12.04.2019

„Zum Kukuk“: Für den TuS ist gegen BU wieder was „Imbusch“, weil der Held hält

BU-Coach Stier staunt: „Osdorf weiß selbst nicht, wie die gegen uns gewonnen haben“

Einer der Osdorfer Matchwinner: Keeper Sascha Imbusch parierte naxch 72 Minuten einen Foulelfmeter. Foto: Heiden

Es gab so einige Geschichten, die dieses Oberliga-Spiel zwischen dem TuS Osdorf und dem HSV Barmbek-Uhlenhorst (Hier gibt’s das Spiel zum Nachlesen im Live-Ticker) zu erzählen gehabt hätte: Die von Jan Collet zum Beispiel, dem im zweiten Anlauf sein erster Treffer im 14. Liga-Spiel für die Gastgeber gelang. Oder die von Felix Spranger, der nach 61 Minuten einfach mal eine Ecke direkt ins Tor zirkelte. Vielleicht auch die von Niko Kukuk, der eingewechselt wurde und dann mit einem Heber den schönsten Treffer der Begegnung erzielte. Aber einer toppte sie irgendwie alle. Der Held, der wieder mal hielt: Sascha Imbusch. Der 37-Jährige Keeper, an dem die Barmbeker schon im ODDSET-Pokalviertelfinale daheim an der Dieselstraße verzweifelten und letztlich ausschieden. 

Es lief die 71. Minute, als Schiedsrichter Björn Lassen (Barsbütteler SV) nach einem Zweikampf zwischen Piet Wesling und BUs Jannis Korczanowski im Strafraum auf den Elfmeterpunkt zeigte. Narek Abrahamyan trat für die Gäste an, um auf 1:3 zu verkürzen. Zwei, drei Schritte Anlauf, Schuss – und dann war eben jener Sascha Imbusch, der zwischen den Pfosten des Osdorfer Tore stand, im Weg. Der Schlussmann der Hausherren parierte und es sollte weiter beim 0:3-Rückstand für BU bleiben. Zwar nur für ein paar Minuten, weil dann Abdel Hathat (73.) doch verkürzte und Korczanowski anschließend sogar zum 2:3 erfolgreich war (84.), doch dieser mögliche Punch knappe 20 Minuten vor dem Ende fehlte BU letztlich einfach. Statt eines möglichen 3:3-Remis gab es für die Mannschaft von Coach Marco Stier in der ersten Minute noch einen weiteren Tiefschlag: Nico Kukuks kluger Heber aus knapp 20 Metern über BU-„Goalie“ Oliver Gadtke hinweg zum 4:2-Endstand. Osdorf war obenauf und jubelte, auf der Gegenseite waren die Gesichter lang – wie schon nach dem Pokalspiel.

Wiehle: „Wenn noch einer sagt, Osdorf spielt keinen Fußball, dann hat er keinen Sachverstand“

Prince Hüttner (hi, hier gegen Chris Pfeifer) bereitete das 1:0 des TuS vor. Foto: Heiden

„Das hätten wir wohl auch gewonnen, wenn es da ins Elfmeterschießen gegangen wäre, weil wir mit Sascha einen echten Elfmeter-Killer hinten drin haben“, grinste TuS-Trainer Piet Wiehle nach dem Abpfiff entsprechend, konstatierte aber, dass die Barmbeker „nach unserem zweiten Sieg gegen BU in 14 Tagen“ dennoch nicht sein Lieblingsgegner seien. „Spiele gegen BU sind immer schön, aber das hat mit Lieblingsgegner nichts zu tun. In diesen Partien sind immer viele Emotionen drin. Es war auch diesmal wieder ein geiles Spiel für die Zuschauer. Dass der Gewinner am Ende TuS Osdorf heißt, freut mich natürlich. Das war ein richtiger Prüfstein für das Pokal-Halbfinale gegen Norderstedt am Karfreitag, den wir mit BU vor der Brust hatten. Wir haben das ganz gut gelöst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Jungs, die heute gespielt haben, in der letzten Woche gegen Cordi eine Auszeit bekommen hatten. Da musst du auch erstmal wieder richtig reinkommen.“ Und das kamen sie, die Osdorfer: Beim 1:0 bediente Collet schön den rechts startenden Prince Hüttner, der die Kugel schnell in die Box weiterleitete, wo Samuel Amoah vollendete – 1:0 (12.).

„Wenn ich mir das 1:0 angucke, mit dem Pass in die Tiefe und dem dann quer gespielten Ball – da geht mir das Fußballherz auf. Wenn nochmal einer sagt, dass Osdorf keinen Fußball spielt, dann hat der wohl nicht richtig hingeguckt und keinen Fußball-Sachverstand“, frohlockte Wiehle, für dessen Equipe Collet, der zunächst abgeblockt wurde, dann aber erneut draufhielt und mehr Glück hatte (32.), und Spranger mit seiner direkt verwandelten Ecke nach 61. Minuten (Wiehle: „Ich hab noch nicht so viele Dinger gesehen, die direkt rein gehen“) die Weichen ganz klar auf Sieg stellten. Sehr zur Verwunderung und zum Ärgernis von Marco Stier. „Ich muss mich erstmal sammeln“, gestand dieser nach dem finalen Pfiff der Begegnung, in der seine Equipe tatsächlich die besseren Chancen hatte. „Ich denke, dass es absolut unnötig war, hier zu verlieren“, sagte der BU-Coach und sprach seinem Team „ein großes Kompliment“ aus: „Man muss mal überlegen, wer uns alles gefehlt hat. Niklas Sabas, Louis Mandel, Samuel Hosseini, Tolga Odabas, Fatih Umurhan und wie sie alle heißen. Das sind alles Stammspieler. Wir haben zum Beispiel keine echten Außenverteidiger gehabt. Die Ausfälle waren schon ein herber Schlag für uns.“

Stier: „In meinen Augen ist das eine mehr als unverdiente Niederlage“

Hochgestiegen: Tim Jobmann (li.) gegen den Barmbeker Tim Jeske. Foto: Heiden

Gerade deswegen war Stier nicht völlig unzufrieden – trotz des verlorenen Spiels. Aber da war etwas, was den Übungsleiter der Barmbeker doch mächtig wurmte: „Bei allem Respekt, den ich vor Osdorf und Piet Wiehle habe: Die wissen selbst nicht, wie sie gegen uns gewonnen haben. Sie haben, wenn überhaupt, zwei Mal aufs Tor geschossen und machen vier Treffer. Wir hauen uns die Dinger wieder selbst rein. Wir dominieren das Spiel, haben einen Haufen an Chancen, aber der Fußballgott ist in dieser Saison einfach nicht auf unserer Seite. Hinten scheppert es bei uns sofort. Es war genau wie gegen Süderlebe, gegen den HEBC oder gegen Buchholz: Wir machen das Spiel und der Gegner erzielt aus heiterem Himmel irgendwie Tore. Man hat ganz klar gesehen, welche Mannschaft hier eine Spielphilosophie und -idee hatte und wer die Bälle auf gut Glück nach vorne gehauen hat“, ärgerte sich Stier und fügte hinzu: „Das sind allesamt Spiele, die du nie im Leben verlieren darfst. Dann verschießen wir auch noch den vierten oder fünften Elfmeter in dieser Saison. Das ist bitter, sehr bitter. In meinen Augen ist das eine mehr als unverdiente Niederlage. Die Jungs tun mir leid. Sie kämpfen, aber es soll halt nicht sein.“

Nun, das aber lag auch daran, dass die BU-Defensive bei Treffer Nummer eins nicht sattelfest war, beim letzten Treffer Kukuk laufen ließ und zwischendurch beim zweiten und dritten Gegentor eben wenig Fortune hatte. Oder war es doch Unvermögen? „Wir haben hinten Qualität auf dem Platz, aber wir haben einfach Pech ohne Ende. Vorne haben wir die Chancen, aber die Pille geht nicht rein. Osdorf trifft mit dem Vollspann in den Winkel“, so Stier, der zu Sprangers direkt verwandelter Ecke und dem Auftritt seines Keepers in jener Szene eine klare Meinung hatte: „Ein Ecktentor ins kurze Eck – das ist für mich unverständlich. Unser Torhüter hätte einen oder zwei Treffer verhindern können. Vielleicht hat es ihm nicht gutgetan, dass zur neuen Saison noch ein neuer Torhüter kommt (BU verpflichtete unter der Woche Johannes Höcker vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt ab dem 1. Juli, Anm. d. Red.).“ Und während der BU-„Dirigent“ mit seinem Schlussmann haderte, war Piet Wiehle auf der anderen Seite natürlich immer noch glücklich über den Auftritt von Sascha Imbusch: „Er hat in dieser Woche nur ein Mal trainiert, weil er krank war. Aber wir haben ihm gesagt: Komm her, weil wir sonst gar keinen Torhüter gehabt hätten, weil Nick Schmidt nicht da war.“  Dass unter anderem eben dank Imbusch für Osdorf wieder ein Sieg „im Busch“ war – eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt...

Jan Knötzsch

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