Regionalliga Nord

Zumindest im „kleinen Derby“ obenauf: „Rothöschen“ mit Überzeugung, Brust raus-Mentalität – und Zumberi!

19. August 2021, 11:08 Uhr

Valon Zumberi (li.) bejubelt sein goldenes Tor im kleinen Derby. Foto: KBS-Picture.de

Im großen Derby behielt der FC St. Pauli gegen den Hamburger SV (mal wieder) die Oberhand (3:2). Im kleinen Städteduell in der Regionalliga waren die Rothosen nun auf Revanche aus. „Das hat uns nochmal extra motiviert, zu zeigen, dass wir die Nummer eins in Hamburg sind“, so Valon Zumberi, 18-jähriger Youngster des HSV.

Allein Faride Alidou (li.) - hier im Duell mit Niklas Jessen - hätte vor der Pause ein oder zwei Tore erzielen können. Foto: KBS-Picture.de

Horst Hrubesch konnte es kaum glauben. Der Nachwuchsboss des Hamburger SV musste in den ersten 45 Minuten mit ansehen, wie die Jungspunde der „Rothöschen“ Chance um Chance ungenutzt ließen. Ob ein Faride Alidou (9., 11., 37.), Robin Velasco (26.) oder Juho Kilo (34.) – der Chancenwucher der Gäste sorgte vor den kompletten Führungsriegen beider Clubs für ungläubige Mienen. „Wir konnten das Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden, wollten es aber spannend machen“, hatte Valon Zumberi gut lachen. Dem Innenverteidiger der HSV-U21 war es nämlich vorbehalten, für den einzigen zählbaren Ertrag zu sorgen. Nachdem ein ruhender Ball von Kilo noch geblockt wurde, kam die Kugel über Jonah Fabisch und Alidou sowie einige Umwege zu Zumberi, der aus kurzer Distanz zur Stelle war (23.)!

Mit "Überzeugung und Brust raus-Mentalität": HSV II überrennt Kiezkicker

Drin! Valon Zumberi (2. v. re.) jagt die Kugel zum 1:0 für die "Rothöschen" in die Maschen. Foto: KBS-Picture.de

„Ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl, so ein geiles Spiel so zu gewinnen“, war der Matchwinner unmittelbar nach den 96 Minuten im Edmund-Plambeck-Stadion noch voller Adrenalin. „Ich stand einfach richtig“, blickte er auf den Moment zurück, indem ihm das goldene Tor des Tages gelang. Nach dem „emotionalen Auf und Ab gegen Drochtersen“, als sein Team zum Auftakt mit 2:4 unterlag, könne er seiner Elf nur „ein großes Kompliment“ machen, so HSV II-Coach Pit Reimers. „Mit welcher Überzeugung sie ins Spiel reingegangen und mit welcher Brust raus-Mentalität sie gespielt hat“, das habe ihm imponiert. Einziges Manko: „Wir verpassen es, das zweite und dritte Tor nachzulegen. Das ist der Vorwurf, den ich meiner Mannschaft in der ersten Halbzeit machen kann.“

"Die Jungs haben das total leidenschaftlich verteidigt"

In den Schlussminuten musste der HSV II nach einem Platzverweis gegen Jonah Fabisch (2. v. re.) in Unterzahl agieren. Foto: KBS-Picture.de

Und so blieb das kleine Derby weiter offen. „Uns war klar, dass St. Pauli uns noch höher pressen, aggressiver sein und uns das Leben schwerer machen wird“, wusste Reimers, was seiner Equipe in den zweiten 45 Minuten bevorstehen würde. „Mit den ersten 15, 20 Minuten war ich nicht zufrieden. Das war eine Phase, wo der Ausgleich in der Luft lag“, konstatierte er. Doch dann hätten sich seine Schützlinge „befreit, die Konter aber nicht gut zu Ende gespielt“. Nichtsdestotrotz: „Die Jungs haben das total leidenschaftlich verteidigt und wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen – das hat man ihnen über 96 Minuten angesehen!“ Daran änderte auch die Ampelkarte gegen Fabisch kurz vor Ultimo nichts mehr (89.). „Da habe ich gespürt, dass die Jungs heute alles wegverteidigen werden. Dieser Spirit hat mir gefallen“, bilanzierte Reimers. „Wir haben den Gegner von der ersten bis zur letzten Minute klar dominiert und verdient gewonnen“, jubelte derweil Siegtorschütze Zumberi.

"Der HSV hat 96 Minuten lang gezeigt, wie man ein Derby angeht"

Ausgelassene Freude bei Siegtorschütze Valon Zumberi (Mi.) und Faride Alidou. Foto: KBS-Picture.de

Währenddessen hatte „Kiezkickerchen“-Trainer Joachim Philipkowski hinterher einige „Fragezeichen im Kopf“ und fand überaus deutliche Worte: „Die Enttäuschung sitzt natürlich tief. Wer in so einem Derby mit solch einer Einstellung reingeht und auf dem Platz nichts rüberbringt, der hat es auch nicht verdient. Das war sehr enttäuschend von den Jungs.“ Positiv festhalten könne er, „dass wir nur mit einem 0:1 in die Halbzeit gegangen sind. Es hätte 0:3 oder 0:4 stehen müssen“, gestand er. „Wir haben keine Gegenwehr gezeigt, waren überhaupt nicht präsent. Das war gar nichts!“ Die zweite Hälfte sei zwar besser gewesen und „wir hatten auch ein paar Chancen auf dem Fuß“, so „Piepel“, aber: „Es wäre unverdient gewesen. Der HSV hat heute 96 Minuten lang gezeigt, wie man ein Derby angeht. Es ist ein hochverdienter Sieg und wir können froh sein, dass nur ein Tor gefallen ist.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren