07.02.2019

„Wir machen uns eigentlich relativ wenig Gedanken, gehen raus und spielen“

Die Mannschaft der Hinrunde: SV Altengamme IV

Jubelbild: Steffen Wegener (li.), der erfolgreichste Torschütze des SVA IV, freut sich mit Christopher Sohrt. Foto: Steffen Schröder

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Irgendwie gehören Alkohol und Fußball zusammen – egal, ob im Stadion als Fan oder als Spieler nach dem Match. Einen Schluck in Ehren kann einem schließlich keiner verwehren. Manchmal entstehen bei dem einen oder anderen Glas Ideen. Meistens solche, die man mit dem Begriff „verrückt“ umschreibt. Das gilt auch für den Einfall, den Philipp Mohr und Philip Buck hatten. „Eigentlich“, sagt selbst Mohr, „war das zunächst nur eine Schnapsidee. Aber die ist nicht wie so viele andere einfach im Sand verlaufen.“ Nein, sie wurde Realität. Und aus dieser Schnapsidee ist inzwischen tatsächlich der Tabellenführer der Kreisklasse B2 avanciert...

Die Rede ist von der „Vierten“ des SV Altengamme. „Es war damals tatsächlich Alkohol im Spiel, als Philip und ich die Idee hatten“, berichtet Mohr, „wir wollten einfach mal mit ein paar Kumpels zusammenspielen. Ein bisschen 'ditschen', Zeit miteinander verbringen und Sport treiben.“ Dann aber wurde das Ganze zum Selbstläufer. „Wir haben dafür viel Zuspruch bekommen und irgendwann ist Benjamin Timmann mit in die Planungen eingestiegen“, erinnert sich Mohr zurück. Jener Timmann war einst Teammanager beim SV Curslack-Neuengamme II, dem Nachbarn des SVA. Dass sich die „Zweite“ des SVCN irgendwann auflöste, ist bekannt. Gleich eine Reihe an Kickern, die früher am Gramkowweg aufliefen, tragen jetzt das Trikot von Altengammes Viertvertretung: „Dennis Kahl, Philip Buck, Nils Beckmann, Steffen Wegner, Benjamin Timmann, Tim Marvin Wulff“, zählt Mohr auf und ergänzt: „Aufgefüllt haben wir den Kader dann unter anderem mit Spielern aus der Dritten Mannschaft von Curslack. Im Grunde genommen spielen bei uns nur Jungs, die mal in Altengamme, Curslack oder beim SC Vier- und Marschlande aktiv waren.“

Wenn aus einer Schnapsidee erst Realität und dann ein Tabellenführer wird

Mit Tempo am Gegner vorbei: Dennis Kahl (re.) setzt sich auf dem Flügel durch. Foto: Steffen Schröder

Und wie sie spielen: Gleich zum Auftakt gab es ein 10:0 gegen die „Dritte“ des MSV Hamburg. Darüber hinaus stehen in der Bilanz ein weiterer 10:0-Erfolg gegen den SV Wilhelmsburg III und ein 10:2 gegen den Escheburger SV III zu Buche. Drei zweistellige Erfolge also. Ein Umstand, der sicher auch daran liegt, dass sich mit Sebastian Pietsch und Hajo Kücken zwei Akteure im Team befinden, die jeweils bereits im Landesliga-Kader des SVA standen. Auch Philipp Kiehn schnupperte, wenn auch als Ergänzungs- und Einwechselspieler für den Notfall, bereits Landesliga-Luft. „Pietsch ist beruflich zu eingespannt, um noch Landesliga zu spielen. Wenn Not am Mann ist, dann spielt er bei uns. Und bei Hajo ist ja im Körper eigentlich alles kaputt“, erläutert Mohr, der selbst auch als Aktiver zum Team zählt und kürzlich sogar sein ganz persönliches Erfolgserlebnis feierte: Das erste Tor im Dress des SVA IV. „Ich hab am vergangenen Wochenende in der Halle getroffen. In einem Spiel gegen den SC Vier- und Marschlande III. Es war das wichtige 5:0...“, sagt „Flippo“, der zugleich noch Liga-Obmann der „Ersten“ beim SVA ist, und lacht.

Apropos lachen: Spaß wird bei der „Vierten“ groß geschrieben. „In Altengamme hat der Storch ein paar Filigran-Techniker fallen lassen“, hieß es anlässlich der Gründung der Mannschaft im vergangenen Sommer auf der teameigenen Facebook-Präsenz mit dem Namen „SV Altengamme Veer“. Nun sind diese „Filigran-Störche“ seit etwas mehr als einem halben Jahr im Spielbetrieb – und die Statistik hat mehr zu bieten als nur die drei bereits erwähnten zweistelligen Siege. Viel mehr. Als da wären: 52 Punkte aus 18 Spielen, 113 erzielte Tore, aber nur 15 kassierte Treffer. Macht eine Tordifferenz von plus 98 Treffern – und deutet daraufhin, dass Dean Pfab, der Stammkeeper der „Vierten“ in dieser Saison bereits den einen oder anderen sehr ruhigen Nachmittag verlebt haben dürfte. Insgesamt 17 Mal verließen die Kicker, die von Michael Nolting trainiert werden, den Platz als Sieger. Nur einen kleinen schwarzen Fleck auf der ansonsten „weißen Weste“ gibt es: Ein 1:1 aus der Hinrunde gegen die Reserve des SC Schwarzenbek. „Da haben wir erst kurz vor Schluss ausgeglichen. Es war schon relativ glücklich, dass wir da noch ein Unentschieden geholt haben“, blickt Mohr auf den „Last-Minute-Treffer“ von Stephan Voß zurück.

„Wir müssen nicht 2025 in der Bezirksliga spielen – das wäre totaler Quatsch“

Dreifache Freude in blau: Benjamin Timman, Philipp Kiehn und Nils Beckmann. Foto: Steffen Schröder

Inzwischen haben haben sich die Fußballer vom Gammer Weg für diese „Schmach“ rehabilitiert: Im Rückrundenspiel wurde Schwarzenbeks „Zweite“ mit 1:0 besiegt. Das entscheidende Tor erzielte Dennis Kahl. „Wir haben relativ schnell einen relativ akzeptablen Kader zusammen bekommen von der Größe her“, lässt Mohr, der selbst aufgrund eines halbjährigen Auslandsaufenthalts in USA bei vielen Begegnungen gar nicht dabei war, aber über diverse Medien wie Facebook oder WhatsApp natürlich immer auf dem Laufenden gehalten wurde, seinen Blick nochmal auf die Anfänge schweifen und sagt: „Dass in diesem Kader auch Potenzial vorhanden ist, sieht man ja jetzt an der Tabellenposition. Wenn man aus dem Stand in der Kreisklasse B2 mit fünf bis acht Landes- oder Bezirksliga-Spielern planen und antreten kann, dann ist das schon ein Faustpfand.“ Dennoch: „An den Aufstieg haben wir gar nicht gedacht, es ging uns wirklich nur darum, einfach mit Kumpels zusammen ein bisschen Fussi zu spielen“, konstatiert Mohr, „aber natürlich ist es zwangsläufig so, dass du mit solchen Leuten in der Kreisklasse B2 dann irgendwie versuchst, oben mitzuspielen.“

In der Anfangszeit sei es schwierig gewesen – trotz des Kantersiegs direkt am ersten Spieltag. „Du bekommst halt viel erzählt – so nach dem Motto: 'Ihr lauft doch eh durch, bleibt ohne Niederlage und macht 200 Tore.' Wenn dir das 50 Leute sagen, dann hast du auf einmal auch eine ganz andere Erwartungshaltung. In den ersten Spielen lief es nicht ganz so rund. Es war nicht so einfach, in das Ganze reinzukommen. Jetzt ist es eine ganz andere Situation. Wir haben bei uns einen großen Kader, alle geben Gas.“ Und das Geheimrezept für den Erfolg? Gibt's nicht. Sagt zumindest Mohr: „Wir machen uns eigentlich relativ wenig Gedanken, gehen raus und spielen“, erklärt „Flippo“ ganz banal und versichert mit dem Blick auf die Tabelle und einen möglichen Aufstieg: „Eine Grenze gibt es nirgendwo, aber so weit planen wir auf keinen Fall. Wir haben einfach sportlichen Erfolg jetzt. Es gibt keinen Fünf-Jahres-Plan. Wir müssen nicht 2025 in der Bezirksliga spielen – das wäre totaler Quatsch.“

Jan Knötzsch 

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