Regionalliga Nord

„Wenn wir am Ende Platz fünf oder sechs belegen würden, dann wäre das der Hammer“

Norderstedt-Coach Jens Martens im Interview

27. November 2019, 13:28 Uhr

Mit der Eintracht auf der Erfolgswelle: Trainer Jens Martens stellt sich im Interview den FussiFreunde-Fragen. Foto: KBS-Picture.de

Der FC Eintracht Norderstedt hat sich heimlich, still und leise zur Nummer eins gemausert. Nicht, was den direkten Rang in der Tabelle angeht, aber: Die Garstedter sind aktuell tatsächlich das bestplatzierte der vier Hamburger Teams in der Regionalliga Nord. Eine Tatsache, die in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten war, hatte die Eintracht im Sommer nach dem so gerade eben noch geschafften Klassenerhalt doch einen großen personellen Umbruch eingeleitet. Wir haben mit Trainer Jens Martens über die aktuelle Erfolgsserie, die Gründe dafür, dass es so gut läuft, das jetzige Gesicht seiner Mannschaft und die Perspektiven von „EN“ für den weiteren Saisonverlauf gesprochen.

Jens, wie oft musst du dich derzeit kneifen, um zu wissen, dass die Platzierung deiner Mannschaft in der Tabelle tatsächlich wahr ist?

Jens Martens: (lacht) Ehrlich gesagt: Schon ganz schön häufig.

Zuletzt habt ihr hintereinander Jeddeloh, Altona, den LSK und Heide geschlagen. Ausnahmslos Teams aus der zweiten Tabellenhälfte. Provokant gefragt: Trügt das, was den derzeitigen Lauf der Eintracht angeht oder seid ihr wirklich so stark, wie Platz fünf aussagt?

Martens: Ich will das etwas anders beantworten, weil ich um die Ausgeglichenheit der Liga weiß und wir eigentlich gar nicht so sehr auf die Konkurrenz gucken, sondern auf die Entwicklung unserer eigenen Mannschaft. Die ist extrem jung und da ist es schon interessant, wie sie damit umgeht, mal auf einem Traum-Rasen wie bei Werder Bremen II zu spielen und dann wieder auf einem tiefen, unebenen Rasen beim Heider SV. Jeder, der um unsere Situation aus dem vergangenen Sommer weiß, der weiß auch, dass wir dort elf Abgänge hatten und zwölf neue Spieler dazu bekommen haben. Für den Aufbau solch einer jungen Mannschaft ist es extrem wichtig, wie sie mit Situationen umgeht und sich weiter entwickelt.

Hand aufs Herz: In wie weit hast du denn selbst damit gerechnet, dass deine Mannschaft nach 20 absolvierten Spielen da steht, wo sie jetzt steht?

Nicht nur der Sturm erzeugt Torgefahr: Die Standards von Rico Bork (li.) sind laut Coach Jens Martens eine richtige Waffe. Foto: KBS-Picture.de

Martens: Ich habe schon nach der Hinrunde, an deren Ende wir 31 Punkte hatten, gesagt, dass das aller Ehren wert ist. Jetzt sind wir wieder etwas weiter und haben 34 Punkte. Aber klar – und natürlich etwas humoristisch – gesagt: Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt eben diese 34 Punkte haben, dann hätte ich das sofort angenommen und unterschrieben ohne, dass wir noch hätten spielen müssen (lacht).

Dann mal Butter bei die Fische, wie man so schön sagt: Wie formt man denn aus einem Abstiegskandidaten der Vorsaison eine Mannschaft, die urplötzlich unter den Top Fünf steht?

Martens: Ich denke, bei der Beantwortung dieser Frage muss man am besten erstmal ganz vorne anfangen. Die jetzige Mannschaft ist nicht mehr die, die am letzten Spieltag der vergangenen Saison den Klassenerhalt geschafft hat. Man könnte es so formulieren: Du schaffst es, in der Liga zu bleiben, feierst das und irgendwann wachst du auf. Dann ist es aber nicht so, dass du dir an deinen noch immer etwas dicken Kopf fasst und auf einmal feststellst: Oh, da sind elf Abgänge. Es war ja schließlich nicht so, dass die alle erst in Egestorf am letzten Spieltag entstanden sind. Es gab in der Mannschaft Spieler, die wollten eben unbedingt die Sicherheit haben, auch in der nächsten Saison in der Regionalliga zu spielen. Diese Sicherheit konnten wir den Spielern nicht so frühzeitig garantieren. Da ist es dann auch nicht verwerflich, sich umzusehen und Avancen anderer Vereine zu folgen. Ende Mai, als unser Klassenerhalt sicher war, war der Markt dann eben etwas leerer, weil andere Vereine frühzeitiger planen konnten. Wir hatten – so wie alle Mannschaften in allen Ligen, die unten drin stehen und sich spät retten – eben das Problem, dass wir uns auf diesem Markt bedienen mussten und das zur Verfügung stehende Material dann halt ein anderes war. Da muss man unserem Präsidenten Reenald Koch, der seine Kontakte spielen lassen hat, ein Kompliment machen. Wir haben es geschafft, zwölf gute neue Spieler zu bekommen, von denen vier aus dem U19-Bereich kommen. Und das nicht aus der U19-Bundes-, sondern der U19-Regionalliga. Zwischen den beiden Ligen ist schon nochmal ein deutlicher Unterschied. Drei von ihnen hatten bereits ihre Einsätze in der Regionalliga. Nur unser Keeper Anton Lattke noch nicht, der sich aber auch toll entwickelt hat.

Lass uns noch mehr ins Detail gehen: Erklär uns doch mal, was die aktuelle Eintracht-Truppe aus deiner Sicht auszeichnet?

Martens: Es ist zu allererst mal eine ganz neue Mannschaft, die sehr gut zusammenpasst und sehr gut zusammenarbeitet. Sie hat eine richtig gute Kameradschaft und einen großen Teamspirit entwickelt. Die Jungs leisten eine vernünftige Arbeit mit dem Trainerteam. Auch unsere beiden Physiotherapeutinnen Jindra Nesteriuk und Angelique Hinrich arbeiten ebenso wie alle anderen rund um die Mannschaft ausgezeichnet. Das Ganze passt einfach. Das ist unser großes Plus.


Auf Seite zwei spricht Jens Martens über fußballerische Veränderungen, die Ausgeglichenheit in Sachen Torschützen und die Perspektiven der Eintracht.

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