Oberliga 01

„Wild Boyz“ böse gezähmt: „Schleicher“ Polzin krönt einen „perfekten Bramfelder Tag“!

26. Januar 2022, 10:29 Uhr

Er war der "Man of the Match": Mit drei Toren und zwei Vorlagen war Robin Polzin (Mi.) an nahezu allen Bramfelder Treffern beteiligt. Foto: noveski.com

Von einer gewissen Genugtuung wollte Carsten Henning nichts wissen. „Es war für beide Mannschaften einfach ein extrem wichtiges Spiel, weil beide Seiten wussten, dass die Punkte mitgenommen werden. Das war für uns entscheidend – und darum ging es uns auch nur“, hatte der Trainer des Bramfelder SV die verbalen Geplänkel nach der überaus kurzfristigen Absage der Partie beim VfL Lohbrügge unmittelbar vor der Winterpause (HIER) längst zu den Akten gelegt. Seinen Spielern hingegen merkte man deutlich an, dass die Wortgefechte noch nicht vergessen waren…

Das zwischenzeitliche 0:2: Eine direkt verwandelte Polzin-Ecke segelt über den sehr unglücklichen VfL-Keeper Arne Hantusch (2. v. li.) hinweg ins Bramfelder Glück. Foto: noveski.com

„So einfach kann Fußball sein!“ Mit diesen Worten eröffnete Carsten Henning den Bramfelder Siegerkreis nach dem Spiel (alle Highlights im LIVE-Ticker). Anschließend erklärte er, wie genau er diese Aussage gemeint habe: „Das war darauf gemünzt, dass wir es ab dem 01.01.22 anders machen wollten. Man sagt zwar immer, man will einfach Fußball spielen. Aber was bedeutet das genau? Wir haben uns einfach vorgenommen – und das hat man in der Vorbereitung auch schon gesehen –, dass wir schneller Fußball spielen wollen. Mit wenig Kontakten. Und das ist uns heute richtig gut gelungen – vor allem in der ersten Halbzeit! Wir hätten ja schon in der ersten Minute in Führung gehen können und hatten insgesamt sehr viele Möglichkeiten.“ Schneller Fußball spielen, bedeutete in den ersten 45 Minuten: Viel zu schnell für den VfL Lohbrügge!

"So einen strammen Linksschuss hätte ich nicht von ihm erwartet"

Pascal Bäker (Mi.) brachte den VfL Lohbrügge mit dem ersten Schuss auf das gegnerische Tor zurück ins Spiel. Foto: noveski.com

Die Hausherren bekamen kein Fuß auf den Platz, liefen stets hinterher – und wurden von überaus starken Bramfeldern daher gespielt. Ein Doppelschlag von Robin Polzin sorgte für eine 2:0-Pausenführung der Henning-Mannen. Zunächst verwertete Polzin ein wunderbares Zuspiel von Dennis Facklam (32.). „Ehrlich gesagt, habe ich das 1:0 Nils Knuth zugeschrieben, weil ich so einen strammen Linksschuss nie von ihm erwartet hätte“, witzelte sein Coach hinterher. Dann ließ Polzin den bedauernswerten VfL-Keeper Arne Hantusch bei einer direkt verwandelten Ecke (!) äußerst schlecht aussehen (34.). „Bramfeld war in der ersten Halbzeit deutlich besser, hat es mehr gewollt und zurecht 2:0 geführt“, erkannte Lohbrügge-Übungsleiter Elvis Nikolic, der zusammen mit Sven Schneppel das Ruder schwingt, neidlos an. „Wir haben total geschlafen.“

"Dachte man wohl, die Sache ist gegessen"

Vor dem Elfmeter flüsterte Anto Zivkovic (Mi.) seinem ehemaligen Teamkollegen Chris Pfeifer (re.) etwas ins Ohr. Foto: noveski.com

Mit dem Ergebnis waren die selbsternannten „Wild Boyz“ noch bestens bedient. „Sehr gut, Bramfeld!", spendete der starke Maurice Freudenthal seinen Teamkameraden zur Halbzeit eifrig Beifall. Aber: „Mit dem sicheren 2:0 im Rücken dachte man wohl, die Sache ist gegessen und wir spielen das jetzt runter“, unkte Henning, der mitansehen musste, wie Lohbrügge keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff mit dem allerersten Schuss aufs Tor gleich erfolgreich war und den Anschluss herstellte. Über Franklin Weber und Neuzugang Christian Degener kam die Kugel zu Torjäger Pascal Bäker, der eiskalt wie eine Hundeschnauze ins lange Eck traf (46.)!

"Wir sind dem 2:2 viel, viel näher"

„Lohbrügge hat dann nochmal gekämpft, wollte das Spiel drehen und hatte den Ausgleich auch auf dem Fuß gehabt“, gestand Henning. Während sein Gegenüber meinte: „In der zweiten Halbzeit haben wir umgestellt. Da fand ich uns dann auch echt gut. Wir machen mit dem ersten Schuss das 1:2 und sind dann dem 2:2 viel, viel näher. Bramfeld hat in der Phase gewackelt, wir waren da sehr selbstbewusst. Aber das Ding wollte nicht reingehen“, haderte Nikolic, dessen Schützlinge zunächst Glück hatten, als ausgerechnet der Ex-Lohbrügger Chris Pfeifer einen von Weber verursachten Handelfmeter am Tor vorbeischoss (49.)! Das hätte die Vorentscheidung sein können. Stattdessen kippte die Partie. Degener zielte freistehend zu ungenau (54.), ehe Martin Schauer und Weber nach einer Ecke das Runde aus kurzer Distanz jeweils nicht im Eckigen unter- und an BSV-Torsteher Sebastian Kalk vorbeibringen konnten (59.). Dann war Bäker auf und davon, lupfte das Leder aber haarscharf am linken Giebel vorbei (61.). Wenig später zwang er Kalk zu einer herrlichen Flugparade (63.).

"Zehn Minuten des totalen Blackouts"

Während Chris Pfeifer (Mi.) nach dem vergebenen Strafstoß hadert, bricht der wenig später als "Unglücksrabe" fungierende Jonas Holz (re.) in Jubelstürme aus. Foto: noveski.com

„Da hätte man gedacht, dass der Elfmeter der Todesstoß sein könnte. Aber so ist Fußball. In der Phase können wir uns bei Sebastian Kalk bedanken, aber auch, dass wir das als Mannschaft unbedingt verteidigen wollten nach der Ecke“, befand Henning. „Und dann kommen zehn Minuten des totalen Blackouts“, fasste Nikolic das folgende Geschehen zusammen. „Unser Innenverteidiger und unser Torwart haben im Zusammenspiel nicht ganz so harmoniert. So haben wir drei sehr einfache Tore kassiert.“ Was Nikolic damit meinte? Ein kapitaler Fehlpass von Jonas Holz am eigenen Sechzehner ermöglichte den Gästen das 3:1, als Polzin uneigennützig für Facklam querlegte – und dieser trocken einschoss (64.). Weiter ging die Lohbrügger Pannenshow! Erneut war es Holz, der seinen jungen Schlussmann mit einem halbhohen Rückpass in Bedrängnis brachte. Hantusch spielte die Kugel daraufhin Oelrich in die Füße, der den besser postierten Polzin sah – 4:1 Bramfeld (67.)!

"Wir haben die Sachen, die wir uns vorgenommen haben, abgerufen"

Ein gefrusteter Franklin Weber (li.) am Boden - während Kilian Oelrich (Mi.) und Dennis Facklam das zwischenzeitliche 3:1 für die Gäste bejubeln. Foto: noveski.com

„Danach hat sich Lohbrügge ergeben und wir haben die Tore auch richtig schön herausgespielt“, konstatierte der Bramfelder Chefcoach. Doch auch beim fünften Streich seiner Elf gab VfL-Torwart Hantusch eine mehr als nur unglückliche Figur ab: Einen eigentlich harmlosen Polzin-Schuss konnte er nicht festhalten, Oelrich staubte ab (72.)! Kurz vor Ultimo durfte schließlich auch noch Raoul Bouveron nach einem Zuspiel von Nikolaos Christodoulos komplett ungehindert durch die Lohbrügger Hälfte spazieren. Vier Gegenspieler leisteten nur Geleitschutz, während Bouveron das halbe Dutzend vollmachte (88.)! „Wir haben die Sachen, die wir uns vorgenommen und in der Vorbereitung erarbeitet haben, abgerufen und sind jetzt einfach nur glücklich“, strahlte Henning nach den 90 Minuten.

"Ich kann es mir auch nicht erklären"

Auf Seiten der „Binner-Boys“ suchte man derweil nach Erklärungen. Auch Minuten nach Abpfiff saß Nikolic noch grübelnd auf der Bank. „Ich kann es mir auch noch nicht erklären. Vielleicht hatten wir zu viele unerfahrene Spieler auf dem Platz. Mit Braun, Metzler und Karow hat uns sehr viel Erfahrung gefehlt. Das wären nochmal knapp 60 Oberligaspiele mehr gewesen“, mutmaßte er. Solch eine Leistung in so einem wichtigen „Sechs-Punkte-Spiel“ – und das nach der Vorgeschichte beider Teams: Eigentlich hätte man von ganz allein brennen müssen, meinte auch Nikolic „Normalerweise braucht es da keinen Trainer…“

"Mit uns ist immer zu rechnen"

Der Siegerkreis des Bramfelder SV nach dem 6:1-Kantersieg im "Kellerkick" beim VfL Lohbrügge. Foto: noveski.com

Am Ende feierte Bramfeld – vor allem aufgrund einer bärenstarken ersten Halbzeit – einen 6:1-Kantersieg bei einem direkten Konkurrenten. „Wir wissen um die Chance in den wichtigen Spielen. Da wollen wir das Maximum rausholen und haben auch den ganzen Fokus daraufgelegt. Mit uns ist immer zu rechnen“, haben sich die Mannen von der Ellernreihe, die durch den Sieg auf den vorletzten Tabellenplatz geklettert sind, längst noch nicht aufgegeben. Auch dank Robin Polzin, der scheinbar seinen x-ten Frühling erlebt und mit drei Toren und zwei Vorlagen zum „Matchwinner“ avancierte. „Man denkt immer, er ist etwas faul. Das moniere ich auch ab und an. Aber im Prinzip ist er so ein kleiner Schleicher auf dem Platz und immer an den Offensivaktionen beteiligt. Heute war es das perfekte Spiel für ihn!“ Und für seinen Bramfelder SV…

Autor: Dennis Kormanjos

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