20.02.2019

Zinn: „Berne ist wie eine kleine Familie, die man nicht einfach so verlässt“

TuS-Youngster im Interview über die Saison und seine Zukunft

Mit 22 Jahren bereits einer der "Leader" des TuS Berne: Jonathan Zinn (2. v. re.). Foto: timelash.de

Er ist eines der Gesichter für den sportlichen Aufschwung des TuS Berne. Auch wenn es in dieser Saison einige Rückschläge zu verkraften gab, hat sich Jonathan Zinn zu einem absoluten Führungsspieler beim Hansa-Landesligisten entwickelt – und das mit gerade mal 22 Jahren. Schon in der vergangenen Saison, dem Aufstiegsjahr, war der Linksfuß mit elf Treffern bester TuS-Schütze. Die Leistungen des „Blondschopfes“, der sowohl auf den offensiven Flügeln – oder auch mal hinten links in der Kette – wie auch im Mittelfeld-Zentrum zum Einsatz kommt, weckten auch das Interesse anderer Vereine. Wir haben mit Zinn gesprochen!

FussiFreunde: Nun bist du einer dieser „jungen Wilden“, der für den Erfolg des TuS Berne in den letzten zweieinhalb Jahren steht. Wie beurteilst du die Entwicklung des Vereins?

Bei den Mannen aus dem "Berner Beu" trägt Zinn bereits die Kapitänsbinde. Foto: Bode

Jonathan Zinn: „Die Entwicklung nehme ich äußerst positiv wahr. Wir haben schon in meinem ersten Herren-Jahr eine tolle Saison gespielt – mit attraktivem Fußball und viel Spektakel. Im folgenden Jahr konnten wir das Ganze mit dem Aufstieg und der Meisterschaft natürlich krönen. Die erste Landesliga-Saison war auch sehr solide. Trotz der zwischenzeitlichen Unruhe – durch viele Abgänge – haben wir uns als Mannschaft gut verkaufen können. Dem Verein tut es sehr gut – und auch den eingeschweißten Zuschauern eine solche Freude zu bereiten, war ein sehr schönes Gefühl!“

Und wie siehst du deine persönliche Entwicklung?

Zinn: „Die empfinde ich auch als sehr positiv. Ich habe anfangs von Frank (Neben, Trainer; Anm. d. Red.) alle Freiheiten bekommen und konnte befreit aufspielen, ohne Angst haben zu müssen, Fehler zu machen. Mit der Zeit habe ich natürlich auch mehr Verantwortung übernommen, was mich noch mal hat reifen lassen. Dass ich mich immer sehr wohl gefühlt habe, hat einen großen Teil dazu beigetragen.“

Durch deine Leistungen hat man deinen Namen hier und da auch mal bei höherklassigen Clubs herumgeistern hören – unter anderem bei Sasel. Warum hast du dem TuS bisher immer die Treue gehalten – obwohl es die Möglichkeit gab, auch eine Liga höher zu spielen?

Zehn seiner elf Tore erzielte Zinn (re.) in der Vorsaison in seinen letzten elf Einsätzen. Foto: Bode

Zinn: „Das ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn man das Interesse eines Clubs wie Sasel weckt. Mit Danny war ich auch länger im Kontakt und er macht wirklich eine gute Arbeit. Dass der Wechsel nicht zustande kam, hatte mehrere Aspekte. Zum einen bin ich beruflich im Vertrieb tätig und muss häufig samstags arbeiten. Teilweise bis 20:30 Uhr, wodurch eine regelmäßige Trainingsbeteiligung schwierig geworden wäre – und die muss man in der Oberliga sicherstellen, wenn man spielen will. Außerdem war ich auch regelmäßig mit Frank in Gesprächen und ich fühle mich ungemein wohl in Berne. Das ist wie eine kleine Familie, die man nicht so einfach verlässt. Schlussendlich habe ich mich dazu entschlossen, ein weiteres Jahr mit Berne zu gehen, um meine Erfahrungen als Führungsspieler mitzunehmen und weiter daran zu wachsen.“

Nun habt ihr eine eher durchwachsene Hinrunde hinter euch. Woran lag’s aus deiner Sicht, dass es nicht so lief, wie gewünscht?

Immer mit vollem Einsatz dabei: Jonathan Zinn (re.). Foto: timelash.de

Zinn: „Das stimmt. Da kam wirklich alles zusammen, was nur hätte passieren können. Es fängt damit an, dass wir viele Jungs dazu bekommen haben, für die es die erste Saison im Herren-Bereich und dann gleich in der Landesliga ist. Diese Jungs musst du eigentlich langsam ranführen und ihnen Freiheiten geben, wie ich sie früher bekommen habe. Aufgrund von sehr vielen Verletzten wurden sie aber schnell in die Pflicht genommen und mussten teilweise Positionen spielen, auf denen sie nicht zuhause sind. Wir waren teilweise 13 Mann beim Spiel und haben wirklich auch ärgerlich sowie unnötig Punkte liegen lassen. Da kommt man schnell in eine Negativ-Spirale, wo man nicht so leicht wieder rauskommt. Der Sieg gegen Kosova war da so ein Stück weit ein Schlüsselmoment, den wir uns erarbeitet haben. Mit dem Sieg kam auch der Glaube jedes einzelnen Spielers wieder und auch das Glück war ein wenig mehr auf unserer Seite.“

Mit Marco Theis ist einer der Garanten für den Aufschwung in Berne im Winter aus Rahlstedt zurückgekommen. Ein Faktor, dass es sportlich wieder bergauf geht – oder anders gefragt: Wie sicher bist du dir, dass ihr nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben werdet?

Zinn (re.) im Duell mit Lohbrügges Duro Arlovic. Foto: Bode

Zinn: „Erstmal bin ich sehr froh, dass unser ‚Mini-Robben‘ wieder da ist. Wir verstehen uns sowohl auf als auch neben dem Platz blendend und er wird uns sicher weiterhelfen können. Natürlich war er fast ein Jahr lang verletzungsbedingt raus und muss auch erstmal wieder zu seinen 100 Prozent kommen, aber er ist auf einem sehr guten Weg. Am Ende des Tages kommt es aber auf uns alle an und dass wir als Einheit funktionieren. Die letzten Spiele der Hinrunde haben mir viel Mut gemacht und es macht Spaß, mit den Jungs zusammenzuarbeiten. Wir müssen da Schritt für Schritt gehen und jede Woche hart arbeiten, aber da bin ich sehr zuversichtlich!“

Wie sieht’s denn mit deiner sportlichen Zukunft aus: Hast du in Berne schon für die neue Saison zugesagt oder besteht aus Sicht des Vereins die „Gefahr“, dass du dann bei einem ambitionierten Oberligisten unterkommen wirst?

Zinn: „Ich habe immer gesagt, dass ich gerne noch mal an meine Grenzen gehen würde und höherklassig spielen möchte. Ich muss allerdings sehen, wie sich das jetzt im Sommer beruflich entwickelt und was das Beste für mich in der Situation dann ist. Ich bin immer mit Frank im Kontakt und ich kann mir sehr gut vorstellen, in Berne zu bleiben. Man wird sehen, was die Zeit mit sich bringt.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren

Mehr zum Thema