08.04.2018

Weiter in der „mentalen Abwärts-Spirale“: AFC holt sich wieder eine „blutige Nase“

Altona verliert 1:2 gegen Jeddeloh – Norderstedt bestätigt Brisevac-Verpflichtung

Ein Bild, das Bände spricht: Altonas Andy Akoteng-Bonsrah nach dem Schlusspfiff. Foto: KBS-Picture.de

Andy Akoteng-Bonsrah taugte an diesem eigentlich wunderschönen Fußball-Nachmittag bei Temperaturen von über 20 Grad und blauem Himmel irgendwie als Symbolbild dafür, dass eine Sache aus Sicht von Altona 93 eben nicht eitel Sonnenschein war: das Ergebnis. Mit 1:2 unterlag der AFC dem SSV Jeddeloh und bleibt damit in der Regionalliga Nord auf heimischem Platz weiter ohne Sieg. Es war jener Andy Aktoteng-Bonsrah, der drei Minuten vor dem Ablauf der regulären Spielzeit nochmal eine Chance hatte, die Niederlage im letzten Augenblick abzuwenden. Bezeichnend: Sein Schuss flog meterweit drüber. Und so ging der Neuzugang, der im Winter vom HSV II nach Altona wechselte, nach dem Spiel in die Hocke und schaute betrübt zu Boden.

Ein paar Meter von ihm entfernt lag Tjark Grundmann auf dem Boden. Niedergeschlagen. Szenen, die wie die berühmte Faust aufs Auge zur aktuellen Altonaer Situation passen. Der AFC steckt zehn Spiele vor dem Ende der Saison weiterhin inmitten des Kampfes um den Klassenerhalt, das gemeine Abstiegsgespenst zieht mächtig an den AFC-Trikots. „Ich kann den Unmut der Zuschauer darüber, dass wir zuhause bisher noch keinen Punkt geholt haben, verstehen. Aber es ist ja nicht so, dass wir uns abschießen lassen oder ergeben. Wir haben Spieler, die in das Anforderungsprofil Regionalliga hereinwachsen mussten und müssen. Wir werden bis zum Schluss alles geben“, erklärte Altonas Coach Berkan Algan nach dem Spiel, das für seine Mannschaft verheißungsvoll begonnen hatte.

Algan: „Wir haben das mentale Oberwasser und damit auch das Spiel verloren“

Da jubelte der AFC noch: Jan-Ove Edeling (re.) traf nach 13 Minuten zum 1:0 für Altona. Foto: KBS-Picture.de

Die 1004 Zuschauern in der Adolf-JägerKampfbahn – unter ihnen Kiez-Legende Kalle Schwensen – sahen nämlich einen AFC, der zunächst Glück hatte, dass Jeddeloh seine Chancen durch Connor Gnerlich (9.) und Julian Bennert (9., 10.) nicht nutzen konnte, und dann selbst in Führung ging: Ein langer Ball nach vorne landete bei Jan-Ove Edeling, der sich bei seinem anschließenden Alleingang von keinem Gegenspieler beeindrucken ließ und zum 1:0 für seine Farben vollendete (13.). Fünf Minuten später lenkte AFC-Keeper Grundmann einen Freistoß von Florian Stütz über die Latte. Vier Minuten vor dem Seitenwechsel hatte Altona dann abermals die Glücksgöttin Fortuna auf seiner Seite, als ein Schuss von Kevin Samide, der sich gefährlich nah Richtung Pfosten drehte, noch abgeblockt werden konnte.

Der zweite Durchgang begann mit einer Doppelchance, bei der Sanoussy Baldé per Kopf an Schlussmann Mrco Maaß im SSV-Tor scheiterte und Niklas Holz anschließend das Außennetz traf (47..) Apropos Holz: Altonas Defensivmann war es dann, der nach 54 Minuten im Strafraum Bastian Schaffer zu Fall brachte. Den Elfmeter verwandelte Stütz, der Grundmann verlud und unten links einschoss, zum Ausgleichstreffer (55.). Und nur sechs Minuten später lag die Pille abermals hinter der Linie des AFC-Gehäuses. Diesmal konnte Grundmann nach einer Stütz-Ecke zunächst einen Kopfball von Anton Stach parieren, doch der Ball blieb heiß und Schaffer hatte aus kurzer Distanz keine Mühe, die Gäste in Führung zu bringen (61.). Es folgten: eine weitere AFC-Chance durch Clifford Aniteye (75.) und Aktoeng-Bonsrahs Fehlschuss sowie für Jeddeloh ein Alleingang, an dessen Ende Schaffer weit verzog (80.). Dann war Schluss.

Riebau: „Wir sind ruhig geblieben und für unsere couragierte Leistung belohnt worden“

Mit vereinten Kräften: AFC-Keeper Tjark Grundmann (re.) und Mitspieler Sanoussy Baldé gegen Jeddelohs Keven Oltmer (am Boden). Foto: KBS-Picture.de

„In der Anfangsphase haben wir das Spiel dominiert und hatten viele Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Dann fangen wir uns ein unglückliches 0:1, sind zu passiv geworden und nicht mehr in die Räume gekommen. Das haben wir in der Halbzeit angesprochen“, erklärte SSV-Trainer Key Riebau, „kurz nach der Pause haben wir ein Ding zu überstehen, bei dem der Torhüter gut hält. Wir sind danach ruhig geblieben in unseren Aktionen und sind für unsere couragierte Leistung belohnt worden.“ Dem AFC, so Riebau weiter, „wünsche ich viel Glück für die kommenden Aufgaben und das man das Wunder, drin zu bleiben, schafft.“ Worte, die Berkan Algan gern vernommen haben dürfte. Davon abgesehen war der Coach des AFC genickt. Wie so oft nach den Heimspielen in dieser Saison.

„Zunächst hatten wir Glück, dass der Ball in der einen oder anderen Situation nicht reingegangen ist. Danach waren wir gut im Spiel und haben die Räume auch relativ gut zugemacht. Kurz nach der Pause müssen wir das zweite Tor machen, kriegen das aber nicht gewuppt. Wenn das 2:0 fällt, ist die mentale Spirale in unseren Köpfen lösbarer. Das schaffen wir nicht und dann nimmt das Spiels einen Lauf: Wenn du gegen eine starke Mannschaft mit hoher Qualität nicht triffst, wirst du bestraft. Wir haben uns in dieser Saison sehr oft eine richtig blutige Nase geholt“, gab Algan zu Protokoll und erklärte mit Blick auf den Ausgleichstreffer: „Für mich sieht das so aus, dass beide Spieler ineinander laufen.“ Nach diesem Treffer, so der Coach „haben wir das mentale Oberwasser und damit auch das Spiel verloren. Man hat die Unsicherheit gemerkt.“

Brisevac unterschreibt bis 2020 bei Eintracht Norderstedt

Nick Brisevac (vo.) geht im Sommer nach Norderstedt Foto: KBS-Picture.de

Stichwort verloren: Nach der heutigen Niederlage muss der AFC am Ende der Saison noch einen weiteren Verlust hinnehmen: Zwischen Nick Brisevac und AFC-Ligarivale Eintracht Norderstedt besteht Einigkeit über einen Wechsel des 25-Jährigen an die Ochsenzoller Straße. Dies bestätigt Eintracht-Präsident Reenald Koch: „Wir wollten uns noch einmal qualitativ verstärken und da ist ein Spieler wie Nick Brisevac natürlich sehr interessant“, so der 58-Jährige zum Portal "amateur-fussball-hamburg.de": „Die Regionalliga Nord wird sich in der kommenden Saison, allein schon weil Werder Bremen II absteigt, verändern. Mit der Einstellung, die einige unser aktuellen Spieler in den letzten Wochen hatten, werden wir da nicht mehr auskommen.“ Brisevac erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020.


„Brise“ selbst wollte nach dem Spiel zu diesem Thema offiziell keine Stellung beziehen. AFC-Manager Andreas Klobedanz hatte auf der Pressekonferenz noch erklärt: „Wir haben mit Nick noch ein zweites Gespräch, das auf den 20. April terminiert ist. Er hat bisher nichts gesagt, also gehe ich davon aus, dass das noch offen ist. Es macht nicht den Eindruck, dass er weg will.“ Und die Meinung des Coaches zum jetzt sicheren Abgang des Kapitäns? „Jeder Spieler ist für sein Verhalten verantwortlich – egal ob positiv oder negativ. Wenn ein Spieler eine Entscheidung trifft, die für ihn subjektiv das Beste ist, aber für den Verein nicht, dann ist das so. Wir haben eigentlich noch ein zweites Gespräch mit allen. Es ist eine für einen Trainer extrem schweinische Aufgabe, in so einer Abwärts-Spirale auch noch solche Themen zu haben. Ich werde weiterhin versuchen, die Herzen und Köpfe der Spieler weiter zu pushen. Wir haben noch zehn Spiele“, sagte Berkan Algan. 

Jan Knötzsch 

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