RL Nord (Nord-Staffel)

Wegen Gnerlich wird’s für Altona nicht herrlich: Bedienter Bergmann „hatte gehofft, dass wir etwas weiter sind“

06. September 2020, 17:59 Uhr

Altonas Emre Cem Töremis (li.) schirmt die Kugel gegen seinen Lübecker Widersacher ab.

Es hätte alles so schön sein können: Endlich wieder Fußball auf dem Rasen der „AJK“, der Heimat von Altona 93. Endlich wieder ein Spiel vor einer ordentlichen Zuschauerkulisse – rund 500 Fans fanden den Weg zur Adolf-Jäger-Kampfbahn, die der AFC in emsiger Vorarbeit Coroba-konform hergerichtet hatte – und endlich wieder etwas Zählbares für das Konto des AFC. Doch zumindest letzteres sollte im ersten Spiel der Nach-Algan-Ära nicht klappen. Bis hin zur Nachspielzeit hatte die Mannschaft des neuen Trainers Andreas Bergmann im Duell mit Aufsteiger 1. FC Phönix Lübeck einen Zähler sicher – doch dann segelte der Ball einmal quer durch die Box, Conor Gnerlich stand frei und ließ es sich nicht nehmen, das Leder an Altonas Keeper Tobias Braun vorbei zum 2:1 für die Marzipanstädter in den Maschen zu versenken. 

Der Rest war großer Jubel auf Seiten der Gäste – und ein Resultat, das den Altonaern so gar nicht schmeckte. Denn während Gnerlich – übrigens erst 13 Minuten vor dem Ende eingewechselt und mit einer Vergangenheit im Nachwuchs des FC St. Pauli gesegnet – eine geraume Zeit nach dem Abpfiff mit breitem Grinsen und einer Musikbox in den Händen zum Mannschaftsbus der „Adler“ aus Lübeck marschierte, gab Benjamin Safo-Mensah nach der Begegnung ein ganz anderes Bild ab. Der Defensivmann der Gastgeber Minuten machte Minuten nach dem Match einen geknickten Eindruck. „Wir sind in der zweiten Halbzeit leider ein paar Mal einen Schritt zu spät gekommen, hatten aber trotzdem eine gute Ordnung. Wir haben uns allerdings zu tief fallen lassen – das war das Problem. Wir hätten ein bisschen mehr vorrücken können“, sagte der 24-Jährige und ergänzte: „Insgesamt haben wir uns gut gewehrt. Lübeck hatte nicht die ganz klaren Chancen.“ Aber eben diesen einen Moment in der 94. Minute, der über Wohl und Wehe an der „AJK“ entschied.

Safo-Mensah: „Wir waren schlecht gestaffelt – und dann steht er da am zweiten Pfosten frei“

Tempo aufgenommen: Leon Mundhenk (re.) entwischt dem Lübecker Haris Hyseni.

Dem AFC blieb – eine Parallele zur Zeit unter Ex-Trainer Berkan Algan – dabei auch unter dem neuen Übungsleiter Andreas Bergmann wieder einmal die Glücksgöttin nicht wohlgesonnen. Oder wie Benjamin Safo-Mensah es beschrieb: „Wir waren in der Sitiuation leider schlecht gestaffelt, ein paar Spieler waren zu weit weg vom Mann – inklusive mir. Und dann steht er da halt am zweiten Pfosten frei. Es hat nicht sein sollen. Das ist bitter“, konstatierte Altonas Nummer 23, während sich anschließend eine Etage höher im Pressekonferenz-Raum der „AJK“ Daniel Safadi freute. „Wir sind glücklich, dass wir das Spiel so kurz vor dem Ende fast mit dem Abpfiff noch drehen konnten. Zudem sind wir froh darüber, dass wir endlich mal wieder vor Zuschauern gespielt haben“, sagte der Phönix-Coach. „Am Ende waren wir aber auch die Mannschaft, die den größeren Willen hatte, die drei Punkte zu holen“, befand Safadi, der mit Kevin Tittel (früher SV Halstenbek-Rellingen), Kusi Kwame (in der vergangenen Saison noch beim Hamburger SV II) und dem Ex-Vicky-Stürmer Nick Scharkowski, der in der zweiten Halbzeit ins Spiel kam, diverse ehemalige Hamburger einsetzte. Noor Al-Tamemy, der einst beim FC Teutonia 05 kickte, blieb derweil ohne Einsatz und sah Altonas 1:0 durch Henrik Bombek (11.) und den Ausgleich durch Haris Hyseni (17.) von der Bank aus.

Bergmann: „Wir hatten unnötige Ballverluste, die den Gegner immer mehr wachsen lassen haben“

Unter Bedrängnis: Phönix-Angreifer Hyseni springt:das Spielgerät an den Arm.

„So glücklich, wie mein Kollege ist, so unglücklich sind wir natürlich, wenn man mit dem Schlusspfiff das Gegentor bekommt“, bilanzierte auf der anderen Seite Andreas Bergmann. „Es war ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und Einsatz. Aber wir sind in unseren Abläufen noch nicht so drin. Gerade zum Schluss müssen wir konsequenter sein. Wir hatten unnötige Ballverluste im Spiel, die den Gegner immer mehr wachsen lassen haben und ihm Situationen gebracht haben, die den Glauben gestärkt haben“, gab der AFC-Trainer zu Protokoll und fügte dann hinzu: „Das tut uns jetzt sehr weh. Wir waren ein bisschen zu verhalten. Trotzdem wäre es nicht unverdient gewesen, wenn wir einen Punkt geholt hätten.“ Er habe, so der 61-Jährige, „gehofft, dass wir schon etwas weiter sind. In den letzten beiden Freundschaftsspielen waren wir überzeugter und etwas griffiger – das haben wir diesmal nicht so hinbekommen. Natürlich haben wir aber viele junge Spieler und müssen von Spiel zu Spiel mehr Erfahrungen machen. Wir brauchen noch Zeit.“ Apropos Zeit: Zumindest für Benjamin Safo-Mensah gab es am Ende einen Grund zur Freude. Sein Comeback nach einem Achillessehnenriss nämlich. „Es ist geil, wieder auf dem Platz zu stehen. Das ist nach der 14-monatigen Pause ein kleiner Erfolg für mich“, erklärte der 24-Jährige.

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