23.12.2018

Wulffs Abschluss-Sorgen: „Wir kennen den Weg zum Tor, aber nicht ins Tor“

SVCN-Coach weiß um die Gründe, warum nicht „fünf bis zehn Punkte mehr“ auf dem Konto sind

Noch nicht aller Sorgen ledig: Coach Matthias Wulff und der SVCN müssen die hinter sich platzierte Konkurrenz im Blick behalten. Foto: Bode

Vor der Saison sagte Matthias Wulff: „Torsten Henke hat einen Top-Boden für uns bereitgelegt.“ Nun, ein knappes halbes Jahr später, zieht der Coach des SV Curslack-Neuengamme mit uns Bilanz: In wie weit hat sich die Saat, die der Neu-Coach zusammen mit seinen beiden Co-Trainern Daniel Grosse und Marco Wyrwinski auf diesen „Top-Boden“ gestreut hat, entwickelt? Wie ist die bisherige Ernte zu beurteilen? Reicht der Ertrag, den der SVCN bislang eingefahren hat? Im Gespräch blickt Wulff auf eine zunächst nicht enden wollende Heim-Misere, knappe Kicks, sein Personal und die neue Flexibilität der Kicker vom Gramkowweg zurück und spricht über die Ziele für die Restserie.

Man müsse, erklärt der 36-Jährige direkt zu Beginn, die Analyse des bisherigen Saisonverlaufs „differenziert sehen. Rein punkte-technisch ist unsere Ausbeute mit 23 Punkten okay, aber nicht gut. Wir hätten uns natürlich gewünscht, mehr Punkte zu holen.“ Grundsätzlich dürfe man aber, und damit steigt Wulff tiefer in die Materie ein, auch nicht vergessen: „Es gab nach 16 Jahren Torsten Henke beim SVCN im vergangenen Sommer einen großen Umbruch.“ Es seien zwar viele Spieler geblieben, aber eben auch diverse neue dazugekommen. „Wir haben an vielen Themen gearbeitet und ich denke, wir haben dabei eine gute Entwicklung hinbekommen. Die müssen wir jetzt verfestigen, um konstant zu bleiben“, so der Coach, der nach dem letzten Spiel im Jahr 2018 auch mit seiner Mannschaft Bilanz zog.

„Insgesamt waren wir in den Spielen mit der Dreierkette erfolgreicher“

Sebastian Spiewak (li, hier gegen Osdorfs Jeremy Wachter) zählte bisher zu den Stabilisatoren der Curslack-Defensive. Foto: Bode

„Ich erinnere mich an das Spiel gegen Vicky, wo wir glücklich gewonnen haben. Da hätten wir uns nicht beklagen können, wenn wir weniger Punkte geholt hätten. Aber es gab auf der anderen Seite auch viele Spiele, aus denen wir mehr hätten mitnehmen können: Da waren die Heimspiele zu Beginn gegen Buchholz, Condor und Meiendorf, aber auch die Partien gegen Cordi und Altona vor eigenem Publikum, wo wir gut ausgesehen haben. Auch gegen Dassendorf oder in Osdorf hätten wir tendenziell ein, zwei Punkte mehr holen können“, gibt Wulff zu Protokoll und ergänzt: „Fünf bis zehn Punkte mehr waren drin und hätten unsere Arbeit mehr unterstrichen. Dann wären wir jetzt vielleicht Neunter oder Zehnter und hätten einen entspannteren Blick auf die Tabelle.“ So aber muss der SVCN erst einmal noch wachsam sein, was sich auf den Plätzen hinter den Kickern vom Gramkowweg abspielt – und Matthias Wulff muss Ursachenforschung betreiben, warum diese Zähler fehlen.

„Zum einen hängt das mit dem Umbruch zusammen, zum anderen sind wir nicht effektiv genug gewesen. Wir erarbeiten uns im Spiel zehn bis 15 Aktionen nach vorne, aber wir machen zu wenig daraus. Man könnte sagen: Wir kennen den Weg zum Tor, aber nicht ins Tor“, so der SVCN-Trainer. Die Erklärung dafür? Nach drei kurzfristigen Abgängen in der Offensive fielen obendrein auch noch Arnold Lechler, Niklas Hoffmann und Marco Schubring aus verschiedenen Gründen aus. „Wir hatten nur noch Timo Lenz und Niko Driebel als echte Stürmer“, konstatiert Wulff, der deutlich von einem „Problem bei der Torausbeute“ spricht. Die Heimspiele gegen Condor, Meiendorf oder Buchholz seien ein Beleg dafür: „Diese Spiele haben wir überlegen gestaltet, aber uns vorne nicht belohnt“ Auch eine Erklärung dafür, warum der SVCN vom Saisonstart bis zum 13. Oktober 2018 ohne einen Erfolg am Gramkowweg blieb und erst dann – beim 7:0 gegen den VfL Pinneberg – den ersten Heim-„Dreier“ einfuhr.

„Verlieren wir gegen Condor, sind's zwei Punkte zur Abstiegszone – mit einem Sieg sind wir acht weg“

Mit der Rückkehr des lange verletzten Arnold Lechler (li., hier gegen Incheol Choi vom SC Condor) verbindet man am Gramkowweg große Hoffnung. Foto: Bode

Kommen wir damit von vorn nach hinten: Vorm Start in die laufende Serie hatte Wulff angekündigt, flexibler agieren zu wollen. Sol heißen: mal mit einer Dreier- und mal mit einer Viererkette in der Abwehr, zum Beispiel. Hat sich diese Flexibilität ausgezahlt? „Ich denke, dass wir inzwischen auch im Spiel kein Problem damit zu haben, das System zu verändern. Ich würde sagen: Wir sind also weitergekommen“, sagt Wulff und unterlegt dies mit Zahlen: „Wir haben je zehn Mal mit einer Dreier- und zehn Mal mit der Viererkette gespielt, insgesamt waren wir mit der Dreierkette erfolgreicher. Ich weiß, dass es vorher Befürchtungen gab, dass wir damit in der Defensive anfälliger sein würden. Das hat sich nicht so herausgestellt“, so der Coach, der dennoch feststellt: „Mit den Niederlagen zuletzt gegen Sasel und Buchholz und den acht Gegentreffern aus diesen Spielen haben wir die Bilanz hinten raus etwas kaputt gemacht.“ 

Eine Sache, die es in der Restserie wieder aufzupolieren gilt. „Wir wollen schnellstmöglich in den gesicherten Mittelfeldbereich – allerdings nicht, ohne die spielerische Weiterentwicklung außer Acht zu lassen“, blickt Wulff voraus. „Durch die Niederlagen gegen Sasel und Buchholz haben wir den Anschluss abreißen lassen. Das erste Spiel nach der Winterpause bei Condor wird wichtig: Wir müssen uns Luft nach unten verschaffen. Wenn wir da verlieren, sind es zwei Punkte bis zur Abstiegszone, mit einem Sieg sind wir acht Punkte weg“, weiß der Coach, was auf ihn uns seine Mannschaft zukommt. In der übrigens wird personell „tendenziell nicht viel passieren“, sagt Wulff. Mark Brudler wird studienbedingt ein halbes Jahr in Wolfsburg sein und „uns nicht zur Verfügung stehen, da hätten wir Bedarf. Aber ich bin kein Fan von Schnellschüssen.“ Zudem hat der SVCN diverse „gefühlte Zugänge“: Der bislang gesperrte Marco Schubring darf ab dem 1. Januar endlich ran und „Lechler, Julian Künkel und Julian Kerschke, die uns bislang wegen Verletzungen nicht komplett zur Verfügung standen, werden nach aktuellem Stand in der Rückrunde dauerhaft dabei sein“, so Wulff abschließend. 


Jan Knötzsch

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