22.09.2018

Zwei Zaubertore - doch "unterm Strich steht eine katastrophale zweite Halbzeit"

HSV III bleibt ungeschlagen - Josipovic: "Waren mental nicht bereit"

Bereitete beide Tore direkt vor und war nur schwer zu bändigen: Sepehr Nikroo (Mi.). Foto: Küch

Erfrischend offen und ehrlich handelten beide Parteien das Geschehen ab (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen). Während der siegreiche Trainer, Marcus Rabenhorst, nach Abpfiff noch unter dem Eindruck der zweiten Halbzeit stand, "die eine Katastrophe von uns war", entgegnete dessen Gegenüber, Anto Josipovic, auf Nachfrage, ob aufgrund der gesehenen 90 Minuten nicht mehr für sein Team drin gewesen wäre: "Nein, definitiv nicht." Warum? "Weil wir mental nicht bereit für dieses Spiel waren."

Der Jubel nach dem toll herausgespielten Führungstreffer durch Kristijan Augustinovic (Mi.). Foto: Küch

Dabei habe er versucht, "in die Köpfe der Spieler zu kommen und denen klarzumachen, dass es möglich ist, gegen den HSV III zu gewinnen. Aber das ist anscheinend nicht angekommen." Und weiter: "Wir hatten heute nicht die Überzeugung, gewinnen zu können", so Josipovic, der damit vor allem auf die zwei spielentscheidenden Szenen ansprach. In der 16. Spielminute agierten die Hausherren zu passiv, als sich Sepehr Nikroo und Jendrik Bauer mit einem dreifachen Doppelpass durch die Lokstedter Hintermannschaft zelebrierten und Kristijan Augustinovic den blitzsauberen Vortrag zu einem krönenden Abschluss brachte! "Wir sind gut ins Spiel gekommen und auch zurecht in Führung gegangen", befand Rabenhorst. Wenngleich er "die 20 Minuten danach" als "zu fahrig" von seinen Mannen bezeichnete. "Wir waren nicht mehr so souverän und haben nicht mehr so gut Fußball gespielt. Dadurch ist der Gegner besser ins Spiel gekommen." Dementsprechend fiel der zweite Treffer aus Gäste-Sicht "zum richtigen Zeitpunkt", als ein Außenrist-Pass von K. Augustinovic die ganze linke Seite für Nikroo öffnete. Dieser ließ noch zwei Gegenspieler ins Leere rutschen und ermöglichte Bauer das 2:0 (45. +1)!

"Die zweite Halbzeit war eine Katastrophe!"

Michael Ulbricht (re.) spielte einen starken und zuverlässigen Part in der Defensive. Foto: Küch

"Das ist auch der positive Aspekt", lobte Rabenhorst die Art und Weise der beiden Tore. "Daran haben wir auch unter der Woche gearbeitet, gewisse Abläufe reinzukriegen und wenn der Gegner gewisse Räume anbietet, dass wir diese dann auch bespielen. Dann ist es natürlich schön zu sehen, wenn man solche Tore macht." Während Josipovic erkannte: "Man hat gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit extrem unsicher waren, dem Gegner einige Male direkt in die Füße gespielt haben und der HSV das eiskalt genutzt hat." Nach 25 Minuten sei man zwar "gefühlt drin gewesen, aber es fehlte die Überzeugung", so der sympathische Aufstiegscoach der Eintracht, der gestand: "Ich dachte, wir sind weiter und haben nach dem letzten Spiel verstanden, dass es nicht darum geht, schöne Szenen oder viel Ballbesitz zu haben und fünfmal in den Strafraum zu kommen, sondern darum, zweimal in den Strafraum zu kommen und ein Tor zu machen. Das hat der HSV richtig stark gemacht." Doch das änderte sich nach der Pause. "Die zweite Halbzeit war, bis auf die ersten drei Minuten, wo wir das 3:0 machen müssen, eine Katastrophe!", schimpfte Rabenhorst. "Damit können wir nicht zufrieden sein." Und weiter: "Gegen einen Gegner, der es ein bisschen konsequenter ausspielt, hätten wir wahrscheinlich noch 2:2 gespielt oder sogar verloren. Denn wir hatten so gut wie gar nichts mehr - keine klaren Aktionen nach vorne und wir haben auch keinen Fußball mehr gespielt."

"So ist es egal, wer kommt - dann verlierst du, wenn du nicht schon 2:0 führst"

Jendrik Bauer (Mi.) markierte unmittelbar vor dem Pausenpfiff das 2:0 für seine Rothosen. Foto: Küch

Allerdings wusste Lokstedt daraus kein Kapital zu schlagen. Im Anschluss fehlte es Luis Gleich, Ersin Cavus oder auch Johann Eisenberg an der letzten Überzeugung - oder aber "Rothosen"-Fänger Tino Dehmelt stand einem Torerfolg im Weg. "Wenn man so spielt, muss man sich nicht wundern, wenn der Gegner nochmal eine zweite Luft bekommt. So sieht man gegen alle Mannschaften schlecht aus, wenn man so inaktiv und so desolat verteidigt", schimpfte Rabenhorst - und fügte an: "Ich glaube, man hat gesehen, wenn wir einfach und direkt spielen, dann hatte der Gegner nichts entgegenzusetzen. Sobald wir das aber sein lassen haben, wieder vier, fünf Kontakte im Zentrum brauchten, den letzten Pass unsauber gespielt oder hinten einfach nicht klar gespielt haben, ist es egal, wer kommt. Dann verlierst du solche Spiele, wenn du nicht vorher schon 2:0 führst." Hinzu kam eine "absolut dumme Rote Karte" gegen den gerade erst eingewechselten Abdoul-Azim Kondo, der sich erst ein verbales Scharmützel mit Ante Beslic lieferte, ehe er mit der Hand nach hinten ausschlug (85.).

"Der HSV hat 30, 40 Prozent nachgelassen - und es hat trotzdem gereicht"

Nicht nur Johann Eisenberg (Nr. 22) verpasste den Anschluss. Es wirkte so, als hätte Lokstedt noch einen Tag durchspielen können. Foto: Küch

"Natürlich nimmt man den Dreier gerne mit, aber es ist unbefriedigend, dass man in der zweiten Halbzeit so nachlässt, weil man eigentlich alles in der eigenen Hand hatte", stand Rabenhorst noch voll unter dem Eindruck des zweiten Durchgangs - und mahnte: "Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Am Donnerstag erwartet uns ein ganz anderes Kaliber und wir erwarten auch ein deutlich anderes Auftreten", forderte der einstige Victorianer mehr Engagement und eine konzentriertere Darbietung gegen Niendorf II. Während Josipovic abschließend meinte: "Wir hatten zwar Chancen, aber der HSV macht zwei Tore draus und spielt es dann aus. In der zweiten Halbzeit hätten sie, wenn sie gewollt hätten, mehr machen können. Aber sie haben 30, 40 Prozent nachgelassen, das Ergebnis verwaltet und es hat gereicht."

Autor: Dennis Kormanjos

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