Bezirksliga West

„Wenn dich dein Trauzeuge fragt, ob du als Torwart aushelfen kannst, überlegst du nicht lange“

29. Oktober 2020, 13:43 Uhr

Comeback in der Bezirksliga: Yalcin Celani stand am Wochenende für Komet Blankenese im Kasten. Foto: noveski.com

Der Moment liegt noch gar nicht so lange zurück: Im März, als der Hamburger Amateurfußball aufgrund des Corona-Virus zum ersten Mal seinen Spielbetrieb unter- und später die Spielzeit 20219/2020 abbrechen musste, erklärte Yalcin Ceylani seinerzeit in einem Gespräch mit der FussiFreunde-Redaktion, dass er mit sofortiger Wirkung nicht mehr zum Kader des Oberliga-Vertreters FC Süderelbe zählen und seine aktive Karriere als Fußballer beenden werde. In Sachen Futsal, so „Yalle“ damals, wolle er den HSV-Panthers weiterhin erhalten bleiben. Nun, etwas mehr als ein halbes Jahr später, stand Ceylani am vergangenen Wochenende wieder auf dem Fußballfeld zwischen den Pfosten. Bei Komet Blankenese in der Bezirksliga West. Wir haben mit „Yalle“ über seine Rückkehr ins Tor, das Spiel vom Wochenende und eventuelle weitere Einsätze für den West-Bezirksligisten gesprochen.

„Das ist wie bei Jan-Hendrik Kaetow“, sagt Ceylani am Anfang des Gesprächs und verweist auf den letzten Transfer, den der Club tätigte: Der Ex-Saseler, der in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen geplagt wurde und eigentlich das Ende seiner aktiven Karriere erklärt hatte, heuerte unlängst bei den Schützlingen von Trainer Joachim Dankowski an und erweiterte damit die Riege der bekannten Namen, die in der Oberliga oder höherklassig Erfahrung gesammelt haben, wie Tim Vollmer, Sören Lühr, Christian Dirksen, Sascha Richert oder Christian Schümann. Zudem steht mit Steven Schönfeld, der in der vergangenen Saison mit 47 Treffern in 17 Spielen maßgeblich zum Aufstieg in die Bezirksliga beitrug, ein veritabler Torjäger im Team. Und zu dem gehört nun eben auch Yalcin Ceylani. „Als Standby-Spieler“, wie er selbst sagt.

„Es macht unglaublich viel Spaß – nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes“

Ceylani ließ sich von Daniel Brehmer zum Engagement bei Komet überreden. Foto: noveski.com

Und das kam so: „Eigentlich“, so erzählt uns „Yalle“, „ist es eine recht simple Sache: Für mich war klar, dass ich bei Süderelbe aufhöre und auch kein Fußball mehr spielen wollte. Wir sind damals umgezogen und im Dezember werde ich nun zum ersten Mal Vater. Bei den Gesprächen im Frühjahr war noch nicht so wirklich klar, wie es mit dem Amateurfußball in der Corona-Zeit denn überhaupt weitergehen würde. Ich hatte einige Angebote und da waren auch ein paar gute Sachen dabei, die ich aber abgelehnt habe. Ich wollte mich auf das Familiäre, den Beruf und Futsal konzentrieren.“ Doch dann kam „vor zwei oder drei Wochen“ jemand, der Ceylani doch vom Gegenteil überzeugte: „Mein Trauzeuge Daniel Brehmer hat sich bei mir gemeldet und mir erzählt, dass Komet zwar zwei Torhüter hat, aber einer von beiden sich einer größeren Operation unterziehen müsse und länger ausfällt. Er hat dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, noch mal im Tor zu stehen. Das war eher nicht mein Plan. Aber: Wenn dich dein Trauzeuge fragt, ob du als Torwart aushelfen kannst, überlegst du nicht lange.“ Und so gab „Yalle“ diesmal nicht seiner Frau Janina, sondern Komet das „Ja-Wort“ – allerdings unter bestimmten Bedingungen.

„Tim und ich haben nur zwei oder drei Minuten gebraucht, um uns wieder aneinander zu gewöhnen“

Anweisungen von Yalle“: Mit Vordermann Tim Vollmer spielte der Keeper schon in Rugenbergen zusammen. Foto: noveski.com

„Da ich noch nicht weiß, wie das alles wird, und wie viel Zeit unser Kind ab Dezember dann in Anspruch nimmt, wenn es auf der Welt ist, habe ich von Anfang an klar gesagt: Ich komme nur donnerstags zum Abschlusstraining, damit man zwei Torhüter hat und ein richtiges Spiel machen kann. Und Futsal mit den Panthers hat Vorrang. Wenn wir parallel spielen sollten, dann bin ich dort“, berichtet Ceylani, für den es neben seinem Trauzeugen noch weitere Gründe gab, die letztlich dafür sprachen, in Blankenese zuzusagen: „Es spielen viele Jungs da, die meine Freunde sind, Mit denen habe ich in Rugenbergen zum Teil sechs Jahre zusammengespielt, bis ich dort 2011 gegangen bin. Jetzt kicke ich neun Jahre später nochmal mit Typen wie Sören Lühr, Christian Dirksen oder Tim Vollmer zusammen. Sascha Richert zum Beispiel kenne ich auch aus vergangenen Tagen, an denen wir noch gegeneinander gespielt haben“, fühlt sich „Yalle“ bei Komet bestens aufgehoben und aufgenommen und sagt: „Es ist richtig nett hier, sehr familiär. Es macht unglaublich viel Spaß – nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes.“ Gemeint ist damit unter anderem die berühmte „dritte Halbzeit“, das Zusammsensein nach dem Spiel – natürlich corona-konform. „Beim FC Süderelbe gab's das am Ende seltener. Da sind die ersten Jungs schon geduscht und fast wieder weg gewesen, als ich nach dem Abpfiff überhaupt erst in der Kabine angekommen bin“, lacht „Yalle“, der bei seinem Premieren-Auftritt als Komet-Keeper gegen den SV Hörnerkirchen gleich mal „zu Null“ spielte und befindet: „Es war sehr schön, wieder zu spielen.“    

„Vielleicht lecke ich so viel Blut, dass ich weitermachen will – sag' niemals nie...“

Mit Blankenese eine Liga hoch – und dann Landesliga-Keeper sein? Ein Szenario, das der 32-Jährige nicht gänzlich ausschließt. Foto: noveski.com

Wie's zwischen den Pfosten abläuft „verlernt man nicht“, grinst der 32-Jährige, der ran durfte, weil „Goalie“ Patrick Jobmann eigentlich an diesem Tag nicht da sein sollte. Letztlich war die Nummer eins dann doch da, aber weil „man viel unternommen hatte, um meine Freigabe zu bekommen, habe ich dennoch gespielt. Für Patrick war das okay. Es war zwar ein bisschen ungewohnt, weil ich von der letzten Station bei Süderelbe Kunstrasen gewohnt war und wir jetzt auf Rasen gespielt haben, aber mit Tim Vollmer habe ich ja jahrelang ein Torhüter-Innenverteidiger-Duo gebildet – da versteht man sich. Wir haben vielleicht zwei oder drei Minuten gebraucht, um uns wieder aneinander zu gewöhnen“, konstatiert Ceylani, der von der Qualität seiner neuen Truppe beeindruckt ist: „Da sind natürlich schon einige Jungs dabei, die richtig gut kicken können. Das weiß man ja, wenn man sich kennt und auf deren Karriere guckt. Aber die Mansnchaft ist auch insgesamt richtig gut. Ich hatte mir vorher angeguckt, wie unser Gegner Hörnerkirchen bisher so gespielt hatte. Die hatten bis dahin keine Partie verloren. Das war also schon ein Top-Spiel, wenn man das am vierten Spieltag so nennen kann. Gegen so eine Mannschaft musst du auch erstmal 4:0 gewinnen“, sagt Ceylani, der den Komet-Kickern – im Falle einer Saisonfortsetzung – einiges zutraut. Vielleicht ja sogar den Aufstieg? Und dann ein Landesliga-Dasein mit Ceylani? „Darüber hab' ich noch nicht nachgedacht. Ich wil fit und gesund bleiben, freue mich auf die Geburt unseres Kindes und dann auf die Zeit als Vater. Aber wer weiß: Vielleicht lecke ich so viel Blut, dass ich weitermachen will – sag' niemals nie...“, so „Yalle“ abschließend.

Jan Knötzsch

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