12.11.2017

„Zum Kotzen!“ – Lustermann-Save raubt HEBC den letzten Nerv

In der Nachspielzeit: NTSV-U23 feiert glücklichen Punkt - Trainerteam verlängert

Ein Schmankerl war das Hammonia-Spitzenspiel zwischen dem Rang-Dritten und dem Tabellen-Primus wahrlich nicht - aber spannend ging es am Sachsenweg zu.

Es schien fast so, als hätte Ole Natusch eine Viertelstunde vor Schluss bereits eine Vorahnung gehabt. „Ein schönes Kackspiel“, attestierte der Angreifer des HEBC beiden auf dem Platz befindlichen Teams. Und als sich die schlimmsten Befürchtungen tatsächlich bewahrheiteten, brachte Kevin Franz das auf den Punkt, was sich wahrscheinlich all seine Teamkollegen in diesem Moment dachten: „Zum Kotzen!“

Kjell Brumshagen (li.) entwischt Collins Baafi

Dass der ruhende Ball in der Nachspielzeit für die U23 des Niendorfer TSV überhaupt noch von Bedeutung war, lag nicht zuletzt an Schlussmann Constantin Lustermann. Allzu viel bekam der Keeper nicht zu tun, aber das, was er in der 77. Spielminute zeigte, sorgte für totale Ungläubigkeit auf der einen und blankes Entsetzen auf der anderen Seite. Was war passiert? Kjell Brumshagen entwischte auf der linken Außenbahn dem eigentlich noch für die A-Bundesliga der „Sachsenwegler“ aktiven Nick Neca und passte dann – den Atem von drei Gegenspieler spürend – quer auf den komplett alleingelassenen Ole Natusch. Der Ex-Niendorfer hätte im Spitzenspiel aus kürzester Distanz den berühmt-berüchtigten Deckel auf die Partie drauf machen können, doch Lustermann machte sich ganz lang und lenkte den Ball um den rechten Pfosten. Eine Wahnsinnstat! „Als er den noch rausgeholt hat, hab‘ ich selbst erstmal gestaunt und war kurz sprachlos, was heute selten vorkam“, gestand sein Trainer Matthias Jobmann. „Er hat uns mit diese Aktion im Spiel gehalten!“

Der letzten Woche getrotzt: Blumauer sorgt für Happyend

Bereits gelbverwarnt hielt Youngster Tom Henne (weißes Trikot, Nr. 16) gegen Kevin Franz den Füß drüber und bekam vom Schiri eine letzte Ermahnung.

Und so kam es, wie es fast schon kommen musste – auch wenn es sich eigentlich überhaupt nicht angedeutet hatte: Mike Pegel foulte auf seiner rechten Abwehrseite den bereits aufgerückten Colin Blumauer, der dafür einen Freistoß zugesprochen bekam, in der Nachspielzeit. Der Verteidiger begab sich daraufhin auf den Weg in Richtung Eimsbütteler Strafraum. Moritz Niemann schlug den Standard auf den ersten Pfosten, wo ausgerechnet Blumauer empor stieg und das Leder unter die Latte schädelte – 1:1 (90. +1)! „Letzte Woche haben wir in der 92. Minute das 1:2 gekriegt. Das fand ich ein wenig unverdient. Diesmal machen wir das 1:1 in der Nachspielzeit – und ich denke, weil wir in der zweiten Halbzeit viel Aufwand betrieben haben, nicht ganz unverdient. Wobei der HEBC die besseren Chancen hatte“, analysierte Jobmann, dessen „Rasselbande“ gut ins Spiel kam. Kurz nach Anpfiff verlor Daniel Prange, der in der Folge nahezu jeden Zweikampf gewann, gegen Niendorfs Liga-Leihgabe Tarek Abdalla den Ball. Der Ex-Victorianer, der ansonsten blass blieb, bediente rechts am Strafraum Artur Krüger, dessen Schuss von Tino Nennhaus pariert wurde. Den Abpraller verpasste Abdalla zunächst, ehe Maximilian Danzer zum Schuss ausholte – aber Prange machte seinen Fehler wieder wett und kratzte die Kugel von der Linie. Doch das sollte es für ganz lange Zeit mit Offensivaktionen der Hausherren, die in der Vorwoche die Herbstmeisterschaft verspielten und den inoffiziellen Titel an den heutigen Konkurrenten abtreten mussten, gewesen sein.

Ex-Niendorfer Natusch bringt HEBC in Front

Anschließend entschuldigte sich Henne (li.) bei Franz für sein Einsteigen.

Stattdessen wurde der Gast nun immer besser und dominanter. „HEBC hat viele gute Fussis in den Reihen und es uns wirklich schwer gemacht“, so Jobmann. „Wir haben versucht, mit unserer Taktik, die Stärken des HEBC raus zu nehmen, es Ihnen so schwer wie möglich zu machen. Ich glaube auch, dass uns das ganz gut gelungen ist. Denn so viele Torchancen hatten sie auch nicht.“ Erst entschärfte Lustermann einen 17-Meter-Versuch von Kevin Franz, der nach toller Stafette über Hermes, Natusch und Brumshagen abschließen konnte, stark. Dann verfehlten Brumshagen, im allerletzten Moment von Blumauer entscheidend gestört, und Maximilian Priebe, per Kopf nach Brumshagen-Flanke, mit ihren Abschlüssen das Ziel. Auf der Gegenseite probierte es Krüger nach einer Nennhaus-Faustabwehr in die Mitte und zielte nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei. Es lief bereits die Nachspielzeit des ersten Durchgangs, als der aufgerückte Prange einen Pass über die Kette hinweg spielte und Youngster Neca den Halblinke durchstartenden Natusch aus den Augen verlor. Der Routinier konnte Lustermann aus spitzem Winkel erst im zweiten Anlauf bezwingen – 0:1 (45. +1)!

Niendorfer U23-Trainerteam verlängert

Ole Natusch brachte sein Team gegen den Ex-Verein in Front, vergab dann aber die Riesenchance zur Entscheidung.

Nach Wiederanpfiff hätten die „Veilchen“ vorzeitig für klare Verhältnisse sorgen können. Erst bekam Jan Geist von Collins Baafi, der einen kapitalen Rückpass spielte, ein Gastgeschenk serviert, konnte dieses aber nicht annehmen, weil Blumauer wieder mit einem exzellenten Tackling zur Stelle war (60.). Dann hatte der zweite A-Jugendliche Tom Henne, der nach der Pause in die Partie kam und etwas ungestüm wirkte, großes Glück, als er für sein Tackling gegen Franz nicht seine zweite Gelbe Karte sah (67.). In der Folge verflachte das Geschehen, bis zur Riesenchance für Natusch, der gegen seinen Ex-Klub alles hätte klarmachen können, wenn Lustermann nichts dagegen gehabt hätte (77.). Eigentlich hatte der HEBC alles unter Kontrolle – doch dann brach die Nachspielzeit an…

„Vielleicht hatten wir dieses Mal das Glück, was wir letzte Woche gegen uns hatten“, bilanzierte Jobmann, der mit einer Truppe antrat, die einen Altersschnitt von knapp über 19 Jahren hatte. Auch deshalb – und natürlich aufgrund des Spielverlaufs: „Wir sind glücklich, dass wir den Punkt mitgenommen haben.“ Frohe Kunde hatte auch NTSV II-Manager Rüdiger Steiger vor dem Spiel: „Das komplette Funktionsteam der U23 hat am Freitag verlängert!“ Jobmann dazu: „Wir verlangen von unseren Spielern, dass sie ehrgeizig sind und das Ziel anstreben, höher kommen zu wollen. Ich habe genau das gleiche Ziel – und hier in Niendorf hat man ein super Umfeld. Wir haben ein Team, mit dem es jeden Tag aufs Neue Spaß macht, zu arbeiten. Und was Besseres zu bekommen, als Niendorf, ist auch nicht so einfach. Wir hatten die ersten Jahre einen schwierigen Aufbau, aber im Moment bringt es richtig viel Spaß. Und ein Stück weit gibt uns der Erfolg ja auch recht.“

Autor: Dennis Kormanjos

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