Oberliga 01

Was für ein ComeBECK, MANN: „Ich juble so sehr, als wäre es mein Tor gewesen!“

30. Oktober 2021, 00:39 Uhr

Grenzenloser Jubel bei Deran Toksöz (li.) nach seinem Siegtor. Foto: Bode

Als er sich eine Viertelstunde vor Ultimo seiner Trainingsklamotten entledigte, an der Ersatzbank bereit machte und schließlich auch das Spielfeld betrat, brandete großer Applaus auf: Nach ewig langer Leidenszeit und unglaublicher Verletzungshistorie feierte Abdullah Beckmann sein Fußball-Comeback (alle Highlights im LIVE-Ticker). Mehr noch. Seit Sommer 2019 ist der Saseler Parkweg seine fußballerische Heimat – sein Pflichtspieldebüt für den TSV musste aber fast zweieinhalb Jahre auf sich warten lassen. „Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der so lange bei einem Verein ist und sich ohne Spielminute so krass mit der Mannschaft und mit dem Verein identifiziert“, schwärmte Trainer Danny Zankl im Anschluss von dem Menschen Beckmann.

Eine Viertelstunde vor Ultimo betrat Abdullah Beckmann nach ewig langer Leidenszeit das Grün im Sportpark Hinschenfelde und verhalf seinen Saselern zum Auswärtssieg. Foto: Bode

Noch bevor es aber zu jenem Moment kam, fragte Zankl den leidgeprüften 25-Jährigen, ob er denn bereit sei. „Er hat gesagt, er traut sich das zu“, verriet der Sasel-Dompteur im Nachgang. Beckmann selbst scherzte hinterher: „Es gab gar keine Option, Nein zu sagen! Es war eine rhetorische Frage, die sich Danny selbst beantwortet hat. Denn wir hatten ja keinen Innenverteidiger mehr“, sprach er auf das Defensiv-Dilemma an. Kjell Ellerbrock und Benjamin Lucht fielen aus, Luis Take musste eine Viertelstunde vor dem Ende verletzungsbedingt passen. „Ich bin reingegangen und wollte mich für meine Mannschaft und all die Leute, die an mich geglaubt haben, zerreißen“, so Beckmann, der beim Stand von 1:1 ins Geschehen eingriff. 


Im Endeffekt half „Abu“ nicht nur dabei, den einen Zähler über die Zeit zu schaukeln, sondern krönte sein Bilderbuch-Comeback sogar noch mit einem Sieg. „Ich juble so sehr, als wäre es mein Tor gewesen!“, strahlte der Sympathieträger übers ganze Gesicht.

"Wir waren die Mannschaft, die Kultur und Struktur reingebracht hat"

Die Hausherren - hier in Person von Kapitän Onur Saglam (li.) und Clifford Aniteye - haderten mit einigen Schiri-Entscheidungen. Foto: Bode

Sechs Minuten waren noch zu gehen, als Sasels Maximilian Grünberg vom rechten Flügel nach innen zog und einen herrlichen Chip-Ball auf den startenden Lukas-Gabriel Kourkis spielte. Dessen Abschluss entschärfte Cordi-Keeper Rick Hess zwar noch, aber gegen den Nachschuss von Deran Toksöz war er machtlos (86.)! „Aus meiner Sicht sind wir hier der hochverdiente Sieger“, urteilte Zankl, dessen Mannen einfach mehr wollten und das nicht zuletzt in jener Szene unter Beweis stellten. „Wir waren die Mannschaft, die hier Kultur und Struktur nach vorne reingebracht hat – auch in der ersten Halbzeit schon“, befand der TSV-Trainer. „Das Mittelfeld-Pressing hat gesessen. Sie kamen spielerisch nicht durch.“

Das "böse Erwachen" bei Toksöz und ein "Wundermittel"

Doch zurück zum Siegtor und zum Siegtorschützen. Dessen Einsatz stand nämlich arg auf der Kippe. Nicht umsonst hatten die Gäste beim Warmmachen mit Leon Tonder einen zwölften Akteur auf dem Platz, er sich intensiv vorbereitete. „Es war nicht klar, dass Deran spielt“, erklärte Zankl. „Sein Fuß ist aus dem letzten Spiel ganz blau und dunkel. Deshalb haben wir ihn unter der Woche rausgenommen, um ihm Ruhe zu geben.“ Am Freitagmorgen folgte jedoch „das böse Erwachsen, dass der Bluterguss in die Wade gewandert und alles zu ist“. So musste sich Toksöz einer ausgiebigen Behandlung unterziehen, gab dann aber doch das grüne Licht. „Dass er so lange durchhält, ist eigentlich ein Wunder. Aber ‚Ibo‘ ist in manchen Fällen ein Wunderzeug“, hatte Zankl anschließend gut lachen. Auch in Bezug auf den goldenen Treffer: „Den hätte ich auch gemacht – vielleicht sogar mit dem Kopf vorweg“, scherzte er.

Bölter bringt Cordi in Front

Luis Take (re.) - hier im Duell mit Cordis Andy Appiah - erzielte kurz nach der Pause den Saseler Ausgleich. Foto: Bode

Während Toksöz den Luckypunch setzte, freuten sich die Teamkameraden nicht nur mit ihm, sondern auch mit Abdullah Beckmann und stimmten nach Schlusspfiff „Abu“-Sprechchöre an. Dabei profitierte der Rückkehrer, der eigentlich erst im Januar wieder zu einer richtigen Alternative werden sollte, vom Ausscheiden von Luis Take. Der „Blondschopf“ war vorher an zwei entscheidenden Situationen beteiligt. Kurz vor der Halbzeit gab er keine allzu glückliche Figur ab, als er Marc Bölter in seinem Rücken nicht starten sah und eine gewisse Teilschuld am Rückstand hatte. Denn Bölter kam nach einer Stafette über Andy Appiah, Onur Saglam und Lawrence Schön vor eben jenem Take an die Kugel und überwand Todd Tuffour zur Cordi-Führung (38.).

Take macht Fehler wieder gut - "Das ist natürlich super brutal!"

Zwei Torschützen im Kampf um den Ball: Marc Bölter (Mi.) vs. Deran Toksöz. Foto: Bode

Doch Take machte seinen Fehler wieder wett, als er die Schlafmützigkeit der Hausherren unmittelbar nach der Pause eiskalt bestrafte. Nach einem Freistoß von Toksöz legte Take nicht nur puren Willen und vollste Überzeugung an den Tag, sondern profitierte auch von der komplett fehlenden Zuteilung der Concorden. Mit dem Kopf kam Take vor Cordi-Keeper Rick Hess und Steven Lindener an das Leder – 1:1 (49.). Der nächste Nackenschlag für die Hausherren: Die verletzungsbedingte Auswechslung von Seyhmus Atug (51.). „Das ist natürlich super brutal! Dieser ‚Doppelschlag‘ tat schon weh“, konstatierte Cordi-Coach Frank Pieper-von Valtier, der die ohnehin schon „alles andere als günstige Ausgangssituation“ mit verletzten Schlüsselspielern wie Hischem Metidji, der heute ebenfalls sein Comeback feierte, Ian-Prescott Claus und Torhüter Johannes Höcker beklagte.

"Dieses Spiel müssen wir nicht verlieren" - Saglam sieht Gelb-Rot

„So mussten wir jede Woche etwas umstellen und verändern. Und natürlich hat man gemerkt, dass wir nicht alle optimal ersetzen können. Das ist eine wertvolle Information für uns“, so Pieper-von Valtier, der fand, „dass wir eigentlich gut ins Spiel gekommen sind, nicht viel zugelassen haben und verdient in Führung gegangen sind“. Grundsätzlich habe er „zwei Mannschaften auf Augenhöhe“ gesehen – zumindest in der ersten Halbzeit. Dann habe sein Team „nicht da weitergemacht“. Und das, obwohl „uns klar war, dass Sasel etwas umstellen wird. Darauf waren wir auch vorbereitet. Aber wir haben es nicht auf den Platz bekommen.“ Für Pieper-von Valtier war es „ein Unentschieden-Spiel“. Oder anders gesagt: „Dieses Spiel müssen wir nicht verlieren.“ Zu allem Überfluss sah Kapitän Onur Saglam in der Nachspielzeit auch noch die Gelb-Rote Karte von Referee Marco Kulawiak (SC Teutonia 10), dessen Entscheidung für reichlich Gesprächsstoff sorgte, und war kaum mehr einzukriegen.

"Cordi hat sich nicht an unser System angepasst, sondern so weitergespielt"

Das 2:1 für die Gäste! Deran Toksöz (li.) ist entschlossener und schneller am Ball als Lawrence Schön. Foto: Bode

Aber zurück zur Saseler Umstellung: „In der Halbzeit haben wir ein bisschen umjustiert. Im Spiel nach vorne haben wir mit drei Stürmern gespielt. So konnten wir ganz gut Spieler binden und sind immer wieder über die Seite frei durchgekommen“, fanden die Hausherren keinerlei Mittel mehr. „Cordi hat sich nicht an unser System angepasst, sondern defensiv so weitergespielt. Somit blieben die Räume für uns da, wir konnten uns immer wieder spielerisch befreien und die konnten keinen Druck auf uns aufbauen“, weil die Zankl-Zocker die Außen von Cordi immer wieder auf die Innenverteidiger zog und dadurch selbst über den Flügel viel Platz hatte.

"Hut ab, wie wir das durchgezogen und runtergespielt haben"

Onur Saglam (re.) musste nach Schlusspfiff von Co-Trainer Ricardo Medina aufgrund der Gelb-Roten Karte zurückgehalten werden. Foto: Bode

„Das muss man der Mannschaft hoch anrechnen, dass wir – auch schon in der ersten Halbzeit – auf dem Boden immer wieder spielerische Lösungen gesucht haben. In ein paar Aktionen waren wir ein bisschen Kunstrasen-verliebt. Aber Hut ab, wie wir das unter Druck runtergespielt und durchgezogen haben“, lobte Zankl seine Schützlinge nach dem verdienten Sieg im Sportpark Hinschenfelde und der Revanche fürs Hinspiel, als die „Parkwegler“ auf heimischem Geläuf noch mit 0:4 verloren. Lange ist das her. Aus den letzten sieben Begegnungen konnte Cordi nur einen Sieg einfahren. Fast schon eklatant für die Ansprüche! Nicht nur das. Mittlerweile ist Sasel den Regionalliga-ambitionierten Concorden auf sieben Zähler enteilt…

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren