21.03.2019

„Wir haben uns den Aufstieg nicht als Rucksack aufgesetzt, aber der Traum ist da“

Altenwerder-Coach Daniel Rossa im Interview

Nach dem Aufstieg als Spieler mit dem FTSV Altenwerder 2009 könnt Daniel Rossa nun auch als Coach den Sprung in die Landesliga schaffen. Foto: Brussolo

Momentan grüßt der FTSV Altenweder vom Platz an der Sonne in der Bezirksliga Süd. Die Mannschaft von Trainer Daniel Rossa ist mit großem Vorsprung Tabellenführer. Der Sprung in die Landesliga winkt. Wir haben mit dem Coach unter anderem über die aktuelle Situation an der Spitze gesprochen. Zudem verrät uns Rossa, inwiefern er als Trainer eine Mischung aus Jean-Pierre Richter und Thorsten Bettin ist, was die Rückkehr des FTSV in die Landesliga für den Verein bedeuten würde und wie er seine eigene Zukunft als Coach in den kommenden Jahren sieht. 

Daniel, zwölf Punkte beträgt euer Vorsprung als Tabellenführer derzeit auf den Zweitplatzierten Inter Eidelstedt. Wie oft hast du bis jetzt schon vom Aufstieg geträumt?

Daniel Rossa: Noch gar nicht. Träumen dürfen andere. Wir wissen, dass die Tabelle noch ein bisschen den Blick auf die Realität verzerrt. Wenn Inter die beiden Nachholspiele, die sie haben, noch gewinnt, dann sind es nur noch sechs Punkte. Dann kommt Inter noch zu uns. Wenn sie dieses Endspiel gewinnen, dann wären es nur noch drei Punkte. Dann ist gefühlt alles offen. Wir selbst wissen, dass wir noch ein dickes Brett zu durchbohren haben, um den Traum zu verwirklichen und aufzusteigen. Momentan befinden wir uns gerade in einer sehr wichtigen Phase der Saison, in der wir selbst unsere Hausaufgaben machen müssen und dann gucken können, was dabei raus kommt.

Du warst damals, als der FTSV 2009 in die Landesliga aufgestiegen ist, noch Spieler in Altenwerder. Was würde eine Rückkehr in die Landesliga für den Verein bedeuten?

Rossa: Alles! Wir haben den Traum vom Aufstieg natürlich immer im Hinterkopf. Der Verein wollte gerne zurück in die Landesliga und hat es in den letzten Jahren nicht geschafft. Wir haben uns den Aufstieg nicht als Rucksack aufgesetzt, aber der Traum ist da. Wir sehen uns als Landesliga-Verein und wollen gerne hoch. So hab ich den Verein immer gesehen. Auch als wir damals hochgegangen sind und ich noch Spieler war, war das eine riesige Geschichte. Es wäre schön, wenn wir es schaffen würden, das zu wiederholen. Es war damals schön und wenn ich es jetzt als Trainer schaffen würde, wäre es eine super Sache. 

Wäre ist es für dich persönlich denn etwas Besonderes, nach Thorsten Bettin dann möglicherweise der nächste Aufstiegstrainer des FTSV zu sein?

Die Tabelle verzerrt laut Daniel Rossa den Blick auf die Realität. Foto: Brussolo

Rossa: Das wäre mega. Etwas ganz Besonderes. Ich wusste, als ich hier als Trainer angetreten bin, dass das große Fußstapfen sind, die Thorsten hinterlassen hat. Er war ja schon ein erfahrener Trainer, der viel für den Verein getan hat. Ich war ein Nobody, als sie mich geholt haben. Man hat mich ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen. Wenn uns der Aufstieg gelingt, wäre das riesig. Wir haben es ja in meiner ersten Saison schon fast geschafft und sind nur knapp gescheitert. Dieses Jahr wollen wir es besser machen.

In der ganzen Saison habt ihr erst ein einziges Spiel verloren, dafür aber 16 gewonnen und fünf Mal unentschieden gespielt. Warum ist deine Mannschaft in dieser Saison sportlich so konstant?

Rossa: Ich sehe uns so konstant, weil wir es in dieser Saison wirklich geschafft haben, ein eingeschworenes Team zu sein. Wir sind durch die letzte Saison nochmal zusammengewachsen. Da werfen auch solche Niederlagen wie die eine, die wir bei Eidelstedt kassiert haben, nicht um. Es ist wichtig, in so einer Situation zu sehen: Wie reagiert das Team? Die Reaktion der Jungs war super. Sie haben sich gegenseitig aus dem kleinen Tief herausgeholt. Das zeichnet eine Mannschaft aus. Nur im Team kannst du erfolgreich sein – das leben wir momentan. Es harmoniert und klappt.

Wenn man in den Kader guckt, findet man dort Spieler wie Eugen Götz. Alexander Kübler, Stefan Janietz, Christian Carlsen oder Anton Lasko, die allesamt schön höherklassig aktiv waren. Ist der Aufstieg mit so einer Mannschaft nicht eigentlich von vornherein Pflicht?

Rossa: Nein, Pflicht ist es – glaube ich – nicht. Anton Lasko ist ja gerade erst zu uns zurückgekommen, nachdem wir ihn zu Beginn der Saison an den FC Türkiye verloren hatten. Jetzt haben wir ihn zurückgeholt. Es ist auch ein Zeichen, dass es bei uns nicht ganz so verkehrt läuft, wenn die Jungs merken: Es war doch schön beim FTSV Altenwerder und man muss nicht nur dem Geld hinterherrennen. Stefan Janietz haben wir von den Alten Herren zurückgeholt. Er hat fußballerisch immer noch ein bisschen was im Stiefel hat und es reicht noch für die Bezirks- oder Landesliga. Er ist als Leader unverzichtbar. Auch bei den anderen Jungs, die schon höher gespielt haben, muss man aufs Alter gucken. Das sind keine 20-Jährigen mehr, die Oberliga gespielt haben und nach Altenwerder kommen. Das sind Spieler über 30 Jahre, die ihre Karriere in Altenwerder ausklingen lassen. Die musst du auch erstmal so motivieren, dass sie sagen: „Wir wollen nochmal so einen Aufstieg realisieren.“ Ich bin als Trainer gefühlt noch ehrgeiziger als als Spieler und möchte erfolgreich sein und jedes Spiel gewinnen. Wenn man das tut, steht man ganz oben. Aber für anderen Mannschaften wie Hamm United oder Inter 2000 in der letzten Saison ist ein Aufstieg eher Pflicht als für den FTSV, wenn man mal sieht, was die für ein Spielermaterial hatten...

Reicht der Kader im Aufstiegsfall auch aus, um die Liga zu erhalten? Du sagst ja selbst: Bei euch spielen viele „Oldies“...

Coaches im Gespräch: FTSV-Trainer Daniel Rossa (re.) und Süderelbes Übungsleiter Timucin Gürsan. Foto: Brussolo

Rossa: Genau. Wir sind dabei, jetzt schon zu gucken, das wir uns verjüngen. Anton Lasko zum Beispiel hat noch ein paar Jahre vor sich. Adulai Balde, der von Kosova aus der Landesliga kam, hat das Format für diese Liga. Wir bewegen uns in die Richtung, dass wir für die Landesliga gewappnet sind. Ich sehe uns als Team stark genug. Wenn wir so zusammenbleiben, habe ich keine Angst vor der Landesliga. Es muss unser Ziel sein, unsere Mannschaft zusammenzuhalten. So eine Saison weckt ja auch Begehrlichkeiten bei anderen Mannschaften, die finanzkräftiger sind.

Kommen wir abschließend nochmal zu dir. Du hattest mit Thorsten Bettin einen „Oldie“ und mit „Jonny“ Richter einen „Youngster“ als Coach. Was hast du von den beiden für deine eigene Trainer-Laufbahn mitgenommen?

Rossa: Ich verkörpere genau die Mischung aus beiden. Ich habe von „Jonny“ sehr viel mitgenommen – erst recht, was die Trainingsgestaltung angeht. Aber auch die alten Tugenden von Thorsten Bettin habe ich nicht vergessen. Ich weiß, was uns damals erfolgreich gemacht hat und dass auch die „harte Hand“ manchmal wichtig ist. Ich versuche beides zu mischen. Natürlich kommt da auch noch ein kleiner Eigenanteil von mir zu. Ich versuche das, was ich mir bei beiden abgeguckt habe, so gut weiterzugeben, wie es geht. Das scheint zu fruchten...

Altenwerder ist deine erste Station als Coach. Wohin soll deine Trainerkarriere noch führen?

Rossa: Ich plane auf lange Sicht in Altenwerder! Als mich der FTSV damals angesprochen hat, habe ich mich entschieden, den Posten als Trainer anzunehmen, weil Altenwerder eine Herzensangelegenheit für mich ist. Hier habe ich meine ersten Spiele gemacht als Fußballer. Es war immer so, dass ich gesagt habe: Altenwerder ist mein Verein. Ich hatte eigentlich gar nicht vor, irgendwann mal Trainer zu werden. Es ist dann doch schneller so gekommen als gedacht. Ohne irgendwas vorwegzunehmen: Mein Plan war immer der, dass Altenweder der Verein ist, wo ich bin, bleibe und aufhöre. Wenn Altenwerder mich dann irgendwann mal satt hat und sagt, dass man mich nicht mehr braucht, dann ist es bei mir so, dass ich nicht vorhabe, nochmal irgendwo groß hinaus zu müssen als Trainer. Wenn ich irgendwo ganz oben anklopfe, dann mit Altenwerder. Das wäre cool!

Interview: Jan Knötzsch

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Personen