Regionalliga Nord

„Wenn eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt hätte, dann wären wir das gewesen!“

19. Oktober 2020, 15:31 Uhr

Harter Abnutzungskampf: Aurel Loubongo-M'Boungou (li.) und Ogechika Heil duellieren sich um den Ball. Foto: KBS-Picture.de

Sechs Jahre lang war er im Nachwuchs des FC St. Pauli aktiv, durchlief sämtliche Jugendteams der Kiezkicker, absolvierte diverse Partien in der B- sowie A-Bundesliga für die Braun-Weißen und 44 Regionalliga-Einsätze (neun Treffer). Im Sommer jedoch schloss er sich dem großen Lokalrivalen an und geht seither für die U21 des Hamburger SV auf Torejagd. Dementsprechend heiß dürfte Robin Meißner vor dem etwas ungewöhnlichen Derby am Montagnachmittag um 14 Uhr vor nahezu leeren Rängen im Edmund-Plambeck-Stadion gewesen sein (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen)…

Sein Jubel fiel verhalten aus, als er den Ball in der 35. Spielminute nach Zuspiel von Tobias Fagerstörm im Eckigen unterbrachte und den Rückstand der „Rothöschen“ egalisierte. Für Robin Meißner dürfte in jenem Moment dennoch so etwas wie Genugtuung mitgeschwungen haben. „Wenn man länger für einen Verein spielt, ist es schon etwas Besonderes. Aber im Endeffekt spiele ich jetzt beim HSV und schieße hier die Tore“, gab sich der Schütze hinterher sehr zurückhaltend.

Heim ins Krankenhaus - Umstrittener Strafstoß führt zur Führung

St. Paulis U23-Keeper Jesper Heim blieb früh verletzt liegen und musste wohl mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden. Gute Besserung! Foto: KBS-Picture.de

Dabei begann das Derby mit einem Schreckmoment: Nicht mal 180 Sekunden waren gespielt, da bekam Hausherren-Keeper Jesper Heim den Fuß von Fagerström an den Kopf, musste zunächst behandelt werden, biss dann auf die Zähne, ehe es für ihn doch nicht weiterging (13.). Auf der Ersatzbank musste Heim untersucht werden und schließlich – nach kurzer Spielunterbrechung – mit der Trage ins Krankenhaus abtransportiert werden. Sein Team steckte den Schock schnell weg und ging nach einem höchst umstrittenen Strafstoß – Ex-Kiezkicker Marc Hornschuh soll Cemal Sezer zu Fall gebracht haben – durch eben Sezer in Führung (32.). „Aus meiner Sicht war es kein Foul und auch aus Sicht des Spielers war es kein Foul“, ärgerte sich HSV II-Coach Pit Reimers über den Pfiff von Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer. Selbst sein Gegenüber gestand ganz offen: „Ich hätte den nicht gepfiffen. Aber wir haben das Geschenk angenommen“, so Joachim Philipkowski.

"Den hab' ich schon drin gesehen"

Mit einem sehr strittigen Elfmeter brachte Cemal Sezer die Gastgeber in Front. Foto: KBS-Picture.de

Die Mannen mit der Raute auf der Brust hatten aber postwendend in Person von Robin Meißner die die passende Antwort parat. Chancenlos war in jener Szene Heim-Vertreter Malte Schuchardt, der nach der Pause seinen großen Auftritt hatte: Meißner und Alidou spielten Fagerstörm frei. Dieser steuerte auf den 22-Jähigen zu – doch der gebürtige Rostocker fuhr sein Bein aus und entschärfte die Eins-gegen-Eins-Situation sensationell (55.). „Den hab' ich schon drin gesehen“, gab Philipkowski zu. Wenig später war Schuchardt allerdings mit dem Glück und dem Innenpfosten im Bunde – während Moritz-Broni Kwarteng nur Zentimeter zum 2:1 für die Gäste fehlten (60.). Es folgte abermals das Duell Meißner vs. Schuchardt – und zwar in doppelter Ausführung. Beide Male war der sankt paulianische Torsteher obenauf (80., 82.).

Gefühlte Niederlage? "Ja, das kann man so sagen"

Robin Meißner (re.) gelang jedoch der postwendende Ausgleichstreffer gegen seinen Ex-Club. Foto: KBS-Picture.de

„Für uns war es wichtig, nach den zwei Niederlagen wieder in die Spur zu finden und eine Reaktion zu zeigen. Ich glaube, das ist uns auch gelungen. Aber mit dem 1:1 können wir heute nicht zufrieden sein, weil wir einfach die spielbestimmende Mannschaft waren“, resümierte Meißner, dessen Teamkollegen nicht aufsteckten und selbst in der Nachspielzeit noch zur Chance auf den „Luckypunch“ kamen. Erst war es Gentrit Limani, dem nach einem Meißner-Freistoß die Genauigkeit fehlte, dann Faride Alidou nach einer Meißner-Ecke per Kopf. „Natürlich ist das ärgerlich. Aber so ist Fußball“, trauerte der ehemalige Kiezkicker Meißner den vergebenen Chancen hinterher – und entgegnete auf die Frage, ob das Unentschieden angesichts des Spielverlaufs eine gefühlte Niederlage sei: „Ja, das kann man schon so sagen, wenn man die Chancen betrachtet.“

"Ein schmutziger Punkt für uns"

Auch sein Trainer hatte diesbezüglich eine klare Meinung: „Wenn eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt hätte, dann wären wir das gewesen“, stand Reimers mit seiner Meinung nicht alleine da. „In der zweiten Halbzeit hat der HSV ganz klar das Spiel gemacht und hatte im letzten Drittel ganz klar die besseren Aktionen. Im Endeffekt ist das für uns ein schmutziger Punkt“, resümierte Philipkowski.

Die komplette Pressekonferenz im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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