Oberliga

Wogen geglättet, vorzeitige Glückwünsche: „Dasse-Männer“ überwintern an der Spitze!

07. Dezember 2019, 17:54 Uhr

Die beiden Dassendorfer Torschützen liegen sich in den Armen: Sven Möller (re.) gratuliert Mattia Maggio nach dessen Führungstor. Foto: KBS-Picture.de

Nach dem ersten Aufeinandertreffen beider Teams sorgte die Pressekonferenz im Nachgang – Dassendorf-Sportchef Jan Schönteich und BU-Coach Marco Stier gerieten verbal aneinander – noch für jede Menge Gesprächsstoff. Nun kam es am Wendelweg zum „Revival“ – und nach dem 2:0-Triumph im Gipfeltreffen war Schönteich daran gelegen, die Wogen zu glätten: „Ich würde es gerne von meiner Seite aus klarstellen“, eröffnete er die PK – und fügte an: „Wir haben uns ein bisschen ‚gekachelt‘, aber ein paar Emotionen gehören im Fußball ja auch dazu“, ehe er Stier direkt ansprach und die Diskrepanzen mit einem Handschlag aus der Welt räumte: „Du bist ein ganz netter und erfolgreicher Fußballtrainer – und ich hoffe, dass wir uns in der Oberliga noch ein bisschen erhalten bleiben.“

Zum Sportlichen: Er sei „natürlich ein bisschen enttäuscht“, war Stiers Gemütslage ein wenig bedrückt. „Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Sieg für Dassendorf in Ordnung geht und verdient ist“, erkannte er die Leistung des Spitzenreiters neidlos an. „Mit der ersten Halbzeit war ich zufrieden. Wir hatten sogar ein leichtes Übergewicht. Aber in der zweiten Hälfte hat Dassendorf richtigen Männer-Fußball gespielt. Da hat man dann gesehen, dass der Unterschied zwischen Dassendorf und BU auf jeden Fall noch da ist. Sie haben richtig gut verteidigt und uns immer wieder unter Druck gesetzt, so dass wir überhaupt keine Torchancen und gar keinen Zugriff mehr hatten. Eine tolle Mannschaft, die heute wieder gezeigt hat, welch tolle Kicker sie hat.“ Wenig später beendete der Trainer des HSV Barmbek-Uhlenhorst die Saison vorzeitig – zumindest im übertragenen Sinne: „Auch wenn ihr das nicht gerne hört, ist das meine Einschätzung – und damit liege ich eigentlich immer ganz gut: Damit kann man Dassendorf schon zur Meisterschaft gratulieren. Und Teutonia noch nicht zum Aufstieg, aber dazu, dass sie auf jeden Fall in die Relegation kommen. Wir sind jedenfalls erstmal raus aus dem Rennen. Der erste und zweite Platz sind vergeben. Wir kämpfen mit Vicky, Sasel und Niendorf um den dritten Platz.“

„Die Stimmung war gut, weil wir wussten, dass wir uns selbst im Weg standen“

Tim Jeske (re.) musste bei den Gästen frühzeitig verletzt am Knöchel raus. Foto: KBS-Picture.de

Dabei hätte die Partie vor lediglich 154 zahlenden Zuschauern im ersten Abschnitt in eine ganz andere Richtung kippen können – wenn Narek Abrahamyan nicht zum großen „Unglücksraben“ avanciert wäre. Erst ließ der Barmbeker Offensivakteur die „Hundertprozentige“ zur Führung für sein Team leichtfertig liegen (23.), ehe er nahezu im direkten Gegenzug den Ball vertändelte und nicht nachsetzte. Dies nutzte die TuS, um über „Balleroberer“ Henrik Dettmann, Sven Möller und abermals Dettmann zum 1:0 zu kommen. Mattia Maggio zog von halblinks nach innen und wuchtete das Leder in den rechten Knick (24.). Johannes Höcker war noch dran, konnte den Einschlag allerdings nicht mehr verhindern. „Das Tor war unglaublich gut herausgespielt“, strahlte Jean-Pierre Richter, dessen Elf keinerlei Nachwirkungen von der ersten Saison-Pleite in der Vorwoche gegen Teutonia 05 (2:3) zeigte. „Wir brauchten keinen Nackenschlag, keinen Weckruf, gar nichts. Die Stimmung war am Dienstag beim Training schon wieder gut, weil wir wussten: Wir hatten mehr den Ball, mehr Möglichkeiten, standen uns aber so ein bisschen selbst im Weg, weil wir vorne die Chancen nicht genutzt haben und die Gegentore hinten zu leicht durch individuelle Fehler verursacht haben.“

„In der zweiten Halbzeit haben wir ganz viel dafür getan“

Mattia Maggio (li.) holt aus und jagt die Kugel zum 1:0 in den rechten Winkel. Foto: KBS-Picture.de

Vor allem im zweiten Durchgang ließ „Dasse“ überhaupt nichts mehr anbrennen. Einzig das knappe Resultat hielt die Spannung aufrecht. Erst in der 83. Minute war es Sven Möller, der nach einer mustergültigen Flanke des allein gelassenen Marcel Lenz von rechts am zweiten Pfosten schulbuchmäßig per Flugkopfball die Vorentscheidung herbeiführte. „In der ersten Halbzeit hätte es in beide Richtungen ausschlagen können. Nach der Pause haben wir dann ganz viel dafür getan, dass es in unsere Richtung ausschlägt. Wir haben ganz wenige Chancen zugelassen, den Plan gut umgesetzt und auch das zweite Tor schön herausgespielt“, befand Richter, der „eine Top-Mannschaft als Gegner“ sah, „die uns immer wieder gezwungen hat, weite Läufe in die Tiefe zu gehen. Wir mussten immer wieder sehr konsequent und taktisch diszipliniert dagegen agieren, um uns den Ball überhaupt gezielt zu holen.“ Aber: „Wir wollten uns mit einem Sieg verabschieden. Und die Jungs haben sich das jetzt erstmal verdient, dass uns diese Mischung aus Leidenschaft und Motivation auf dem Feld gepaart mit einer unglaublichen Qualität und gewissen Geduld in ganz vielen Spielen, eine angenehme Winterpause, die wir als Tabellenführer erleben, bringt.“

„Es ist noch ein weiter Weg“

Anschließend bejubelte Maggio seinen zwölften Saisontreffer. Foto: KBS-Picture.de

Stiers vorzeitige Glückwünsche zur Meisterschaft wollte „JPR“ jedoch noch nicht entgegennehmen: „Der gegenseitige Respekt ist dafür zu groß, um voreilige Schlüsse zu ziehen. Das ist eine Staffel, in der gestern wieder irgendwelche Handball- und Hockey-Ergebnisse entstanden sind. Wer weiß, was da noch passiert. Aber wir haben noch 13 Spiele und man kann sich sicher sein, dass wir die auch gewinnen wollen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg und abgerechnet wird erst im Mai.“ Abgerechnet hatte Referee Dr. Michael Ehrenfort (TuRa Harksheide) in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten auch mit BU-Co-Trainer Yusuf Akbel, der wegen lautstarken Reklamierens die Ampelkarte sah, sich auch in der Halbzeitpause nicht beruhigen konnte und weiter schimpfte, ehe Ehrenfort ihm sogar Platzverhot erteilte.

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Autor: Dennis Kormanjos

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