04.01.2019

„Wir haben tolle Spiele absolviert, aber wir waren nicht konstant genug“

Teutonia-Trainer Sören Titze blickt auf die bisherige Saison der „Kicker von der Kreuze“ zurück

„Wir wollen stark genug sein, um Platz eins anzugreifen“, blickt Teutonia-Coach Sören Titze auf die restlichen 14 Oberliga-Spiele voraus. Foto: KBS-Picture.de

Der Abschluss des Fußballjahres 2018 war für den FC Teutonia 05 alles andere als ein Highlight: Trotz einer 2:0-Führung gegen den Wedeler TSV vor eigenem Publikum verlor „T05“ im ODDSET-Pokal-Achtelfinale noch mit 2:3 und schied aus – und das auch noch ausgerechnet an jenem Tag, an dem Sören Titze seinen 34. Geburtstag feierte. Der Coach hat hat uns im Interview verraten, wie sehr die Enttäuschung über das „Aus“ noch an ihm nagt. Zudem spricht der 34-Jährige über die Personalplanung im Winter, die bisherigen Stärken und Schwächen, die seine Mannschaft gezeigt hat, und die aktuelle Situation an der Spitze der Oberliga-Tabelle. 

FussiFreunde: Sören, beginnen wir mal mit der schmerzhaftesten Frage dieses Interviews: Wie tief sitzt der Stachel nach dem Ausscheiden aus dem ODDSET-Pokal im Dezember gegen den Wedeler TSV noch?

Sören Titze: Es gibt in diesem Wettbewerb Jahr für Jahr nur ein Ziel, wenn man teilnimmt: Man will das Ding gewinnen. Alles andere interessiert mich nicht. Dass Minimum zehn andere Mannschaften auch dieses Ziel haben, ist klar. Egal, wann man rausfliegt: Es ist enttäuschend! Bei uns kommt hinzu, dass uns das in einem Heimspiel gegen Wedel passiert ist, wo der Gegner eigentlich schon tot war, weil wir 2:0 geführt haben. Dann kassieren wir drei Treffer in fünf oder sieben Minuten – das ist schon harter Tobak und ein Zeitraum, der es echt in sich hatte. Natürlich hat man sowas noch länger im Hinterkopf, aber bei mir ist das inzwischen raus. Bei der Mannschaft sollte es ab dem 7. Januar, wenn wir unsere Vorbereitung auf die restliche Saison aufnehmen, auch kein Thema mehr sein. Wir konzentrieren uns auf die Liga, in der wir nur einen Punkt hinter dem Spitzenreiter liegen und wollen in den 14 noch verbleibenden Spielen alles machen, um uns nochmal zu verbessern.

Teutonia hat schon Ende November mit Deran Toksöz eine hochkarätige Neuverpflichtung im Winter bekanntgegeben. Ist das eine Ansage an die Konkurrenz nach dem Motto: Wir reden im Kampf um den Titel ein ganz gehöriges Wort mit, wer Meister werden will, der muss schon an uns vorbei?

Deran Toksöz von Eintracht Norderstedt ist der bisher einzige Winterneuzugang von Teutonia, weitere sollen aber folgen. Foto: KBS-Picture.de

Titze: Nein, das hat damit nichts zu tun. In einem Kader ist es immer so, dass sich im Winter gewisse personelle Veränderungen ergeben. Dass wir jemanden mit Derans Format von einem Wechsel zu Teutonia überzeugen konnten, freut uns natürlich.

Wird Toksöz denn einzige Zugang bleiben, der Teutonia in der Winterpause verstärkt? Personelle Veränderungen hört sich eher so an, als ob sich noch einiges tun wird...

Titze: Wir werden noch zwei, drei Sachen machen. Es wird auf jeden Fall noch was passieren, so viel kann ich sagen. Die Gespräche laufen. Bis zum Ende der Transferfrist am 31. Januar werden wir insgesamt drei, vier Neue präsentieren. Aber es wird auch Spieler geben, die uns noch verlassen werden. Dann brauchen wir Ersatz. Wir wollen auf jeden Fall numerisch nicht weniger Spieler im Kader haben als jetzt. Die Kaderstärke soll identisch bleiben, damit wir nicht wieder in die Situation geraten, dass wir bei Ausfällen nur 15 oder 16 Mann zur Verfügung haben. Daran arbeiten wir auf Hochtouren. Wir wollen stark genug sein, um Platz eins anzugreifen.

Mit Neuverpflichtungen reagiert man ja aber auch auf Dinge, die noch nicht ganz rund laufen, um sich zu verstärken oder zu verbessern. Wo hat deine Mannschaft noch Schwächen auszumerzen?

Titze: Verbesserungspotenzial gibt es immer. Wir haben tolle Spiele absolviert, aber wir waren nicht konstant genug. Wenn man zuhause Sasel mit 4:0 schlägt, bei Dassendorf 1:0 gewinnt und auch Niendorf 1:0 bezwingt, dann ist das gut – vor allem, wenn man gegen solche Teams in drei Spielen null Gegentore zu verzeichnen hat. Aber: Wir kriegen in der Liga gegen den HEBC vier Gegentore, im Pokal gegen Wedel drei. Gegen Rugenbergen haben wir in der Liga mit 5:4 gewonnen, aber da stehen eben auch vier Gegentreffer auf dem Zettel. Wir müssen uns – und das ist einer der Punkte, um die es in der Vorbereitung geht – darauf konzentrieren, dass wir uns noch weniger Tore einfangen. Alle elf Spieler auf dem Platz müssen sich auch zu 100 Prozent mit der Rückwärtsbewegung beschäftigen. Vorne müssen wir wieder – oder: noch mehr – Gier entwickeln und spielfreudiger werden, um Chancen zu kreieren.

Im Vergleich zur Vorsaison: Wo seid ihr stärker geworden?

Titze: Im Umschaltspiel sind wir besser geworden. Gegenüber der letzten Saison haben wir uns auch defensiv verbessert. Wenn man in dieser Serie mal die akuten Spiele, von denen ich gerade gesprochen habe, raus rechnet, dann haben wir weniger Gegentore bekommen. Aber wir haben eben auch weniger geschossen, weshalb wir eben mehr Gelegenheiten herausspielen und nutzen müssen.

Wie zufrieden bist du insgesamt mit dem Verlauf der bisherigen Saison aus Teutonia-Sicht?

Nick Gutmann (re.) fehlte den Teutonen in der Hinserie zum Teil verletzungsbedingt. Foto: Bode

Titze: Am Anfang der Vorbereitung hatten wir ja gerade einen Umbruch hinter uns. Ich hab noch die Stimmen im Ohr von denen, die gesagt haben: Das mit Teutonia wird in dieser Saison nichts, die guten Leute sind weg, die neuen kennt kaum einer. Hätte mir da jemand gesagt, dass wir im Winter einen Punkt hinter Dassendorf und Altona liegen, hätte ich das blind unterschrieben. Angesichts der Tatsache, dass es Spiele gab, wo wir Punkte liegen gelassen haben, und so gesehen also mehr möglich war, sehe ich es etwas anders. Ich hab' den Anspruch, oben zu stehen. Ich habe eine Mannschaft, die das Potenzial dazu hat und jung, hungrig und ehrgeizig ist. Wir hatten allerdings auch Leistungsträger wie Pascal Eggert oder Nick Gutmann, die verletzt ausgefallen sind. Die Spitze ist eng zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass wir nochmal angreifen können.

Wenn das gelingen würde, stünde euch – wie im Vorjahr als außer Teutonia kein Hamburger Club für die Regionalliga meldete – erneut die Aufstiegsrunde ins Hause. Schafft ihr es diesmal, sie auch zu bestehen und nicht erneut unterzugehen?

Titze: Ich bin zu 100 Prozent der Meinung, dass wir sie schaffen, wenn wir uns qualifizieren.

Interview: Jan Knötzsch

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