LOTTO-Pokal

Zwei-Tore-Rückstand nach 92 Minuten, aber im Elfmeter-Krimi obenauf: Der TuS Holstein bremst den ETSV aus!

04. Oktober 2022, 14:17 Uhr

TuS Holstein-Keeper Nick Hoffmann avancierte mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Matchwinner. Hier pariert er den Versuch von Veli Sulejmani sensationell. Foto: noveski.com

„Der TuS Holstein Quickborn hat die Bremse des Zuges gefunden und uns die erste Niederlage seit dem 30. Oktober 2021 zugefügt. Und was für eine…“, machten die Verantwortlichen des ETSV Hamburg überhaupt keinen Hehl daraus, dass das Ausscheiden im LOTTO-Pokal gesessen hat. Nicht nur, weil man auf einen Gegner traf, der eine Klasse tiefer um Punkte kämpft, sondern vor allem deshalb, weil die Eisenbahner bis zur 92. Spielminute noch mit 3:1 führten und wie der ganz sichere Sieger aussahen. Doch dann nahm die Dramaturgie ihren Lauf…

Die Szene, die zum Elfmeter in der Nachspielzeit führte: Khairullah Hassanyar (Mi.) hebt im Duell mit ETSV-Keeper Elian Clasen eher ab. Foto: noveski.com

„Einfach geil!“, jubelte Fikret Yilmaz, Sportlicher Leiter des TuS Holstein, unmittelbar nach dem Abpfiff – und beteuerte: „Nachdem wir bis zur 92. Minute noch 1:3 zurückgelegen haben und das Spiel noch ausgleichen konnten, hatte ich keine Angst mehr vor dem Elfmeterschießen. Die Jungs haben so viel Selbstvertrauen ausgestrahlt, dass ich mir sicher war, dass wir das Spiel gewinnen werden!“ Insbesondere, als Quickborn-Keeper Nick Hoffmann gleich die ersten beiden „Elfer“ von Veli Sulejmani und Matthias Cholevas sensationell parierte! „Das war dann das letzte Indiz dafür, dass wir das nicht mehr hergeben werden“, befand Yilmaz.

Dass sich TuS-Torsteher Hoffmann am Ende zum Helden aufschwingen konnte, hatte der Außenseiter vor allem Tom Meyer zu verdanken. Dieser verwandelte in der Nachspielzeit erst einen Strafstoß zum 2:3-Anschluss (90. +2), ehe er wenige Augenblicke später auch noch den viel umjubelten Ausgleich markierte und seine Holsteiner ins Elfmeterschießen brachte (90. +3)!

"Danach war der Jubel grenzenlos"

Das 3:3 in letzter Minute: Tom Meyer (Mi.) schnürt seinen Nachspielzeit-Doppelpack und bringt den TuS Holstein ins Elfmeterschießen. Foto: noveski.com

„Der ETSV hatte, auch nach dem 1:3, gute Chancen, das Ergebnis noch deutlicher zu gestalten“, gab Yilmaz unumwunden zu. Aber der Chancenwucher des Landesliga-Spitzenreiters, der schon in der Liga zuletzt wenig überzeugende Auftritte darbot, rächte sich. „Natürlich hatten wir auch Glück, dass wir in der 92. Minute den Elfmeter noch bekommen haben, aber das Momentum kippte dann und wir konnten direkt die nächste Unkonzentriertheit zum 3:3 nutzen.“ Danach und insbesondere nach dem letzten Elfmeter von Niklas Wolter sei „der Jubel auf und neben dem Feld grenzenlos“ gewesen“, so Yilmaz. „Das war ein besonderer Moment. Denn wir haben noch eine sehr junge Mannschaft und die meisten Spieler haben so etwas – einerseits den sportlichen Erfolg, andererseits auch diese Emotionalität von den gut 150 Quickborner Anhängern – noch nie erlebt.“

Trotz einiger Ausfälle: Quickborn kämpft sich zurück

Neben dem Versuch von Sulejmani entschärfte Nick Hoffmann auch den Elfmeter von Matthias Cholevas. Foto: noveski.com

Schon früh im Spiel ließ Tim Heinitz die Hausherren von einer Pokal-Überraschung träumen (5.). „Nach dem frühen 1:0 hatte ich das Gefühl, dass wir das Spiel aus einer sicheren Abwehr heraus kontrollieren und über Konter Nadelstiche setzen können. Aber wir haben den Gegner in der ersten Halbzeit zweimal zu Toren eingeladen. Da kam bei mir schon das Gefühl auf, dass wir das nicht mehr drehen werden“, gestand Yilmaz. Nutznießer waren Malte Pruchner (30.) und Mark Brudler mit dem Pausenpfiff (45.).

„In der Kabine hat der Trainer dann klare Worte gefunden, dass trotz des 1:2-Rückstandes gegen den souveränen Tabellenführer der Landesliga noch alles möglich sei und wir nur gewinnen können. Und den Willen, das Spiel zu gewinnen, haben die Jungs von Sekunde eins in der zweiten Halbzeit ausgestrahlt und so sind sie auch aufgetreten.“ Und dass, obwohl der Bezirksligist auf einige Leistungsträger wie Goalgetter Jonathan Hüneburg verzichten musste. Nichtsdestotrotz schien die Partie spätestens nach dem dritten Treffer der Eisenbahner durch George Kelbel entschieden zu sein (66.). Doch dem war ganz und gar nicht so!

"Kollektiv-Versagen" auf der einen, ein "unvergesslicher Moment" auf der anderen Seite

Die Entscheidung: Niklas Wolter verwandelt den letzten "Elfer" zum 7:5-Sieg des TuS Holstein Quickborn und macht die Überraschung perfekt. Foto: noveski.com

„Wir haben den Start ein bisschen verpennt und sind durch einen individuellen Fehler in Rückstand geraten. Das kann passieren und muss eine Mannschaft auch gerade bügeln können. Das haben wir in der ersten Hälfte auch getan und sind verdient 2:1 in Führung gegangen. Wir hätten auch viel höher führen müssen, wenn wir nicht so einen Chancenwucher betrieben hätten. In der Halbzeit haben wir angesprochen, dass wir vor dem Tor konsequenter sein müssen. Das haben wir in Hälfte zwei dann auch gleich umgesetzt und das 3:1 gemacht. Auch hier hätten wir höher in Führung gehen müssen“, haderte ETSV-Coach Matthias Märtens mit der mangelnden Chancenverwertung sowie mit „einem individuellen Fehler“, der zum 2:3 führte, und „einem Kollektiv-Versagen“, was schlussendlich noch das 3:3 einbrachte. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Liga, werfen alles was wir haben in diesen Wettbewerb und haben am Freitag gegen Oststeinbek einiges wiedergutzumachen!“

Das Fazit aus Sicht des TuS Holstein Quickborn: „Das war ein Moment, den wir so schnell nicht vergessen werden. Uns ist egal, wer jetzt kommt. Wir haben schon jetzt mehr erreicht, als wir erwarten konnten und wollen diesen emotionalen Push nutzen, um auch in der Liga wieder in Fahrt zu kommen“, erklärte ein noch immer geladener, aber hocherfreuter Fikret Yilmaz.

Autor: Dennis Kormanjos

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