sein Team zu erarbeiten, spielt die Kugel eine nicht gerade kleine Rolle in seinem Leben.

„Ich bin aufgrund der beruflichen Vorprägung einer, der gerne Geschichten erzählt und aufschreibt“

Zum einen ist der 32-Jährige unter die Blogger gegangen. Foto: Thorge Huter

Bei so viel Leidenschaft für des Deutschen liebsten Sport ist Schmidt natürlich  derzeit zunächst mal „glücklich, dass wir endlich wieder Fußball spielen können.“ Er habe – trotz der zuletzt aufgetretenen Corona-Fälle – „das Gefühl, dass die Fußball-Szene in Hamburg ihre Veantwortung sehr ernst nimmt. Das zeigen die vielen guten und ausgefeilten Hygienekonzepte“, sagt der 32-Jährige zum aktuellen Geschehen, nachdem er sich in der Corona-Pause vor Wochen öffentlich bereits zur Rolle des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) geäußert hatte. Aber damit zum Eigentlichen: Warum dreht sich bei „JHS“ trotzdem alles um Fußball, wenn er denn gerade einmal nicht mit seinem Team beschäftigt ist? Nun, da wäre zum einen sein Blog „mein-leben-im-trainingsanzug.de“ und zum anderen „Vier Vier Zwei“ – ein Shop, in dem Schmidt inzwischen Hoodies mit dem Aufdruck eines Spielfelds beziehungsweise einer Taktiktafel und dem Schriftzug „Vier Vier Zwei“ – in Anlehnung an das fußballerische 4-4-2-System – vertreibt.

„Ich bin seit meinem 18. Lebensjahr Trainer, habe lange eine Jugend- und eine Herren-Mannschaft zeitgleich gecoacht – jetzt ist es die zweite Saison ohne Jugend. Mir macht das Trainerdasein unglaublich viel Spaß, das ist eine extreme Leidenschaft“, sagt Schmidt und erklärt: „In der Rolle als Trainer habe ich sehr viel fürs Leben gelernt. Und man trifft durch diese Leidenschaft viele neue Leute.“ Unter anderem Thorsten Bresch. Der 2017 viel zu früh verstorbene Coach – er war DFB-Stützpunkttrainer am Sachsenweg und auch bei der NTSV-„Dritten“ mit im Boot – wurde zu einem wichtigen Wegbegleiter und Freund für Jan-Hendrik Schmidt. „Irgendwann haben wir mal gesagt: Wir schreiben unsere Erfahrungen auf. All das, was du als Trainer so erlebst. Wenn du zum Beispiel als letzter um 18.45 Uhr vorm Training erfährst, dass ein Spieler absagt, und du nochmal den ganzen Plan fürs Training umwerfen musst, weil du mit einer geraden Anzahl an Spielern für die Übungen geplant hast.“

„Ich hab die Idee anfangs in einer Whatsapp-Gruppe vorgstellt und Logos zur Auswahl gepostet“

Zum anderen vertreibt Schmidt seit Kurzem Hoodies seiner Marke Vier Vier Zwei. Foto: Thorge Huter

Nach dem Tod von Bresch habe er „einfach damit angefangen, wirklich alles aufzsuchreiben. Nicht die Übungen und Trainingsinhalte, sondern eben wirklich das, was dir als Trainer so passiert“, berichtet Schmidt. Die Grundidee für den Blog war geboren, eine weitere kam dazu: Schmidt wollte „die Geschichte und das Leben anderer Trainer aufschreiben“, wie er es nennt. „Ich bin aufgrund der beruflichen Vorprägung einer, der gerne Geschichten erzählt.“ Und auch, wenn Corona ihm bei dem Unterfangen, den Blog so im wahrsten Sinne des Wortes mit (Trainer-)Leben deutschlandweit zu füllen, ein wenig einen Strich durch die Rechnung machte, gelang ihm dies zumindest im näheren Umfeld: Zuletzt erschien ein Text zu einem Gespräch mit Marius Nitsch, dem Trainer des USC Paloma II. Der übrigens ist einer derjenigen, die zuletzt „Werbung“ für Schmidts neuestes Projekt machten: Nitsch ließ sich ebenso wie Koray Gümüs, der Manager des Eimsbütteler TV mit einem „Vier Vier zwei“-Hoodie ablichten. „Das Ganze zielt so ein bisschen auf das Trainer-Genre ab. Von uns Coaches wird viel verlangt: Wir sind Pädagogen. Psychologen, Mentoren, Taktiker, Organisatoren und Kommunikationsexperten. Vier Vier Zwei richtet sich an diese Multitalente – und drückt die Passion aus, die Trainer haben müssen“, sagt Schmidt.

„Ich habe die Idee anfangs in einer Whatsapp-Gruppe vorgstellt und da auch mal die ersten Logos zur Auswahl gepostet. Das alles fanden die Jungs in der Gruppe cool – und dann ging es los“, berichtet der 32-Jährige und verrät: „Das ist viel mehr Arbeit, als vorher gedacht. Du musst die die Marke schützen lassen, ein Unternehmen gründen – da wartet erstmal ganz schön viel Bürokratie auf einen.“ Doch der Aufwand lohnt sich. Es gibt einen Markt für die Hoodies – nicht nur in Hamburg, wie Schmidt weiß. „Es ist schon geil, wenn auf einmal auch Leute aus dem Saarland oder Thüringen Bock haben, diese Hoodies zu kaufen“, plaudert der Coach des NTSV III aus dem Nähkästchen und verrät, dass es auch bereits erste Ideen gibt, die „Vier Vier Zwei“-Produktpalette noch zu erweitern – um Caps, Mützen oder Sweatjacken vielleicht. „Es soll aber alles in einem Rahmen bleiben, der sich trägt. Das ist vermutlich am Ende nichts, wovon man reich wird oder leben könnte. Aber wenn der Markt und der Absatz dafür da sind, könnte man das Ganze ein bisschen in diese Richtung ausbauen“, gibt Schmidt zu Protokoll. Und es besteht zweifellos keine Frage: Das wird er mit genau der gleichen Leidenschaft tun, mit der er sonst coacht. Oder bloggt... 

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