Kreisliga 4/Bezirksliga

„Wenn du keinen Spirit in der Mannschaft hast, kann man so einen Erfolg nicht haben“

16. Juli 2020, 11:00 Uhr

Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, die er als Familie bezeichnet, sei bei BU III besonders, so Kapitän Jan Ruhnke. Foto: Sofie Zerck

Es ist etwas, was es im Hamburger Amateurfußball nicht oft gibt. Genau genommen: nur zwei Mal – und das in einem Fall auch noch ganz frisch: Nach dem Niendorfer TSV ist der HSV Barmbek-Uhlenhorst der zweite Club in der Hansestadt, der für sich in Anspruch nehmen kann, behaupten zu dürfen, von der Ober- über die Landes- bis hin in die Bezirksliga mit jeweils einer Mannschaft vertreten zu sein. Dem Aufstieg der „Dritten“ von BU aus der Kreis- in die Bezirksliga sei dank. Wir haben mit Jan Ruhnke, dem Kapitän der Barmbeker Drittvertretung, über genau diesen Fakt, die abgelaufene Saison, die kommende Spielzeit, personelle Veränderungen, den Aufstieg und Viktoria Harburg – den großen Kontrahenten in der abgebrochenen Serie – gesprochen.

„Das mit Viktoria“, sagt Ruhnke irgendwann direkt zu Beginn des Gesprächs ohne Umschweife und ganz offen, „ist eine super doofe Situation.“ Was der „Capitano“ von BU III meint, ist schnell erklärt: Die Harburger hatten in der Spielzeit 2019/2020 drei Spiele weniger absolviert, als die Saison wegen der Corona-Krise abgebrochen wurde. Rein theoretisch also hätte das Team aus dem Süden der Hansestadt im Verlauf der Serie noch an Tabellenführer BU III vorbei ziehen können, wenn sie denn regulär beendet worden wäre. Auch in Sachen Quotient wäre Viktoria dann vor BU III gewesen. Doch, die vorherigen Sätze im Konjunktiv lassen es schon vermuten: daraus wurde nichts – und letztlich ist es nun die „Dritte“ aus Barmbek, die aufsteigt. Weil sie eben den ganz knapp besseren Quotienten von 2,45 im Vergleich zu 2,41 hat. „Wir können uns gut in die Jungs von Viktoria reinversetzen. Wenn uns das passiert wäre, dann hätten wir auf dem Verbandstag sicher genau so reagiert und argumentiert“, gibt Ruhnke zu Protokoll.

„Wenn uns das passiert wäre, hätten genauso reagiert und argumentiert wie Viktoria Harburg“

Der Einsatz zahlte sich für die Barmbeker Drittvertretung aus: Am Ende stand der Aufstieg zu Buche – wenn auch letztlich mit Corona-Hintergrund. Foto: Sofie Zerck

„Wir können uns jetzt nicht hinstellen, denen eine lange Nase zeigen und sagen, dass sie Pech gehabt haben. Wir wären die letzten, die sich nicht auch gefreut hätten, wenn Viktoria Harburg aufgestiegen oder mitaufgestiegen wäre. Sie hätten es genauso verdient wie wir“, fügt der BU III-Kapitän hinzu und gibt zu, dass die Art und Weise, wie der Sprung in die Bezirksliga zustande kam, die Freude irgendwie schon ein wenig getrübt habe: „Jede Mannschaft möchte natürlich lieber sportlich auf dem Platz aufsteigen. Es geht nichts darüber, die Euphorie zu haben, nach 90 Minuten vom Platz zu gegen und zu wissen: Wir haben es geschafft.“ 


Nun aber ist es, wie es ist – und BU III hat es geschafft. Wie bereits erwähnt beschert man damit dem Verein eine Besonderheit, die so sonst nur der Niendorfer TSV bislang zu bieten hatte: „Klar: Wir haben schon vor dem Aufstieg wahrgenommen, dass es da eine einzigartige und historische Chance für den Verein HSV Barmbek-Uhlenhorst gibt, die dem Club ermöglicht, sich nochmal anders und positiver darzustellen“, konstatiert Ruhnke und ergänzt: „Wenn jemand bei BU aus der A-Jugend herauskommt, dann muss er als Spieler nicht mehr unbedingt weggehen, um im Herrenfußball einen Platz zu finden. Er kann bei seinem Verein bleiben und hier in der Ersten, Zweiten oder Dritten Mannschaft unterkommen – das ist schon eine tolle Perspektive, die BU bieten kann.“

„Wir können uns nicht hinstellen, denen die lange Nase zeigen uns sagen, dass sie Pech hatten“

Es darf gejubelt werden: Insgesamt traf BU III in der Saison 2019/2020 73 Mal ins Schwarze. Foto: Sofie Zerck

Und das in einem Verein, in dem die Wege und die Durchlässigkeit zwischen den drei Teams im Herrenbereich dann auch noch kurz und hoch sind. „Wie es in der Zusammenarbeit zwischen der Ersten und der Zweiten Mannschaft läuft und künftig laufen wird, kann ich nicht im Detail beurteilen. Da haben wir nicht viel mit zu tun, deswegen will ich da auch nicht viel zu sagen. Aber ich kenne Jan Haimerl (der bisherige Trainer der „Zweiten“, der jetzt Coach der „Ersten“ ist, Anm. d. Red.)“, weiß Ruhnke, dass auch aus dem Oberliga-Team fraglos auf die „Zweite“ und die „Dritte“ geschaut wird. Der Austausch zwischen diesen beiden Teams sei, so der „Käpt'n“ von BU III, „top. Nicht nur durch die Spieler, die in der Saison aus der Zweiten in die Dritte Mannschaft gekommen sind.“ 


Damit meint Ruhnke Akteure wie André Jozic oder Mirco Missullis. Gerade Letztgenannter oder auch Nico Hofmann seien in der vergangenen Saison „brutal wichtig gewesen“, so der 29-Jährige, „nicht nur, was das Fußballerische angeht. Sie bringen jede Menge Erfahrung aus was weiß ich wie vielen Spielen mit. Aber sie sind auch für die Stimmung in der Mannschaft wichtig. Lange Zeit war ich ja einer der Ältesten und habe mich – was nicht negativ klingen soll – manchmal gefühlt wie der Betreuer eines Kindergartens. Es war enorm wichtig, dass solche Jungs dazu gekommen sind. Ohne sie wäre der Aufstieg deutlich schwieriger geworden.“ Das gilt auch für einen weiteren Spieler: „Haakon Tabel, der vor der letzten Saison zu uns gekommen ist, war sofort ein wichtiger Faktor und Leistungsträger. Wettbewerbsübergreifend hat er 19 Buden gemacht und war Top-Scorer. Er ist trotz seines jungen Alters zum Führungsspieler geworden und ist jetzt als Lohn zweiter Co-Kapitän geworden“, sagt Ruhnke.

Auf der zweiten Seite gibt's Infos über Ab- und Zugänge sowie einen Ausblick von Kapitän Jan Ruhnke auf die neue Spielzeit in der Bezirksliga und das Saisonziel von BU III.

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