11.10.2018

Wundertüte Werder Bremen – Was ist drin für das Team von der Weser?

Die Fans von Werder Bremen können wieder feiern – und das zu Recht. Die norddeutschen Profifußballer von der Weser haben in dieser Bundesligasaison einen grandiosen Start hingelegt und standen zwischenzeitlich, nach ihrem Sieg gegen den VfL Wolfsburg zu Beginn des 7. Spieltags, für eine Nacht sogar auf Tabellenplatz 2. Nach Platzierungen eher im unteren Tabellenmittelfeld in den letzten acht Jahren (mit Ausnahme der Saison 09/10) ist es auch durchaus mal Zeit, dass sich die Grün-Weißen wieder von ihrer besseren Seite zeigen.

Zuletzt war dem Verein 2004 die Meisterschaft gelungen und das in einem beispiellosen Durchmarsch mit 23 Siegen in Folge und sagenhaften 11 Punkten Vorsprung. Doch damit nicht genug: Auch den DFB-Pokal holten sich die Bremer 2004 und schafften so als dritte Mannschaft überhaupt in der Bundesliga das Double. Danach kam der stetige Abstieg. Nach mehreren Personalveränderungen in der Mannschaft und Abgängen wichtiger Spieler kämpfte der Verein immer merklicher gegen die Tabellengravitation, musste Niederlagen einstecken, machte aber vereinzelt immer wieder mit eindrucksvollen Siegen auf sich aufmerksam.

Starker Start in die Saison

In der aktuellen Saison zeigen die Jungs von Werder mal wieder, was für eine starke Heimmannschaft sie doch sind. In ihrem 16. Bundesliga-Heimsieg in Folge (erstmalig seit Otto Rehagel-Zeiten) bezwangen sie nach anfänglichen Schwierigkeiten den VfL Wolfsburg mit einem 2:0 Sieg. Das bedeutete nicht bloß den kurzfristigen zweiten Platz in der Bundesliga-Tabelle, sondern zugleich auch den Zug vorbei am großen, ewigen Konkurrenten und Erzrivalen aus dem Süden, dem 1. FC Bayern München. Allein dies muss an diesem Abend für viele Bremer Grund genug gewesen sein, um mit Genugtuung die Kronkorken fliegen zu lassen.

Die nötige Konzentration

Besonders positiv zeigt sich in diesem Zusammenhang Kapitän Max Kruse. Gleichauf mit seinen Kollegen Klaassen und Maximilian Eggestein konnte er insgesamt bereits zwei Treffer erzielen sowie einen Treffer vorbereiten und so maßgeblich zum Erfolg des Saisonstarts in der Bundesliga beigetragen. Es scheint, als sei Kruse diese Saison wieder hochkonzentriert und könne so seinen Erfolg in Bremen zementieren.


Dies sah auch schon mal anders aus, zu einer Zeit, als er mit seiner Pokerleidenschaft wiederholt für Furore sorgte. Dieser geht Kruse zwar noch immer unverblümt nach und konnte auch in diesem Jahr während der Sommerpause beim Pokerspielen in Las Vegas angetroffen werden, doch scheint er die richtige Dosis gefunden zu haben, die es ihm ermöglicht seinem Hobby nachzugehen und gleichzeitig den Fußball nicht aus den Augen zu verlieren. Seine Spiele sprechen für sich: Er scheint stärker, fokussierter und kontrollierter zu sein als jemals zuvor. Keine Frage: Max Kruses Qualität wird definitiv über den Verbleib des Vereins im oberen Viertel der Tabelle entscheiden.

Das Urgestein

Auch Claudio Pizarro zeigt sich von seiner bekannten besten Seite. Der Peruaner ist nun schon, mit vereinzelten Pausen, seit 1999 bei Werder Bremen unter Vertrag und mittlerweile 40 Jahre alt. Das macht ihn aktuell zum ältesten Spieler in der Bundesliga, zum Ende der Saison könnte er Mirko Votava (ebenfalls Werder) auf dem vierten Platz des Bundesliga-Alters-Rankings überholen. Und Pizarro joggt nicht einfach gemütlich über den Platz: So absolvierte er im oben genannten Spiel gegen den VfL Wolfsburg frisch eingewechselt bereits seine zweite Torvorbereitung in dieser Saison.

Gute Planung, klare Perspektive

Das Spiel am 7. Spieltag war es aber auch nicht allein, was den jüngsten Siegeszug der Werder Truppe bestimmt hat. Besonders der 3:2 Erfolg gegen Augsburg am 4. Spieltag katapultierte Bremen an der Europa League vorbei in die Tabellenspitze. Star dieses Spiels: Ganz klar Davy Naassen. Dieser schoss nach dem Beginn der zweiten Halbzeit, der mit zwei Aufholtreffern der Augsburger für ernsthafte Schreckmomente unter den Bremer Fans sorgte, das Erlösungstor zum Sieg. Und auch im Spiel gegen Wolfsburg war es Klaassens Treffer in der 35., der den Knoten für die Bremer platzen ließ.


Der Niederländer, der an Werder Bremen besonders die Planung und die klare Perspektive in Richtung Champions League schätzt, war mit 13,5 Millionen Euro Ablösesumme im Sommer nach Bremen gekommen, ein Rekord für den Verein an der Weser. Für beide Parteien offensichtlich ein gutes Geschäft, denn mit 2 Treffern in den ersten sieben Spielen und einer große Zufriedenheit Klaassens in der Mannschaft erfüllen sich viele Voraussetzungen für eine gute Saison.

Unter ernsthafter Beobachtung

Nichtsdestotrotz wird sich Bremen in den nächsten Spielen weiter beweisen müssen. Auf Platz vier stehen sie aktuell noch immer in der Champions League Qualifikation, allerdings müssen sie noch einiges tun, um diesen Platz zu halten. Geht es so weiter, gibt es sicherlich keinen Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen und schon jetzt steht der Verein unter ernsthafter Beobachtung der Buchmacher, die sich die Chancen der unterschiedlichen Mannschaften auf den Titel errechnen.


In den nächsten beiden Spielen wird es gegen Schalke und Leverkusen gehen, zwei Mannschaften, die momentan am unteren Rand der Tabelle über dem Relegationsplatz herumdümpeln. Schafft es Bremen hier, auch in der Veltins Arena, die Nerven zu behalten und neben ihrer hervorragenden Heimstatistik (1:1, 1:1, 3:1, 2:0) auch ihre noch gute aber wackelige Auswärtsstatistik (1:2, 2:3, 2:1) aufzupolieren, dann sehen sich die Profis von der Weser schneller einer Sensation gegenüber, als es sich ihre Fans am Anfang der Saison möglicherweise erträumt haben.

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