19.03.2019

„Wer jetzt nicht für die Landesliga plant, muss sich eine andere Sportart suchen!“

BW 96 Schenefeld vor Landesliga-Rückkehr

BW 96-Abteilungsleiter Andreas Wilken sieht sein Team für eine Landesliga-Rückkehr bestens gerüstet - auch ohne finanzielle Mittel. Foto: KBS-Picture.de

„In den kühnsten Träumen vielleicht“, entgegnet Andreas Wilken, Fußball-Abteilungsleiter und „Macher“ im Hintergrund bei BW 96 Schenefeld, auf die Frage, ob er – nach dem vergangenen Seuchenjahr – eine derartige Saison für möglich gehalten hätte. Mit lediglich 15 Punkten auf der Habenseite stiegen die Mannen vom Achter de Weiden in der abgelaufenen Spielzeit sang- und klanglos aus der Landesliga ab. Die Frage, ob man in der Bezirksliga bestehen würde bestehen können, beantworteten Mannschaft und Team ums Team auf eindrucksvollste Art und Weise – nämlich mit der augenblicklichen Tabellenführung. Blau-Weiß 96 ist auf dem allerbesten Weg zurück in die Sechstklassigkeit!

Die Schenefelder Erfolgs-Equipe bleibt komplett zusammen. Foto: KBS-Picture.de

„Die Grundlage dafür haben wir schon zu Beginn der letzten Landesliga-Saison gelegt“, lässt Wilken das letzte Spieljahr noch einmal Revue passieren – und zieht trotz sämtlicher Rückschläge das Positive aus dem Absturz, der jedoch vorprogrammiert war. Denn: Nach dem Abgang von Selcuk Turan als Trainer und dem damit verbundenen Wegfall diverser Leistungsträger und gestandener Spieler wurde die Zweite – zu jener Zeit in der Kreisliga aktiv – zur neuen Liga-Mannschaft. Allerdings mit Zustimmung der Akteure, die genau wussten, worauf sie sich einlassen würden, wie Wilken verrät: „Diese Überzeugungsarbeit, den Weg trotz des Abstieges weiter mit uns zu gehen, haben wir schon vor der Landesliga-Saison geleistet, als wir die Mannschaft klar gefragt haben: ‚Wollt ihr ein Jahr lang richtig Haue kriegen?‘“ Darauf ließ sich die Truppe ein, bewies Größe – und: „Wir haben uns die Hörner abgestoßen, die Jungs haben gelernt, was Herren-Fußball heißt – aber: Es war schon im Abstiegsjahr eine klare Entwicklung zu sehen“, so Wilken.

"Bei uns gibt es kein Geld - hier geht alles über den Wohlfühlfaktor"

Im Gegenteil zu anderen zahlreichen Beispielen fiel die Schenefelder „Talentschmiede“ auch nach dem Abstieg nicht auseinander, sondern stand zu ihrem Wort. Lediglich Enzo Simon, mit 16 Treffern bester BW-Schütze im Abstiegsjahr, versucht sein Glück seither in der Oberliga beim Wedeler TSV. Der Rest hielt dem Club die Treue – auch, weil Coach Mathias Timm, der zusammen mit Matthias Wilken und Jörg Grohmann ein kongeniales Dreigestirn bildet, den Großteil des Kaders bereits „seit der C-Jugend kennt“, wie Wilken erzählt. Daher müsse der Trainer „gar nicht groß eingreifen – es passt ganz einfach“, fügt er an. Und das, obwohl es „bei uns kein Geld gibt. Hier läuft alles über den Wohlfühlfaktor.“

"Kurz vor Beginn der Winterpause kam das Ziel aus der Mannschaft heraus"

Trainer Mathias Timm (li.) hat einen Großteil des Kaders bereits seit der C-Jugend unter seinen Fittichen. Foto: Klaas Dierks

Wie wohl sich die Spieler zu fühlen scheinen, unterstreicht auch die Aussage, dass man „dreimal in der Woche Training anbietet, zweimal ist Pflicht – und 90 Prozent nehmen die drei Einheiten wahr“. Zudem sei die Trainingsbeteiligung bei einem 28-Mann-Kader „nie geringer als 22 Spieler“, so Wilken, der den großen Spaßfaktor herausstreicht. Kein Wunder also, dass man auf dem neuen und schmucken Kunstrasenplatz am Achter de Weiden künftig wieder mit Landesliga-Fußball plant. „Als Hansa erstmals geschwächelt hat, wurde es ein Thema – und es kam aus der Mannschaft heraus. Das war kurz vor Beginn der Winterpause, als das Ziel auch so ausgesprochen wurde: Wir wollen jetzt aufsteigen“, macht Wilken keinen Hehl aus den Ambitionen. Alles andere wäre angesichts des zweiten Platzes – mit nur einem Punkt Rückstand auf Hansa 11 und noch einem Spiel mehr in der Hinterhand – sowie 16 Zählern Vorsprung auf den drittplatzierten SV Lurup wohl auch wenig glaubwürdig. 

"Wenn du Erster bist, willst du auch Meister werden"

Auch "Goalgetter" Jannik Asmußen (li.) bleibt BW trotz höherklassiger Angeboten treu. Foto: Klaas Dierks

Erst Recht, nachdem man den direkten Konkurrenten vor gut anderthalb Wochen deutlich mit 3:0 in die Schranken gewiesen hat und die Equipe von der Feldstraße auch am vorigen Wochenende gegen „Kellerkind“ SC Pinneberg nicht über eine Nullnummer hinaus kam. Dementsprechend stellt Wilken auch unmissverständlich klar: „Wer jetzt nicht für die Landesliga plant, der muss sich eine andere Sportart suchen!“ Der „Macher“ im Hintergrund geht sogar so weit – und meint: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir mit der Mannschaft in der Landesliga einen einstelligen Tabellenplatz belegen können.“ Zumal der gesamte Kader bereits für die kommende Spielzeit zugesagt hat – trotz einiger Anfragen von höherklassigen Vereinen. Insbesondere Torjäger Jannik Asmußen, der in 19 Spielen 31 Mal traf, wurde regelrecht umgarnt, bleibt dem Verein aber erhalten, wie uns Wilken nun stolz bestätigt. Mit der einen oder anderen Verstärkung (Wilken: „Das werden Jungs mit Schenefelder Stallgeruch sein“) sieht man sich dann bestens aufgestellt. „Wichtig ist uns vor allem, dass es nicht nur fußballerisch und spielerisch, sondern auch menschlich passt“, sagt Wilken, der „jedem Spieler einfach mal den sportlichen Ehrgeiz unterstellt: Wenn du Erster bist, dann willst du auch Meister werden!“, teilte er uns in der Vorwoche mit. Durch den Ausfall des Spiels in Kummerfeld mussten die Schenefelder den SC Hansa 11 zwar wieder vorbeiziehen lassen – doch die Blau-Weißen haben das Meister-Pendel in eigener Hand...

Autor: Dennis Kormanjos

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