BZ Süd

„Wir weisen die Rassismusvorwürfe entschieden zurück“

Wüste Beschimpfungen und Tritte? Zonguldakspor bezieht Stellung

06. März 2019, 13:55 Uhr

Foto: noveski.com

In der Tabelle der Bezirksliga Süd trennten den FC St. Pauli IV und Zonguldakspor vor dem direkten Aufeinandertreffen nur ein Punkt. Für beide Teams ging es um wichtige Zähler im Kampf gegen den Abstieg. Am Ende behielten die „Kiezkicker“ mit 2:1 die Oberhand, schoben sich an Zonguldakspor vorbei und verschafften sich ein wenig Luft. Doch die sportliche Schiene geriet schnell in den Hintergrund…

„Sehr geehrte Gegner von gestern – und morgen, wir sind keine ‚Nazi-Nigga‘, ‚Kartoffel-Kanaken‘ oder ‚schwule Hurensöhne‘ – eine kleine Zusammenfassung der gestrigen Beleidigungen von Gegenspielern und deren Fans“, veröffentlichten die Hausherren im Anschluss an die Partie ein Statement auf ihrer „facebook“-Seite. Dort heißt es weiter: „Wir sind Fußballspieler vom FC St. Pauli, keine professionellen, aber recht faire – sogar mit der Auszeichnung als fairste Hamburger Bezirksligamannschaft der Hinrunde 2018/19. Wir verstehen, dass Fußball voller Ehrgeiz und Provokation steckt, da können auch Amateure richtige Profis sein. Wir haben aber absolut kein Verständnis, wenn Beleidigungen die Werte von St. Pauli angreifen, es handgreiflich wird, einer unserer Spieler zu Boden getreten wird und weitere Tritte in den Rücken erhält oder unserem Co-Trainer ein Kick verpasst wird, so dass sein Sprunggelenk gebrochen ist und zwei OPs die Folgen sind. Kein Verständnis!“

Harte Vorwürfe, die die aktuell immer akuter aufkommende Thematik von Gewalt auf den Sportplätzen in seiner unschönsten Form unterstreichen. „Wir sind zwar zum ersten Mal Opfer derartiger Angriffe, doch diese Vorfälle dürfen nicht in den unzähligen Sportgerichtsverhandlungen untergehen. Deshalb haben wir uns für dieses öffentliche Statement entschieden“, so die St. Paulianer, die bei neuerlichen Vorkommnissen dieser Art mit einer klaren Haltung rangehen: „In Zukunft setzen wir ein Zeichen auf dem Platz und werden solche Spiele abbrechen, denn wir teilen unser geliebtes Hobby Fußball nicht mit diesen Menschen. Unsere Meinung ist: Jede Mannschaft hat das Recht auf Abbruch. Brecht ab, bevor es eskaliert. Kommt als Team zusammen und entscheidet gemeinsam, ob ihr unter diesen Umständen weiterspielen wollt. Nehmt die Entscheidung den Schiedsrichtern ab, die schon genügend aushalten müssen. Schützt euch, das Team, die Fans und den Amateurfußball. Denn wir müssen morgen alle wieder arbeiten. Nur unser Jörn kann es leider nicht – gute Besserung!“

„Wir weisen die Rassismusvorwürfe entschieden zurück“

Nun haben sich die Verantwortlichen von Zonguldakspor mit einer Stellungnahme zu den Geschehnissen und Vorwürfen zu Wort gemeldet und „möchten auf diesem Wege Klarheit schaffen“, wie es heißt. Und weiter: „Es sind unsportliche Aktionen auf dem Platz geschehen. Einer unserer Spieler hat eine Rote Karte gesehen, der andere wurde des Feldes verwiesen nachdem ein Gegenspieler in Folge einer Rangelei zu Boden ging und der Co-Trainer getreten wurde. Wir weisen die Rassismusvorwürfe entschieden zurück. Es ist nicht erwähnenswert, dass unsere Mannschaft zu 100 Prozent aus Spielern mit Migrationshintergrund besteht; diese Spieler kennen das Gefühl von rassistischen Pöbeleien auf dem Platz am besten“, bestreiten die Offiziellen des Tabellen-13. die von Gastgeber-Seite geschilderten Beschimpfungen. „Es sind mit Sicherheit Äußerungen unter den ganzen Spielern gefallen, die unserem Sport nicht würdig sind, aber sicherlich keine, wie in dem Bericht dargestellt. Hierbei möchten wir betonen, dass kein Spieler auf dem Feld davon ausgeschlossen ist. Dass die Spieler der gegnerischen Mannschaft von der ersten Minute an aggressiven Fußball gespielt haben, war leider auch kein Paradebeispiel für die Farben des Vereins“, erhebt Zonguldakspor ebenfalls Vorwürfe – und untermauert diese: „In Sachen Fairness besteht bei ihnen ein großes Defizit.“

Dagegen wolle man „auf diesem Wege den Schiedsrichtern unser Lob für eine sehr gute und objektive Leistung aussprechen“, ehe man abschließend erklärt: „Wir als Zonguldakspor Hamburg wollen und werden keine Aggressionen jeglicher Form auf dem Sportplatz dulden. Die Spieler, die an dem Spieltag negativ aufgefallen sind, wurden nach unserer vereinsinternen Sitzung am Dienstag mit sofortiger Wirkung suspendiert und vom Spielbetrieb abgemeldet. Wir wünschen dem Co-Trainer eine gute Besserung und baldige Genesung.“

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